Meinung
Der Schalker Aufstieg – und was der FCK daraus lernen kann
Als die Schalker Arena am Samstagabend emotional explodierte, dürften auch viele Fans des 1. FC Kaiserslautern neidvoll gen Gelsenkirchen geblickt haben. Die königsblauen Bundesliga-Aufsteiger erlebten einmalige Glücksgefühle, von denen man vor dieser Saison auch auf dem Betzenberg leise geträumt hat. Es gibt jedoch handfeste Gründe dafür, warum der Tabellen-14. (!) der Vorsaison künftig wieder in der Liga mitkicken darf, in die er aufgrund seines Status’ als einer der wuchtigsten und wichtigsten Traditionsvereine Deutschlands mit über 200.000 Mitgliedern auch hingehört, während zum Beispiel der FCK eine weitere Extrarunde im Unterhaus drehen muss.
Die wichtigste Erkenntnis von Schalkes Sportvorstand Frank Baumann, dem unaufgeregten Baumeister der Bundesliga-Rückkehr, lautete vor dieser Saison: Die Zweite Liga ist eine „Trainer-Liga“. Sprich, die qualitativen Unterschiede der Kader innerhalb der Spielklasse im Gegensatz etwa zur weitgehend zementierten Bundesliga sind so gering, dass der richtige Trainer den Unterschied ausmachen kann. Baumann fand diesen im Österreicher Miron Muslic, der auf Schalke ein Team choreografiert hat, das seine Stärken aus einem präzise aufeinander abgestimmten Kollektiv ableitet. In abgeschwächter Form ist die Korrektheit von Baumanns Trainertheorie auch bei Hannover 96 zu beobachten, wo der Mannheimer Christian Titz für einen stabilen Aufschwung mit intakten Aufstiegschancen gesorgt hat.
Im Winter kam entscheidende Qualität dazu
Und im Wintertransferfenster zog der Schalker Manager die richtigen Schlüsse aus der Herbstmeisterschaft, die vor allem mit etlichen auf Effizienz und widerborstigem Defensivspiel beruhenden 1:0-Siegen bewerkstelligt worden war. Die Gelsenkirchener benötigten bessere Lösungen mit Ball, mehr Qualität in der Offensive. Die hochkarätigen Winterverpflichtungen Dejan Ljubicic, Adil Aouchiche und Edin Dzeko schlugen voll ein und hoben Schalke endgültig auf Aufstiegsniveau. Die beste Mannschaft verlässt verdientermaßen die Zweite Liga.
Für die Attraktivität der Bundesliga sind das großartige Nachrichten. Durch Schalke kehrt nach dem HSV und Köln in der Vorsaison das nächste Schwergewicht zurück, während mit Heidenheim, St. Pauli oder Wolfsburg bei allem Respekt eher verzichtbare Klubs absteigen werden. Von den richtig großen alten Namen in der Bundesliga-Geschichte fehlen jetzt eigentlich nur noch Hertha BSC, vielleicht der 1. FC Nürnberg – und natürlich der 1. FC Kaiserslautern.
Das Beispiel Schalke lehrt den FCK vor allem eines: Mit vielen richtigen Entscheidungen kann man in der Zweiten Liga auch aus dem Mittelmaß ganz schnell nach oben gespült werden. Und das ist doch ein kleiner Hoffnungsschimmer in diesen schwierigen Tagen auf dem Betzenberg.
