Formel 1 RHEINPFALZ Plus Artikel Der Saisonstart in Bahrain: Wenig Spannung, aber reichlich Spannungen

Allein auf weiter Flur auf dem Bahrain International Circuit: Max Verstappens Red Bull.
Allein auf weiter Flur auf dem Bahrain International Circuit: Max Verstappens Red Bull.

So viel geküsst wurde noch selten in der Boxengasse, soviel gestritten wohl selten. Völlig unbeeindruckt von allen Querelen zeigte sich nur Max Verstappen. Der Weltmeister macht einfach da weiter, wo er aufgehört hat in seiner Rekordsaison: Er fährt allem Ärger auf und davon.

Sollten die 57 Runden beim Großen Preis von Bahrain repräsentativ sein für die längste Saison der Formel-1-Geschichte, dann ist die Frage beantwortet, von welchem Zeitpunkt an es langweilig werden könnte: ab jetzt. Max Verstappen hatte mit seinem runderneuerten Red-Bull-Rennwagen am Samstagabend 22,4 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Sergio Perez. Welch eine Demütigung der so hoffnungsvollen Konkurrenz, die noch viel weiter hinterherfuhr. Nach einer unerwartet knappen Qualifikation war es die befürchtete neuerliche Machtdemonstration des dreifachen Weltmeisters.

Daher war es nicht nur der ungewohnt kühle Wüstenwind, der die Konkurrenz erschaudern ließ. Das Auftaktrennen zeigte, dass Verstappen weiterhin eiskalt zur Sache geht. Wenn er sagt, dass sein Arbeitstag ein Genuss gewesen sein, dann darf das als Drohung verstanden werden: Da kommt noch mehr als dieser Start-Ziel-Sieg. Entsprechend gelöst zeigte sich Verstappen (26) nach dem der 55. Grand-Erfolg seiner Karriere: „Es hätte besser nicht sein können. Ich war eins mit meinem Auto.“

„In einer eigenen Galaxie“

Charles Leclerc im Ferrari konnte nur 300 Meter mithalten, er wurde gequält von Bremsproblemen und reihte sich am Ende als Vierter hinter seinem Kollegen Carlos Sainz jr. ein. Mercedes erlebte mit einem fünften Rang von George Russell und einem siebten von Lewis Hamilton ein bitteres Déjà-vu. Teamchef Toto Wolff gab zu: „Max fährt nicht in seiner eigenen Liga, sondern in einer eigenen Galaxie.“

Die sportliche Depression rührt vor allem daher, dass die Verfolger mit ihren Neukonstruktionen tatsächlich einen großen Schritt gemacht haben, dass es im Feld eng zu geht wie nie. Aber was nützt einem das schon, wenn der Champion nach Belieben das Tempo bestimmen kann? Die einzige Hoffnung liegt darin, dass der Bahrain International Circuit eine spezielle Charakteristik besitzt. Bei der Wiedergutmachung bereits an diesem Samstag in Saudi-Arabien trifft die Grand-Prix-Karawane auf eine komplett gegensätzliche, ultraschnelle Piste mit vielen Unwägbarkeiten.

Doch die Tatsache, dass beim ersten WM-Lauf alle Teams auf der gleichen Reifenstrategie waren, und es keine Aus- oder Zwischenfälle gab, die das Ergebnis beeinflussen hätten können, unterstreicht die untadelig überlegene Leistung von Verstappen und Perez. Eine „klinische Präzision“ bescheinigte Teamchef Christian Horner via Boxenfunk direkt nach der Zieldurchfahrt.

Max Verstappen und sein umstrittener Teamchef Christian Horner (links).
Max Verstappen und sein umstrittener Teamchef Christian Horner (links).

Der perfekte Start, wenn da nicht die weiterhin schwelende Affäre um Horner selbst nicht wäre. Weder der Freispruch durch die ermittelnde Kanzlei nach den Anschuldigungen seiner persönlichen Assistentin wegen unangemessenen Verhaltens noch der demonstrative, Händchen haltende und Küsschen gebende Auftritt mit seiner prominenten Gattin Geri Halliwell (das Ex-Spice-Girl) im Fahrerlager konnten die Unruhe im Umfeld des Champion-Teams abschwächen. Kaum schienen durch die Überlegenheit seiner Fahrer alle Zweifel weggewischt, dass die Machtkämpfe hinter den Kulissen die Rennmannschaft negativ beeinträchtigt, gingen die Intrigenspielchen in die nächste Runde.

Gegenüber der „Daily Mail“ sagte Rennfahrervater Jos Verstappen, dass der Rennstall explodieren werde, solange Horner im Amt bleibe. Damit hat sich erstmals jemand aus dem engeren Kreis aus der Deckung gewagt, und bestätigt, dass es hinter den Kulissen gewaltig rumoren muss. Verstappen senior dementierte zugleich, dass er hinter durchgesteckten Informationen und anonymen E-Mails mit angeblichen Screenshots von brisanten Chatprotokollen steckt. „Aber solange er in seiner Position bleibt, wird es zu Spannungen kommen“, sagt der ehemaligen Formel-1-Pilot über Horner, „er spielt das Opfer, dabei ist er derjenige, der die Probleme verursacht.“ So könne man nicht weitermachen.

Horners Trumpf aus Thailand

Aber genau das beabsichtigt Horner. In Sakhir sprach der umstrittene Manager, dessen Machtvolumen der österreichischen Konzernzentrale ein Dorn im Auge ist, von einer großen Unterstützung im Team und meint wohl damit die operative, britische Seite. Freiwillig werde er seinen Posten nicht räumen, er sei sich sicher, dauerhaft Teamchef zu bleiben. Sein Trumpf ist Chalerm Yoovidhya, der thailändische Mehrheitseigner der Getränkefirma. Dieser war eigens nach Bahrain gekommen, um Horner den Rücken zu stärken.

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