Kommentar Der FCK und die Tage des Donners

Er steht vor einer Herkulesaufgabe: Beiratssprecher Markus Merk.
Er steht vor einer Herkulesaufgabe: Beiratssprecher Markus Merk.

Die Gläubiger haben ihr Urteil gefällt. Nun müssen Markus Merk und seine Kollegen Verein, Fans und Umfeld einen. Das wird eine Herkulesaufgabe.

Speyer erfuhr in diesen Tagen eine unverhoffte Ehre – als Deutschlands Blitz-Hauptstadt 2019. Nirgendwo sonst in der Republik entlud die himmlische Elektrizität sich derart wie in der Domstadt. Wo es blitzt, da donnert es. Das Epizentrum liegt diesbezüglich ebenso in der Pfalz. In Kaiserslautern. Es brodelt derart, dass man fürchten muss, dem Betzenberg fliegt bald die Kuppe weg.

Im Zuge der Investorenakquise hat die Atmosphäre rund um den FCK sich enorm aufgeladen, der Strom zischt ungezügelt. Die Fans sind hypernervös. Sie wollten Antworten, schnell. Das ist ihr gutes Recht. Dass der Beiratsvorsitzende Markus Merk oder Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt sich bis zu der gestern getroffenen Entscheidung des vorläufigen Gläubigerausschusses mit Einblicken in den Findungsprozess zurückhielten, war gleichwohl richtig. Die Sache war zu diffizil, die Lage zu ernst, als dass man durch einen unbedachten Satz ein Ergebnis hätte riskieren können.

Das nächste Unwetter zieht herauf

Nun aber, da die Gläubiger ihr Urteil einstimmig zugunsten der regionalen Investorengruppe gefällt haben, müssen Markus Merk und Co. ihr Versprechen nach vollkommener Transparenz erfüllen. Keine Frage darf unbeantwortet bleiben, und sei sie noch so unbequem. Wieso, weshalb, warum: Alles muss auf den Tisch. Wie groß war nach dem Stabwechsel in der Führung doch die Hoffnung, der 1. FC Kaiserslautern würde die Reihen endlich schließen. Doch der Klub wirkt nach außen gespaltener denn je. Ihn, Fans und Umfeld zu einen, ist eine Herkulesaufgabe. Das wird in diesen so turbulenten Tagen des Donners mehr als deutlich.

Zumal am Mittwochabend im Anschluss an die Verkündungspressekonferenz ein neues Unwetter heraufzog. Jörg E. Wilhelm, Aufsichtsratschef der GmbH und Co. KGaA, twitterte, er habe in 30 Jahren als Anwalt nie derart viele Lügen vernommen. Am Donnerstag wolle er die Wahrheit verkünden. Obendrein bot er jedem TV-Sender ein Live-Interview an. Beiratssprecher Markus Merk hatte zuvor bereits angekündigt, intern dringend über derartige Vorstöße reden zu müssen. Der Verein benötige Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe. Ein hehrer Wunsch.