Meinung
Der Bundesliga-Gipfel und der Krieg
Der am Samstag ausgebrochene Krieg im Nahen und Mittleren Osten wirft seinen Schatten auch über den Fußball. Ein Beispiel aus einem Land, das längst auch zu einer beliebten Destination deutscher Touristen geworden ist.
Jeden Abend, vor der Kulisse des Indischen Ozeans und der untergehenden Sonne, treffen sich am riesigen Sandstrand der omanischen Hauptstadt Muscat Hunderte, um Fußball zu spielen. Manche bringen richtige kleine Tore mit Netzen mit, anderen werfen einfach ein T-Shirt oder eine Trinkflasche als Pfosten in den Sand. Was sie alle eint: die Freude am Kicken und der Stolz auf ihre Trikots europäischer Klubs. Die Premier League dominiert; aber wenn auch deutsche Jerseys zu entdecken sind, dann vor allem jene des FC Bayern München und von Borussia Dortmund.
Gerade in der arabischen Welt wird die Bundesliga gerne an Fernseher geschaut. Doch mit welchen Gefühlen haben diese Menschen in Muscat am Samstagabend nach ihren eigenen Spielen im Sand sich den Klassiker in Deutschland angesehen, wenn überhaupt?
Vor allem der Oman hatte in den Atomverhandlungen mit seinem Nachbarn Iran vermittelt. Die segensreiche und stille Diplomatie des Sultanats, das Kontakte zu sämtlichen Konfliktparteien inklusive Israel pflegt, wird geschätzt. Dass nun doch Raketen fliegen, muss gerade hier besorgen und betrüben.
Der Sport kann nichts dafür. Dennoch wäre es zynisch, den wendungsreichen Bundesliga-Gipfel als erstklassigen Fernsehexport aus Deutschland zu rühmen – Stichwort Auslandsvermarktung. Was er an jedem anderen Tag fraglos gewesen wäre. Die Welt hat aber andere Sorgen.
Der BVB ist, gerade nach dem kläglichen Königsklassen-Aus, der große Verlierer des Spiels. Doch sein Verdienst ist, dass diese Partie vor allem nach der Führung für die Dortmunder noch einmal überhaupt gewisse Bedeutsamkeit und somit Aufmerksamkeit erlangte. Weil er eine Siegesserie hingelegt hatte, als die Bayern kurz strauchelten. Sie haben nun die Gewissheit, einen Titel sicher einzustreichen. Kein übles Gefühl angesichts von Gegnern wie Real Madrid oder Manchester City, die im Viertelfinale der Champions League drohen.
Eine Gewissheit also an einem Tag, der weltpolitisch viel mehr Fragen aufwarf als er Antworten gab. Leider nur eine sportliche.