Fußball
Der Aufstiegsplan des 1. FC Saarbrücken
„Die beste Kurve der Welt“, adelte Kasim Rabihic vor der Fernsehkamera die „Virage Est“. Dabei trug Saarbrückens „Mann der Stunde“ eine ebenso ernste Miene zur Schau wie nach dem Abpfiff, als der gebürtige Münchner ausgiebig vorm Fangetümmel in besagter Ostkurve gebadet hatte. Die FCS-Anhänger hüpften nach dem 2:1 (2:0)-Sieg über Energie Cottbus freudetrunken auf der „Virage“ herum. Völlig aus dem Häuschen ob des Triumphs in einem Spitzenspiel, das dieses Gütesiegel auch verdient hatte.
Rabihic lacht nicht so gern. Der 32-Jährige verleiht seiner Freude eher Ausdruck, indem er grimmig dreinblickend die Fäuste schwingt. Anlass dafür gab’s jüngst zur Genüge: Seit der Schmach in Haching haben die Saarländer drei Siege in Serie bejubelt. Und Rabihic traf jedes Mal, so zum entscheidenden 2:1 in Köln – und jetzt zum so wichtigen 2:0.
Den Weckruf gehört
Das 0:2 bei Schlusslicht Unterhaching nannte FCS-Trainer und -Manager Rüdiger Ziehl am Samstag einen „Ausrutscher – leisten sich die anderen auch“. Sein Team hat den Weckruf gehört: Neun Zähler hat der FCS seither gegenüber Cottbus gutgemacht, den starken Aufsteiger im direkten Duell überholt. „Verdient“, grummelte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz anerkennend. Seine Elf hatte stark begonnen, mächtig Wirbel entfacht und die Partie kontrolliert. Bis „der erste Fehler, den wir in der Verteidigung als Mannschaft gemacht haben, das Spiel komplett gekippt“ hat, wie „Pele“ Wollitz stöhnend konstatierte.
In der Tat hatten die Gäste einige Löcher gähnen lassen, die die Saarbrücker bei einem Blitzangriff weidlich nutzten: Auf Pass von Patrick Sontheimer eilte Maurice Multhaup ab durch die Mitte, schüttelte in der Drehung einen Gegner ab und ahnte mehr, als dass er es sah, wie hinter seinem Rücken Kollege Sebastian Vasiliadis startete. Glänzend Multhaups Pass, den Vasiliadis unbehelligt per Schlenzer ins Ecke veredelte (23.).
War der FCS bis dato eher linkslastig unterwegs, lief eine Viertelstunde später ein Angriff über rechts. Philip Fahrners Maßflanke fand Rabihic, der am zweiten Pfosten den Ball per Kopf ins Netz beförderte – eine Rarität (38.). Die Saarbrücker hätten die Führung ausbauen können, Chancen gab es genug. Die beste ließ Winter-Neuzugang Florian Krüger liegen, der mit starkem Solo allen davoneilte, aber an Keeper Elias Bethke scheiterte.
Timmy Thiele trifft wieder
„Wir haben da auch fußballerische Momente gehabt. Ein 3:0 wäre wohl übertrieben gewesen – aber möglich“, sagte Ziehl, der indes auch feststellte: „Cottbus kann hier in Führung gehen.“ Dass ein Gegner dieser Güte dann Druck entfache, sei ja zu erwarten, meinte der FCS-Coach mit Blick auf die Drangphasen der Lausitzer nach dem Wechsel. Der Anschlusstreffer fiel früh – in Minute 56 war der personifizierte FCS-Schreck zur Stelle: Timmy Thiele, vierfacher Schütze beim 4:1 im Hinspiel, traf erneut gegen seinen Lieblingsgegner. Mehr gestattete die an Gegentoren gemessen beste Defensive der Liga nicht.
Mit dem Sieg klettert der FCS erstmals auf einen der Direkt-Aufstiegsplätze. „Den wollen wir nicht mehr hergeben“, kündigte Ziehl an, sich bis Mai tabellarisch nicht mehr bewegen zu wollen. Allenfalls noch einen Platz nach vorn – da gäb’s keine Einwände.