Fußball
Das unterscheidet die neue mächtige Frau im Fußball von manchen Männern
Katharina Kiel trägt gerne schwarze Kleidung. Was ein stimmiges Bild ergab, als sich die neue Präsidentin der Frauen-Bundesliga FBL e.V. in den schwarz getünchten Räumen von Eintracht Frankfurt in neuer Rolle vorstellte. „Ein historischer Tag, der die letzten anderthalb Jahre nicht nur abrundet, sondern vor allem dieser Zeit eine Richtung gibt“, sagte die Direktorin von Eintracht Frankfurt danach. Die Gründung eines solchen Interessensverbandes sei kein Abschluss, „sondern der Anfang für eine starke, sichtbare und unabhängige Liga.“ Und sie ist mit 33 Jahren gleich deren Gesicht.
Wer ist diese Frau, die im Schnelldurchgang die Karriereleiter nach oben geklettert ist?
Die im niedersächsischen Northeim geborene Kiel wollte zunächst Eiskunstläuferin werden, sie fing mit fünf Jahren an, brachte es in Frankfurt zur Hessischen Meisterin, ehe sie sich mit 14 doch für den Fußball entschied. Mit 15 debütierte sie für die Zweitvertretung des 1. FFC Frankfurt, gab bald ihr Bundesligadebüt beim SC Bad Neuenahr. Doch wegen ständiger Knieprobleme nach zwei Kreuzbandrissen musste sie bei der TSG Hoffenheim bereits 2016 aufhören, was sie sehr bedauerte: „Ich habe das Fußballspielen geliebt.“
Ein Talent für Sprachen
Nebenbei studierte sie (Sport und Spanisch), machte sich nach der Karriere selbstständig. Ihr Vorbild: Ihr aus Kasachstan nach Deutschland gekommener Vater, der sich im Energiesektor verdingte. Ihr Leitsatz: „Von nichts kommt nichts.“ Ein Glücksfall sollte für sie ein Stipendium der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für die Ausbildung „Management im Profifußball“ sein. Referent damals: Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche, der die aufstrebende Frau zunächst als Technische Direktorin unters Adlerdach holte. Mit der Vertragsverlängerung bis 2029 wurden kürzlich ihre Aufgaben erweitert: Kiel obliegt die strategische Gesamtsteuerung des Frauenfußballs beim hessischen Traditionsverein. „Sie wird Eintracht Frankfurt national wie international noch stärker repräsentieren, unsere Haltung im und zum Frauenfußball vertreten und diesen auch über den eigenen Klub hinaus weiterentwickeln“, sagte Krösche. Seit Mittwoch vereint sie bei den Frauen nun fast eine Machtfülle wie Hans-Joachim Watzke bei der DFL für die Männer.
Frankfurts Vorstandschef Axel Hellmann nannte das mal – nicht ganz ernst gemeint – einen „hervorragenden Vergleich“. In Wahrheit pflegt Katharina Kiel einen völlig anderen, weil diplomatischeren und smarteren Führungsstil. Die Omnipräsenz mancher Männer in diesem Metier braucht diese Frau gewiss nicht. Kiel könne „die Dinge im großen Bild denken“, sagte Hellmann: „Sie hat den Blick auf den gesamten Kosmos des professionellen Frauenfußballs gelegt.“ Die sachorientiert auftretende, mitunter etwas distanziert wirkende Managerin gilt als extrem fleißig und zielstrebig, ihre Arbeitstage hätten oft elf, zwölf Stunden, erzählen Wegbegleiter. Pausen gönne sie sich selten. Ihr Netzwerk ist international angelegt: Sie spricht Englisch und Spanisch fließend, versteht Französisch und Russisch.
Auf diplomatischem Parkett
Kiel bezeichnete ihre Berufung an die Spitze des neuen Interessenverbands als „große Ehre“. Dass ihre erste Pressekonferenz nicht ganz so glatt lief, viele Fragen unbeantwortet blieben, hatte einen einfachen Grund: Sie konnte und wollte dem DFB nicht die Tür nicht vor der Nase zuschlagen. Sich in dieser zerstrittenen Gemengelage neutral zu verhalten, war nicht ganz so einfach, denn eigentlich soll ja noch immer eine gemeinsame Gesellschaft mit dem Mutterverband gegründet werden.
Kommunikativ kann Kiel noch zulegen, zumal ihr Fürsprecher Hellmann ankündigte, es sei bald nicht mehr seine Aufgabe, den Prozess zu beschreiben: „Sie muss sich in ihrem Präsidium einen Arbeitsplan zurechtlegen.“ Das hat die neue Ligapräsidentin bereits getan, die allerdings auch bei Eintracht Frankfurt gefordert ist: Der Anschluss an die Spitzengruppe der Frauen-Bundesliga droht verloren zu gehen. Der Umbruch im vergangenen Sommer war bereits herausfordernd, nun laufen die Verträge von Topspielerinnen wie Elisa Senß, Nicole Anyomi und Geraldine Reuteler aus.
Parallel will Katharina Kiel die Professionalisierung der gesamten Liga voranbringen. Als wichtigste Aufgabe nannte sie die Verhandlungen über einen Medienvertrag ab der Saison 2027/2028, von dem sich die Vereine deutlich mehr Erlöse erhoffen. Kiel will nicht ausschließen, dass man sich vielleicht sogar alleine um die Vermarktung kümmert, denn in diesem Punkt könne man durchaus etwas von den Männern übernehmen: „Die DFL ist auch alleine losgegangen.“