Formel 1 RHEINPFALZ Plus Artikel Das Spektakel wird bald eingebremst

Max Verstappen im Geschwindigkeitsrausch. Doch das Trenngeschehen droht bald viel komplizierter zu werden.
Max Verstappen im Geschwindigkeitsrausch. Doch das Trenngeschehen droht bald viel komplizierter zu werden.

Die Rennen werden immer besser, die Spannung wird immer größer – selbst wenn Max Verstappen weiter gewinnt. Und mit dem Großen Preis von Spanien beginnt die Saison der klassischen europäischen Rennstrecken. Doch die Formel 1, wie wir sie kennen, soll sich drastisch ändern.

Mit einem drastischen, vielleicht sogar dramatischen Reglementwechsel will die Königsklasse des Motorsports grüner werden, vor allem aber wird sie trotz mehr als 1000 PS Leistung gewaltig eingebremst. Die Fahrer und die Rennställe gehen auf die Barrikaden, mit dem Weltmeister als Rädelsführer.

Nach zweieinhalb Jahren verstehen alle Teams inzwischen die Ground-Effekt-Autos. Wer dachte, dass sich für 2026 nur der Motor ändert, hat sich getäuscht. Das gesamte Auto wird kürzer, schmaler aber auch deutlich schwerer. Das liegt vor allem an den zusätzlichen Elektromotoren, die das Erreichen des Mindestgewichts von 768 Kilogramm kaum ermöglichen werden. Denn schon heute sind viele Autos übergewichtig. Im Prinzip bedeutet weniger Gewicht mehr Action für die Fahrer, aber Champion Max Verstappen zweifelt daran: „Um ein bisschen mehr Spaß zu haben, müsste der Rennwagen bis zu 150 Kilo leichter werden.“ Was angesichts der komplexen Technik unmöglich zu erreichen ist.

Das Regelwerk überrascht

Die Wettbewerbshüter des Automobilweltverbandes Fia wollen mit den künftig je zur Hälfte durch E-Fuels und von Elektromotoren angetriebenen Autos neben der Umweltfreundlichkeit ein weit aus besseres Racing liefern, was ein vernünftiges und ehrenwertes Anliegen ist und auch Audi in die Formel 1 gelockt hat. Doch die Zweifel sind groß, ob es einfacher, günstiger und spannend wird. Die Konstrukteure sind überrascht vom neuen Regelwerk. Der erfolgreiche McLaren-Teamchef Andrea Stella, ein gelernter Ingenieur, formuliert den Aufstand gegen die gewollte technische Revolution: „Auf den Geraden sind diese Autos zu schnell, in den Kurven sind sie zu langsam.“ Die Sorge ist groß, künftig nur noch eine Formel 2 zu sein.

Gegenüber den heutigen Autos, wo es schon viel Geld und Aufwand kostet, ein paar Kilo einzusparen und so die Leistung zu erhöhen, müssten in Zukunft sogar 60 Kilogramm abgespeckt werden, damit das Gewicht nicht zu stark bremst. Tempo ist nun mal das alles bestimmende Ideal im Motorsport. „Die Formel 1 muss weiterhin die Spitze des Motorsports bilden“, mahnt auch Williams-Teamchef James Vowles, „deshalb müssen wir die momentane Leistung und den Speed beibehalten“.

Es geht also ums Grundsätzliche. Formel-1-Chef Stefano Domenicali gibt zu, dass es sich um eine ganz neue Dimension handelt. Der Italiener hütet das Image der Serie und ist verantwortlich für das boomende Milliardengeschäft. Er weiß, dass es sich um eine Kompromissformel handelt und gibt deshalb zu: „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“

Neue Kundschaft ein Faktor

Die zweite große Sorge wird ebenfalls von den Technikern geteilt, die von Berufswegen kein Problem haben, über Hybridisierung zu sprechen. Sie befürchten jedoch, dass gerade die durch Netflix rekrutierte neue und zahlreiche Formel-1-Kundschaft bald gelangweilt sein dürfte, wenn Renngeschehen zu kompliziert zu verstehen sind. Anlass dafür ist die abrufbare Zusatzenergie aus den Batterien, die die bisherige aerodynamische Überholhilfe namens DRS ablösen soll. Der eine lädt sein Auto auf, der andere greift mit Überschuss an, das Ganze mal 20 und über bis zu 70 Runden. Gut gemeint, aber wer soll da noch den Überblick behalten?

„Es wird definitiv komplizierter werden“, sagt sogar Titelverteidiger Verstappen und zieht sarkastische eine Parallele zum Computerspiel Mario Kart: „Fehlen eigentlich nur noch Bananenschalen und Schildkrötenpanzer ...“ Ernster fügt er an: „Ich sehe noch viele Fragezeichen.“ Auch Fernando Alonso als dienstältester Formel-1-Fahrer ist genervt von der hohen Komplexität: „Ich denke, es sollte alles einfacher sein und wieder mehr um pures Rennfahren gehen.“ Einen ersten Erfolg können die Gegner der Transformation verbuchen. Zwar sollen die Eckpfeiler des neuen Reglements noch in diesem Monat vom Weltrat der Fia verabschiedet werden. Danach aber sollen die Teilnehmer bei der Ausgestaltung stärker mitreden dürfen.

Bis zum 1. Januar muss alles klar sein, denn ab dann dürfen die neuen Rennwagen gebaut werden. „Abwarten, ob das wirklich ein Schritt in die richtige Richtung ist“, sagt Rekordweltmeister Lewis Hamilton und eröffnet damit die Verhandlungsrunde. Es darf geschachert werden.

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