Meinung
Das Scheitern des deutschen Eishockey-Teams ist peinlich
Es glich schon einem verbalen Frontalangriff. Klar, der eines Gefrusteten. Aber im Nachhinein hat der zugunsten von Weltstar Leon Draisaitl abgesetzte deutsche Eishockey-Kapitän Moritz Müller Recht behalten. „Die besten Mannschaften, die ich bei Deutschland erlebt habe – das war 2018 und 2023. Da muss diese Mannschaft erst noch hinkommen“, sagte Müller (39) nach der angesichts der Niederlage gegen Lettland bereits ziemlich verkorksten Olympia-Gruppenphase – der nun das heftige 2:6 im Viertelfinale gegen die Slowakei folgte. Mannschaft? Welche Mannschaft?
Natürlich, die Silber-Helden von Pyeongchang hätten beim Turnier von Mailand mit allen internationalen NHL-Stars kaum eine Chance gehabt – ebenso wenig wie die sensationellen Vizeweltmeister von 2023. Aber ohne die Asse aus der besten Liga der Welt stand da wirklich eine Mannschaft, der berühmte verschworene Haufen auf dem Eis. Diesmal schien es so, als hadere der eine oder andere Arrivierte aus der Deutschen Eishockey-Liga damit, dass er weniger Eiszeit bekam.
Harold Kreis’ Dilemma
Was einerseits logisch ist, denn Draisaitl, Moritz Seider oder Tim Stützle sind nicht einfach irgendwelche NHL-Profis, die in der vierten Sturmreihe oder in der dritten Verteidigung ihrer Klubs brav ihre Rolle erfüllen. Nein, sie sind Stars ihrer Teams in Nordamerika – und damit der Liga. Somit geht der Vorwurf an Bundestrainer Harold Kreis, er habe einseitig auf die Besten gesetzt, ein bisschen ins Leere. Andererseits waren die großen Namen offenkundig Gift für Teamchemie und Fitness – ein Dilemma. Drei derbe Niederlagen aus fünf Spielen sind peinlich. Die Fallhöhe ist enorm.