125 Jahre FCK
Das Ausrufezeichen nach der Rettung
Die Rollenverteilung war klar: Werder Bremen, von Otto Rehhagel trainiert, geht am 19. Mai 1990 als haushoher Favorit ins DFB-Pokal-Endspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern.
Der FCK schien am 24. Februar 1990 dem Abstieg geweiht, als die Lauterer am Mannheimer Alsenweg beim SV Waldhof unter die Räder kamen, eine peinliche 0:4-Derbyschlappe quittierten und auf einen Abstiegsplatz abrutschten. Waldhof träumte auf Platz siebn von der Teilnahme am Uefa-Cup. FCK-Trainer Gerd Roggensack, einst als Flügelstürmer mit „Zick-Zack-Roggensack“-Rufen auf dem Betze gefeiert, wurde am Tag nach dem Desaster gefeuert. Kalli Feldkamp, schon von 1978 bis 1982 sehr erfolgreich in der Pfalz tätig, kam aus Ägypten zurück. Er übernahm den FCK nach 22 Spielen mit 16:28 Punkten auf dem vorletzten Platz. Die Rettungsmission gelang, am Ende war der FCK mit 31:37 Punkten Zwölfter und gewann erstmals den DFB-Pokal. Als Tabellen-17. stieg der SV Waldhof nach zwölf Spielen ohne Sieg ab.
Erst Roggensack, dann „Kalli“
Die ersten zwei Runden sowie Achtel- und Viertelfinale meisterten die Lauterer mit Roggensack als Cheftrainer, im Halbfinale und Finale führte Kalli Feldkamp das Kommando.
Der Start in den Pokalwettbewerb war mühsam. Im kleinen Ulrich-Haberland-Stadion, quasi ein Vorplatz mit Tribüne, gewann der FCK vor 3000 Zuschauern 1:0 (1:0) bei den Amateuren von Bayer Leverkusen. Das Tor des Tages gelang Abwehrhüne Kay Friedmann. In der zweiten Runde setzte sich der FCK beim FSV Mainz 05, dem späteren Meister der Oberliga Südwest und Zweitliga-Aufsteiger, mit 3:1 (1:0) durch. Bruno Labbadia, Sergio Allievi und Stefan Kuntz schossen die Lauterer Tore, das 1:2 hatte der Mainzer Münch erzielt.
Ein Kuntz-Eigentor in der 90. Minute ließ das Achtelfinale gegen den späteren Vizemeister 1. FC Köln noch einmal spannend werden. Am Ende hatten die Roten Teufel 2:1 (1:0) gewonnen. Stefan Kuntz hatte das 1:0 erzielt, Axel Roos das 2:0 geschossen.
Wiedersehen mit Neues
Im Viertelfinale besaß der FCK erneut Heimrecht und bootete Bundesliga-Rivale Fortuna Düsseldorf mit 3:1 (2:1) aus. Reinhard Stumpf und Stefan Kuntz hatten die 2:0-Führung besorgt, Richard Walz markierte den Anschlusstreffer, Kapitän Kuntz machte mit dem 3:1 alles klar. Im Halbfinale bei Kickers Offenbach gab’s ein Wiedersehen mit Hans-Günter Neues. Der ehemalige FCK-Profi hatte als Trainer bei den Kickers angeheuert, die er zurück in die 2. Liga bringen sollte. Das Ziel wurde verfehlt, die Pokalüberraschung wollte auch nicht gelingen. Unspektakulär 1:0 (0:0) gewann der FCK, das goldene Tor gelang Tom Dooley.
Werder hatte sich mehr als Platz sieben in der Bundesliga ausgerechnet und wollte die Saison mit dem Pokalsieg retten. Otto Rehhagels Mannschaft war mit Assen wie Oliver Reck, Mirko Votava, Rune Bratseth, Uli Borowka und Dieter Eilts sehr gut besetzt, in der Offensive wussten Torjäger „Kalle“ Riedle und Wynton Rufer in Günter Hermann einen klugen Ideengeber hinter sich. „Wir hatten uns zwei Spieltage vor Saisonschluss gerettet, dadurch herrschte eine gewisse Euphorie in der Mannschaft“, erinnert sich Axel Roos.
Bullenhitze in Berlin
Obwohl das Spiel um 18 Uhr angepfiffen wurde, herrschte im Berliner Olympiastadion noch eine Bullenhitze. Der FCK erwischte einen Traumstart. Das kongeniale Sturmduo Labbadia/Kuntz war nicht zu stoppen. Vor 76.391 Zuschauern schockte Bruno Labbadia mit einem Doppelschlag in der 19. und 26. Minute die Grün-Weißen. Stefan Kuntz ließ in der 30. Minute das sensationelle 3:0 folgen und packte dann die Säge aus, feierte mit seinem damaligen Jubelritual.
Nach der Pause aber wendete sich das Blatt. Werder kam auf. Frank Neubarth und Manfred Burgsmüller kamen von der Bank. Beide trafen: erst Neubarth in der 54. Minute, dann in der 72. Minute der 39-jährige Burgsmüller. Der FCK verteidigte mit Leidenschaft die knappe Führung.
Um die Ernte einzufahren, brachte Feldkamp in der 77. Minute Axel Roos für Markus Schupp. „Ich konnte noch eine Riesenchance von Manni Burgsmüller vereiteln“, schildert Roos. Dann pfiff Schiedsrichter Manfred Neuner aus Leimen ab. Erstmals in seiner Geschichte holte der FCK den Pokal. Die vier Endspiele davor hatten die Lauterer alle verloren: 1961 in Gelsenkirchen 0:2 gegen Werder Bremen, 1971 in Hannover 0:5 gegen Schalke 04, 1976 in Frankfurt 0:2 gegen den Hamburger SV, 1981 in Stuttgart mit 1:3 gegen Eintracht Frankfurt. Erstmals in einem Finale schossen die Lauterer ein Tor. Es war ein Treffer von Reiner Geye.
Die Lauterer Pokalhelden 1990 waren: Gerald Ehrmann, Tom Dooley, Franco Foda, Kay Friedmann, Reinhard Stumpf, Frank Lelle, Uwe Scherr, Markus Schupp, Demir Hotic, Stefan Kuntz, Bruno Labbadia und die eingewechselten Roger Lutz und Axel Roos