Eiskunstlauf RHEINPFALZ Plus Artikel Bilanz nach den Meisterschaften: Ein Rekord und viel Arbeit

Deutsche Vizemeisterin: Kristina Isaev vom Mannheimer ERC.
Deutsche Vizemeisterin: Kristina Isaev vom Mannheimer ERC.

Das Starterfeld bei den deutschen Meisterschaften in Oberstdorf war kleiner denn je. Dafür strömte das Publikum in Massen, was zeigt: Eiskunstlauf zieht weiter in den Bann.

Nur zwei Paarlauf- und zwei Eistanzpaare, vier Frauen und fünf Männer liefen um die Titel: Dem deutschen Eiskunstlauf mangelt es an Spitzenläufern. Darüber täuscht auch der Erfolg von Nicole Schott nicht hinweg: Die 26-Jährige holte souverän ihren siebten Titel, mehr hatte noch keine deutsche Eisläuferin geschafft.

Nicole Schott wurde zum siebten Mal deutsche Meisterin im Eiskunstlauf – das ist Rekord.
Nicole Schott wurde zum siebten Mal deutsche Meisterin im Eiskunstlauf – das ist Rekord.

„So einen Rekord zu halten, ist cool“, sagte sie, vielleicht auch erleichtert. Denn im Dezember hatte sie noch bei einem Wettkampf in Zagreb hinter ihrer einzigen deutschen Konkurrentin gelegen: Kristina Isaev trainiert seit zwei Jahren mit ihr bei Michael Huth in Oberstdorf, läuft aber weiter für den ERC in Mannheim, wo sie zur Schule ging und ihre Familie weiter lebt. Die 21-Jährige hatte eigentlich ihren ersten Titel angepeilt, machte jedoch einige Fehler. „Ich habe mir wohl selbst zu viel Druck gemacht und wollte zu viel“, sagt Isaev im Telefonat nach der Gala. Besonders enttäuscht habe sie die verpatzte Dreifach-Toeloop-Kombi, „weil da wirklich viel Arbeit drin steckt“.

Nikita Starostin ist erstmals deutscher Meister, da Paul Fentz seine Karriere beendet hat.
Nikita Starostin ist erstmals deutscher Meister, da Paul Fentz seine Karriere beendet hat.

Kristina Isaev und Nikita Starostin, der nach dem Rücktritt von Paul Fentz erstmals deutscher Meister wurde, sind die einzigen beiden aufstrebenden Einzelläufer im deutschen Kader. Und wer mit Isaev spricht, spürt, wie groß ihre Leidenschaft für den Sport ist, allerdings fehlt ihr noch Routine.

Nachdem eine Verletzung sie lange ausgebremst hatte, arbeitet sie seit 2020 intensiv an ihrem Olympiatraum: Als Sportsoldatin kann sie sich in Oberstdorf ganz auf den Sport konzentrieren. Und vom etwas anderen Zugriff des Trainers profitieren. „Beide leben für den Sport“, sagt Isaev über Michael Huth, den Erfolgscoach von Weltmeisterin Carolina Kostner, und ihren alten Mannheimer Trainer Peter Sczypa. Während Sczypa aber mehr aufs Technische fokussiert gewesen sei, gehe es bei Huth ums Ganze, „das Gefühl für den Schlittschuh, die Arbeit an den Schritten“. Sie spüre, dass dies Früchte trägt. Der Lohn: zwei deutsche Vizemeistertitel.

Das Ziel: Die Persönlichkeit öffnen

Tatsächlich läuft sie weich und elegant, bevorzugt daher Musik, die „etwas Leichtes“ hat. Schließlich liebe sie am Eiskunstlauf, „dass ich meine Emotionen in der Musik zeigen und meine Persönlichkeit öffnen kann“. Technik aber gehört auch dazu. Isaev schätzt vor allem Einzelsprünge und beherrscht sie alle. Künftig will wie weiter an der Qualität arbeiten – und sich auch am Dreifach-Axel versuchen, den nach wie vor nur ganz wenige junge Frauen springen können.

Annika Hocke und Robert Kunkel, die in Italien trainieren, holten ihren ersten Titel im Paarlauf. Sie profitierten vom Rücktritt
Annika Hocke und Robert Kunkel, die in Italien trainieren, holten ihren ersten Titel im Paarlauf. Sie profitierten vom Rücktritt von Minerva Hase und Noland Seegert.

163.79 ist bisher ihre Bestleistung, international reicht das nicht für vordere Plätze. Zwei Wettbewerbe hat sie nun noch vor sich, bevor sie zu ihrer ersten WM fahren darf, im März in Japan. „Darauf freue ich mich sehr.“ Das Ziel dort: ein fehlerfreies Kurzprogramm, um in die Kür zu kommen. Bei den Europameisterschaften in gut zwei Wochen in Finnland ist sie jedoch nicht dabei: Nicole Schott hatte 2022 nur einen Startplatz holen können, während sie bei der WM als Zehnte – bereits in Abwesenheit der Russinnen – ihre bisher beste Leistung zeigte und zwei Tickets für Japan holte. In Finnland ist für Schott die Top 5 drin, wenn sie fehlerfrei läuft. Sicher ein Ansporn auch für Isaev.

Zum zweiten Mal deutsche Meister im Eistanz: Jennifer Janse van Rensburg und Benjamin Steffan. Sie trainieren wie Schott und Isa
Zum zweiten Mal deutsche Meister im Eistanz: Jennifer Janse van Rensburg und Benjamin Steffan. Sie trainieren wie Schott und Isaev in Oberstdorf.

Dass diese aber erst in Oberstdorf aufblüht, zeigt, dass der Bundesstützpunkt Mannheim weiter an Bedeutung verliert. Allerdings scheint außer Oberstdorf derzeit überhaupt kein deutscher Trainingsstandort erfolgversprechend: Die Paarlaufmeister Annika Hocke/Robert Kunkel sind von Berlin nach Italien gezogen, Nikita Starostin trainiert in Belgien. Es gibt also viel Arbeit für das neue Präsidium der Deutschen Eislauf-Union, damit nicht bald gar keine deutsche Meisterschaften mehr abgehalten werden müssen.

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