Sportkolumne Bayerns Münchens Trainer Vincent Kompany hat dem Druck nachgegeben
2012 verloren die Münchner in der Allianz-Arena gegen den FC Chelsea auf geradezu absurde Weise, beim nächsten Champions-League Finale Ende Mai in ihrem Wohnzimmer sind sie gar nicht dabei. Die Bayern haben das Halbfinale in der Vorwoche verspielt, als sie in München gegen Inter Mailand nach dem 1:1-Ausgleich wie eine Schülermannschaft nach vorne rannten, prompt das 1:2 kassierten. In dem Moment bremste der Übermut die Elf aus.
Trainer Vincent Kompany hat im Hinspiel Thomas Müller in der 74. Minute eingewechselt, am Mittwoch brachte er ihn von Anfang an. Der Eindruck drängt sich auf, dass er dem öffentlichen Druck nachgegeben hat. Ob er tatsächlich von der Idee begeistert war? Man kann sich vorstellen, was los gewesen wäre, wären die Bayern auch dann ausgeschieden, wenn Thomas Müller erst später ins Spiel gekommen wäre. Dem hat Kompany vielleicht schon mal vorgebeugt, obgleich er nach dem Hinspiel sagte, er bringe die Elf, von der er überzeugt ist, dass sie für das Spiel am besten passt. Nach seinem starken Spiel gegen Borussia Dortmund konnte sich der eine oder andere sicherlich auch Serge Gnabry von Beginn an vorstellen. Wie auch immer: Es hat nicht gereicht. Aber zwei Gegentore nach Eckbällen zu kassieren, ist echt keine Ruhmestat.
Hansi Flick hat in Barcelona die Kurve gekriegt
So richtig wohl war es Hansi Flick nicht am Dienstag während der 90 Minuten im Signal-Iduna-Park. Der FC Barcelona geriet zeitweise ganz schön ins Schwimmen, kam dann aber trotz des 1:3 nach dem 4:0 im Hinspiel gegen Borussia Dortmund relativ sicher weiter. „El Kaiserslautern de Flick“ titelte eine spanische Zeitung und erinnerte daran, wie der FC Barcelona im November 1991 gerade mal so die Hürde FCK nahm, nach einem 0:3-Rückstand.
Der Sprung ins Halbfinale der Champions League ist ein Erfolg für Hansi Flick, der sich gleich im ersten Jahr bei den Katalanen zu profilieren versteht. Flick macht es sehr gut beim Neuaufbau der jungen Mannschaft, die neben Paris Saint Germain zum Favoriten auf den Champions-League-Titel zählt. Hansi Flick ist wieder komplett bei sich, so scheint es, er sammelt Pluspunkte mit seiner bescheidenen und dennoch verbindlichen Art. Welch’ ein Unterschied zu den WM-Tagen von Katar 2022, als die Amazon-Doku danach einen Blick hinter die Kulissen ermöglichte und einen völlig verkopften Trainer zeigte, der sich im Taktik-Dickicht verirrte, vielleicht auch ein wenig zu viel wollte von seiner Elf und schon in der Vorrunde scheiterte. Das war nicht der Hansi Flick, der mit dem FC Bayern sechs Titel 2020 abräumte. Der FC Barcelona gab ihm eine neue Chance – der 60-Jährige hat sie genutzt.
Aus Juri Knorrs Worten sprach viel Frust
„Weshalb gibt es in unserer Sportart einen Videobeweis, wenn die technische Umsetzung auf dem Niveau eines Oberligaspiels ist?“, fragte Juri Knorr von Handball-Bundesligist Rhein-Neckar Löwen nach dem Final Four in Köln, wo sein Team Vierter wurde. Er war nicht einverstanden damit, dass Olle Forsell Schefvert die Rote Karte im Spiel gegen Kiel sah, und er war nicht damit einverstanden, dass der Balinger Magnus Grupe im Spiel um Platz drei nach einem Foul nicht disqualifiziert wurde.
Knorr bemängelte, dass die Schiedsrichter nicht alle Einstellungen hatten. Sportchef Uwe Gensheimer relativierte dies nun: Es sei nicht möglich, im Eifer des Gefechts alle Blickwinkel zu betrachten. Sicher ist: Das Gespann Marcus Hurst und Mirko Krag wollte keinen Fehler machen, es ging zu oft raus. Das irritierte. Aber bitte keine Debatte: Der Videobeweis hat sich bewährt.