Fussball
Böllerwurf bei Waldhof-Spiel: Ludwigshafener droht Gefängnisstrafe
Nach dem Skandalspiel in der Dritten Liga zwischen RW Essen und dem SV Waldhof Mannheim (1:0) am Mittwoch hat die Polizei Ermittlungen gegen einen dringend Tatverdächtigen eingeleitet. Dabei soll es sich nach Angaben eines Sprechers der Polizei Essen um einen 50-jährigen Deutschen aus Ludwigshafen handeln. Er soll in der 53. Minute im Waldhof-Block den Böller gezündet haben, durch den Essens Torhüter Felix Wienand nach Vereinsangaben „ein Knalltrauma und eine akute Belastungsreaktion“ erlitt. Der 23-Jährige soll weiterhin über einen deutlichen Hörverlust klagen. Das Spiel stand kurz vor dem Abbruch und wurde erst nach einer 40-minütigen Unterbrechung fortgesetzt.
Identifizierung durch Videoüberwachung
Durch die Videoüberwachung im Stadion hatten Einsatzkräfte den Mann schon unmittelbar nach der Tat identifiziert. Er wurde außerhalb des Stadions aufgegriffen und auf eine Polizeiwache gebracht. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen, wie Waldhof-Fans den Mann äußerst unsanft aus dem Gästeblock befördert hatten.
Gegen den Ludwigshafener wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Da keine Flucht-, Verdunklungs oder Wiederholungsgefahr vorliegt, wurde der Tatverdächtige nicht festgenommen, sondern nach dem Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt. Ihm droht möglicherweise eine Gefängnisstrafe. In einem ähnlich gelagerten Fall, als ein Böllerwurf bei der Partie Essen gegen Preußen Münster im Jahr 2022 zwei Münsteraner Spieler verletzt hatte, wurde der Werfer zu einer Haft von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Eine Revision läuft noch.
Auch der DFB hat mittlerweile Ermittlungen zu dem Vorfall eingeleitet und dürfte den SV Waldhof sanktionieren. Den Mannheimern droht eine hohe Geldstrafe und möglicherweise ein Zuschauerausschluss in einem oder mehreren Auswärtsspielen.
RWE reagiert „mit Unverständnis“ auf Waldhof-Stellungnahme
Zwischen beiden Vereinen gibt es zudem Ärger über die Interpretation der Ereignisse. Nachdem der Waldhof in einer Stellungnahme am Donnerstag davon schrieb, dass sich um „eine einzige Böllerzündung in der letzten Reihe der Gästetribüne“ gehandelt habe, nicht um „einen Böllerwurf auf das Spielfeld“, widersprach RW Essen in einem Statement. Man nehme die Mannheimer Äußerungen „mit Unverständnis zur Kenntnis“, hieß es dort. Der Böller sei nah bei Wienand explodiert, sagte Essens Vorstandsmitglied Alexander Rang bei „RevierSport“, „Wir haben die Aufnahmen gesehen. Wir finden es schwierig, wenn solche Dinge verharmlost werden.“
Torhüter Wienand war am Donnerstag von einem Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten untersucht worden, er befindet sich weiterhin in ärztlicher Betreuung. „Ein Einsatz am Samstag in der Partie bei der TSG Hoffenheim II ist ausgeschlossen“, teilte RW Essen mit.
