Sport An sich selbst berauscht

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Mannheim. Die Rhein-Neckar-Löwen schrauben ihr Leistungsvermögen in immer neue Höhen. Im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League besiegten die Badener den FC Barcelona mit 38:31 (22:14). Damit ist die Chance groß, das Final Four der Königsklasse zu erreichen.

Schon nach 30 Minuten, als sich die Spieler in den Kabinen auf die zweite Halbzeit vorbereiteten, wurden neue Superlativen gesucht. „Unfassbar“, „unglaublich“, „Wahnsinn“ – das waren die meist gebrauchten Vokabeln. Fans, Medienvertreter und Vereinsangestellte gebrauchten sie und hatten doch den Eindruck, dass diese Worte nicht ausdrücken konnten, was sich auf dem Feld getan hatte. Die Löwen hatten sich vier Tage nach dem Sieg im Bundesliga-Gipfel gegen Kiel an sich selbst berauscht und den FC Barcelona an die Wand gespielt. 22:14 führte der Tabellenführer der Bundesliga gegen die nach allgemeiner Einschätzung beste Mannschaft der Handball-Welt zur Pause. Nach 60 Minuten stand ein 38:31 auf dem Videowürfel, der deshalb hundertfach mit Smartphones fotografiert wurde. Es galt, das nicht vorstellbare festzuhalten. Es war nicht vorstellbar, dass die Löwen den FC Barcelona in allen Aspekten des Spiels beherrschen würden und deshalb eine realistische Chance haben, die Katalanen aus dem Wettbewerb zu kegeln. Ähnlich dachten ganz sicher auch die Spieler in den gelb-roten Trikots, als sie nach der Schlusssirene in Richtung der Kabine liefen. Die Schultern hingen, die Blicke waren leer – Spieler wie Nikola Karabatic, Siarhei Rutenka oder Arpad Sterbik sind es nicht gewohnt, so chancenlos in einem Spiel zu sein. „Die Löwen waren in allen Bereichen besser. Wir waren darauf vorbereitet, dass sie gut sein würden, aber wir waren nicht darauf vorbereitet, dass wir nicht gut sein würden“, sagte Xavi Pascual, Coach des Starensembles aus Spanien. Barcelona war vom Tempo und der Intensität überrascht, mit denen die Löwen von Beginn an zur Sache gingen. Und weil Niklas Landin im Tor ähnlich stark hielt wie gegen Kiel und das Torhüterduell gegen Danijel Saric deutlich gewann, gerieten die Spanier Tor um Tor ins Hintertreffen. Ganz offensichtlich fehlt „Barca“ die Tempohärte aus den eigenen Ligaspielen, weil die Liga Asobal viel Klasse verloren hat. In der Heimat werden die Starspieler nie gefordert, selbst den Tabellenzweiten Logrono besiegten sie mit 17 Toren Differenz. Bis zum 30:19 (39.) schraubten die Löwen, bei denen Gensheimer mit 14 Treffern als Torschütze herausragte, den Vorsprung weiter in die Höhe. Erst als sich Barcelonas zweiter Torhüter der Extraklasse, Arpad Sterbik, an das Niveau von Landin anglich und den Löwen die Kräfte schwanden, gelang Ergebniskosmetik. Und weil gut und schlecht zwei Zustände sind, die sich gegenseitig bedürfen, war auch die frustrierende Niederlage acht Tage zuvor im Pokalhalbfinale gegen Flensburg ein Grund für den anschließenden Höhenflug. „Das hängt irgendwie damit zusammen“, sagte Andy Schmid nach der Löwen-Sternstunde gegen Barcelona. Länger wollte sich der Spielmacher wie auch seine Kollegen aber nicht mit der Vergangenheit beschäftigen. Der Blick richtete sich nach vorne. Am Samstag steigt das Rückspiel im Palau Blaugrana, dort soll der Rausch eine Fortsetzung finden.

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