Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Am Weltfrauentag geht es den Rhein-Neckar Löwen um mehr als nur Sport

Lila, grün und ein wenig Glitzer. Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf der Sondertrikots zum Weltfrauentag spenden die Löwen an
Lila, grün und ein wenig Glitzer. Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf der Sondertrikots zum Weltfrauentag spenden die Löwen an Mannheimer Frauenhäuser.

Statt Blau-Gelb dominierte beim beim 28:25 der Rhein-Neckar Löwen über den Bergischen HC Lila-Grün. Zum Weltfrauentag machten die Löwen auf ein ernstes Thema aufmerksam.

Alexander Daub war sich sicher: „Ohne Frauen würde bei uns nicht so viel laufen.“ Rund die Hälfte der im Fanclub Baden Lions organisierten Mitglieder seien weiblich. Organisatorisch hätten die Frauen jedoch eindeutig die Oberhand, erklärte Daub und verwies auf den Geschäftsführenden Vorstand des größten Fanclubs des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. Da stehen hinter Daub in Yvonne Platt, Corinna Mächtel und Laura Schwab drei Frauen in der Verantwortung. Die freuten sich zwar über das Signal, dass die Löwen mit ihrem Aktionstag setzten, bedauerten aber die unglückliche Terminierung. „Wir hätten uns auch gerne das Frauen-Länderspiel in Heidelberg angeschaut, aber das war zeitlich einfach nicht möglich“, sagte Platt.

Überhaupt wäre es optimal gewesen, das Frauenländerspiel vor dem Bundesligaspiel in der SAP-Arena anzusetzen. Aber auch der Spielort Heidelberg hatte seinen Charme. „Immerhin haben sie dort die Hütte ausverkauft“, sah Mächtle einen Vorteil in der Nachbarschaft.

Opfermails vorgelesen

Allerdings ging es am Weltfrauentag in Mannheim nicht um Handball allein. Darauf verwiesen die Spieler der Löwen schon vor der Partie. Anstelle des gewohnten Einlauftrailers, der eine gewisse Spannung aufbauen soll, verlasen Robert Timmermeister, Tim Nothdurft, Steven Plucnar und Patrick Groetzki Opfermails „Vielleicht bin ich ja selbst schuld“. Eine unangebrachte Opferrolle, denn allein 2024 wurden 308 Frauen in Deutschland getötet, 53.000 Frauen wurden Opfer sexueller Gewalt – „das ist vier Mal eine ausverkaufte SAP-Arena“, verdeutlichte Hallensprecher Kevin Gerwin. Zusätzlich erleben Hunderttausende Gewalt in Partnerschaft und familiärem Umfeld. Jede einzelne ist ein Opfer zu viel.

Für sie alle wollten die Löwen im Sondertrikot ein Zeichen setzen, dessen Erlös zum Teil in das Frauenhaus Mannheim fließen soll. „Unsere Arena soll ein sicherer Ort für alle sein“, sagte Gerwin. Darüber freuten sich auch die Mitarbeiterinnen der beiden Frauenhäuser, die in Mannheim in Sachen Öffentlichkeitsarbeit häufig als Duo auftreten. „Wenn das Mannheimer Frauenhaus eingeladen wird, fragen sie uns, ob wir mitkommen und umgekehrt“, erklärte Dagmar Bach, Leiterin der Caritas-Einrichtung. „Es geht für uns beide darum, dass wir mit den Besuchern ins Gespräch kommen und auf ein ernstes Thema hinweisen.“

Und vielleicht haben die Löwen so ja auch einige neue Fans gewonnen. „Ich schaue mir sonst eher Eishockey an“, verriet Bach, die daher den Vergleich hatte: „Beim Eishockey ist mehr los.“ Mehr Tore gibt es aber auf alle Fälle beim Handball.

Zu viele freie Würfe verballert

Und ausgerechnet damit taten sich die Löwen gegen den Bergischen HC schwer. Erst in den Schlusssekunden traf Gino Steenaerts zum 28:25, brachte damit einen Erfolg in trockene Tücher, der sich auf dem Spielfeld eigentlich anders, wesentlich deutlicher angefühlt hatte. Da waren die Löwen drückend überlegen, stellten eine stabile Abwehr und eine mehr als solide Torhüterleistung in Person von David Späth. Einziges Manko: „Wir spielen super im Angriff, aber bei dieser Trefferquote ist es schwer, ein Spiel zu gewinnen“, haderte Spielmacher Dani Baijens.

Trainer Maik Machulla wurde noch konkreter. „Wir werden uns nicht für einen Sieg in der Bundesliga entschuldigen. Aber zwölf freie Bälle von Außen und am Kreis sind eindeutig zu viel für ein Bundesligaspiel.“ So eine Quote helfe nicht, Sicherheit zu gewinnen.

Dabei gab es auch immer wieder andere Phasen im Spiel. Drei Angriffe, drei Kreisanspiele, drei Mal Kohlbacher – so entspannt kann ein Handballspiel anfangen. Aber schon der vierte Versuch der Urgewalt am Kreis landete bei BHC-Torhüter Christopher Rudeck. Es war der Fingerzeig für einen Abend mit Höhen und Tiefen der Gastgeber. Spätestens mit dem 27:22 (57.) schien das Spiel dann aber gelaufen. „Unglaublich, dass es dann noch einmal eng wird“, wunderte sich Machulla. Auch darüber müsse man nun unter der Woche reden.

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