1. FC Kaiserslautern
Als Otto Rehhagel einmal um die Bank von Hans-Peter Briegel schlich
Europameister Hans-Peter Briegel wechselte 1984 für die damals hohe Ablösesumme von rund 3,6 Millionen Mark vom 1. FC Kaiserslautern zu Hellas Verona. Vor dem ersten Spiel gegen den SSC Neapel klopfte es abends an seiner Hotelzimmertür. Sein Trainer stand draußen und erbat Einlass. Rein mit ihm. Und dann fielen nur drei Worte. „Du. Morgen. Maradona“.
So kurz und knackig umschrieb Osvaldo Bagnoli die Aufgabe Briegels für das kommende Spiel. Bagnoli ging sofort wieder. „Er hatte mich gesehen, als ich bei der Mini-WM 1981 schon gegen Maradona gespielt habe“, verriet Hans-Peter Briegel. Das Ende ist bekannt: Hellas Verona gewann die Partie, wurde am Ende sensationell italienischer Meister. „Ich sage immer: Wir wurden zweimal Meister. Das erste und das letzte Mal“, scherzte Briegel. Denn dass ein italienischer „Provinzklub“ die Meisterschaft gewinnt, ist die absolute Ausnahme.
Im Juni ging es los
An der Seite der Lauterer Legende im Ludwigshafener Pressezentrum: Wolfgang Stephan, Journalist aus St. Martin, von früh an Fan des Fußballers. Von ihm stammte die Idee, die Biografie zu schreiben. Seit Juni haben der Journalist und der Fußballer daran gearbeitet. Briegel musste überzeugt werden, Ehefrau Petra schob das Projekt an. Die Zeit dränge: Briegel wurde am 11. Oktober 70 Jahre alt.
Natürlich spielte am Dienstagabend auch Otto Rehhagel eine bedeutende Rolle. Als der damalige FCK-Sportdirektor Hans-Peter Briegel keinen Sinn mehr in der Zusammenarbeit mit dem allmächtigen Trainer sah, löste er seinen Vertrag vorzeitig auf. Später – was für eine Laune des Fußball-Schicksals – trafen beide in der WM-Qualifikation aufeinander: Briegel als Trainer von Albanien, Rehhagel als Europameister mit Griechenland. Das kleine Albanien schlug das große Griechenland, in Tirana brachen alle Dämme. Bernhard Kunz, langjähriger Fotograf für die RHEINPFALZ, hat festgehalten, wie sich Otto Rehhagel nach der Pause hinter der Ersatzbank an Briegel und seinem Assistenten Axel Roos vorbeischlich. Und nun das Verblüffende: Anscheinend gibt es eine Versöhnung der beiden. „Ich habe Otto Rehhagel beim Länderspiel in Kaiserslautern gegen Weißrussland geholfen, ins Stadion zu kommen. Er hat später zu meiner Frau gesagt: Peter und ich sind die besten Freunde. Und dann hat er mal gesagt, Hans-Peter Briegel war der beste Spieler, den ich kannte.“ Na also.
Gäste stellen Fragen
Nach einem kleinen Auszug aus dem Buch und einer Interviewrunde konnten die Gäste auch Fragen stellen. Ein Besucher erinnerte an eine gemeinsame Seilbahnfahrt in Ischgl. Ein anderer wollte wissen, wie das damals mit seinem Platzverweis 1978 im Spiel beim SV Südwest Ludwigshafen war. Briegel bekam acht Spiele Sperre, der schlaue Trainer Karl-Heinz Feldkampf ließ im Winter den Rasen auf dem Betzenberg bewässern, der Platz war unbespielbar und Briegel musste nur dreimal aussetzen. Als ungerecht empfindet Briegel noch heute, dass er im verlorenen WM-Finale 1986 auf die letzte Szene festgelegt wurde, als das 2:3 fiel. „Es war mein bestes Länderspiel.“
Sein bester Gegenspieler national? Rudi Völler. Und auch mit Rüdiger Abramczik hatte er manchmal seine Probleme. International: natürlich Diego Armando Maradona. Seine besten Trainer? Entdecker Erich Ribbeck, der als Überraschungsgast auch in Herxheim bei seinem 70. Geburtstag war, und Karl-Heinz Feldkamp. Er betonte, dass Heinz-Peter Briegel „Mensch“ geblieben sei, sei wichtiger als mancher Titel. Feldkamp nennt Briegel heute einen Freund.
Einst auf dem Erbsenberg
Den Abend eingeleitet hatte Wolfgang Kreilinger, stellvertretender Chefredakteur der RHEINPFALZ. Er hat mit seinem Vater Briegel ganz früh auf dem Erbsenberg spielen sehen. Auch ihm imponiert, wie bodenständig die Legende immer blieb.
Lesezeichen
Wolfgang Stephan/Hans-Peter Briegel: Die Walz aus der Pfalz. Biografie. 328 Seiten. 27 Euro. Erhältlich in den RHEINPFALZ-Geschäftsstellen Ludwigshafen und Landau. Und Online überwww.rheinpfalz.de/shopwelt.
