Fußball
Als in der Bundesliga erstmals nur Ausländer aufliefen
So etwas hatte es noch nicht gegeben. Erstmals in der Geschichte der Fußball-Bundesliga stand am 6. April 2001 – knapp 38 Jahre nach der Gründung des deutschen Oberhauses – eine Elf nur aus Ausländern auf dem Rasen. Welcher Klub hatte vor rund 25 Jahren dieses Experiment gewagt? Etwa der große FC Bayern? Nein! Borussia Dortmund? Schalke 04? Mitnichten!
Der damalige Bundesliga-Neuling Energie Cottbus sorgte mit diesem Novum für ordentlich Aufsehen. Möglich geworden war die komplett internationale Truppe erst wenige Jahre zuvor durch das sogenannte Bosman-Urteil. Der Belgier Jean-Marc Bosman war 1995 vor den Europäischen Gerichtshof gezogen. Dieser erlaubte in der Folge, dass Profi-Fußballer nach Vertragsende ablösefrei den Verein wechseln konnten. Bosman hatte seinen bisherigen Arbeitgeber, den RFC Lüttich, auf Schadensersatz verklagt, da er sich durch dessen Ablöseforderung beruflich eingeschränkt sah.
Keine Restriktionen mehr
Nebeneffekt des Urteils: Auch die Restriktionen gegen Ausländer im europäischen Sport wurden gelockert. Ab der Saison 1996/97 durften beliebig viele Spieler aus Uefa-Verbänden in der Bundesliga eingesetzt werden. Bühne frei für Energie Cottbus.
Erstmals in der Bundesliga vertreten und mit recht schmalem Budget gesegnet, hatten die Brandenburger im 26er-Profikader ganze sieben Spieler mit deutscher Staatsbürgerschaft. Trainerlegende Eduard „Ede“ Geyer vertraute auf Kicker aus Bosnien-Herzegowina, Ungarn oder Polen.
Die Kultfigur im Tor
Mancher Name aus der Spielerliste dürfte das Herz manches Fußball-Nostalgikers höher schlagen lassen. Da wäre einmal der Rumäne Laurentiu Reghecampf, 2000/01 mit zwei Toren und einer Vorlage in 26 Ligaspielen; oder Abwehrspieler Kevin McKenna, damals eher Reservist (zwei Spiele). Den Kanadier verschlug es später unter anderem zum 1. FC Köln und unter Boris Schommers als Co-Trainer zum 1. FC Kaiserslautern. Auf dem Betzenberg schnürte Reghecampf zum Karriereende 2008/09 auch noch einmal kurz die Treter.
Die wohl größte Kultfigur stand vor 25 Jahren aber zwischen den Pfosten: Tomislav Piplica. Bekannt war der Bosnier für seine langen Haare – und später für eines der wohl kuriosesten Eigentore der Fußball-Historie. 2001/02 blickte er einer eigentlich harmlosen Bogenlampe entgegen, starrte den langsam auf ihn zufliegenden Ball beinahe an. Dann prallte die Kugel auf seinen Hinterkopf – und kullerte über die Torlinie. Ups.
Geyer: Deutsche sollen sich ihre Plätze erkämpfen
Aber zurück ins Frühjahr 2001. Nicht überall stieß Geyers Experimentierfreudigkeit auf Gegenliebe. Am Tag vor dem Novum hatte der damalige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld die Abschaffung der Ausländerbeschränkung noch kritisiert. „Eigentlich bedauere ich es, dass die Beschränkung gelockert wird. Wir haben eh zu wenig deutsche Spieler in der Bundesliga“, ist auf „Transfermarkt.de“ zu lesen. Bei der EM 2000 war die deutsche Nationalmannschaft schließlich krachend in der Vorrunde gescheitert. Der Trainer des Cottbusser Gegners VfL Wolfsburg, Wolfgang Wolf, gestand den Lausitzern hingegen Standortnachteile und knappe finanzielle Mittel zu.
Geyer wurde nach dem Spiel zitiert: „Ich finde es gut, dass die Ausländer so stark sind. Auch für unsere Nationalmannschaft. Es bringt doch nichts, unsere deutschen Stars immer nur in Watte zu packen und die Ausländer die Drecksarbeit machen zu lassen. Die jungen Deutschen sollen rackern, sich den Arsch aufreißen und sich die Stammplätze durch mehr Engagement zurück erkämpfen.“ Gebracht hat es ihm gegen Wolfsburg bedingt etwas. Endstand: 0:0. Immerhin gelang am Saisonende der Ligaverbleib.
Die Tipps der Redaktion
Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg 2:1
SC Freiburg - Bayern München 3:2
Werder Bremen - RB Leipzig 0:2
Bor. M’Gladbach - 1. FC Heidenheim 1:0
TSG 1899 Hoffenheim - 1. FSV Mainz 05 1:1
Hamburger SV - FC Augsburg 2:0
VfB Stuttgart - Borussia Dortmund 2:1
Union Berlin - FC St. Pauli 1:0
Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln 1:3