Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel Adler Mannheim: Zwischen Trotz und Hoffnungslosigkeit

Die Adler-Fans beweisen wieder einmal feines Gespür für die Situation.
Die Adler-Fans beweisen wieder einmal feines Gespür für die Situation.

Die nächste Klatsche, das Ende ist nah: Nach dem 1:5 in Spiel drei der Finalserie um die deutsche Meisterschaft stehen die Adler gegen Berlin moit dem Rücken zur Wand.

Es gibt offensichtlich ungeschriebene Gesetze im Sport. Bayern München wird deutscher Fußballmeister, in Wimbledon spielt man in weißer Tenniskleidung, ein Pferd galoppiert mit seiner Lunge, hält durch mit seinem Herzen und gewinnt mit seinem Charakter, und die höchsten Surfwellen entstehen im portugiesischen Nazaré. Zu diesen Sportweisheiten könnte sich eine weitere aus dem Eishockey hinzugesellen: Die Adler können keine Play-off-Serie gegen die Eisbären gewinnen.

Seit 2002 warten die Mannheimer mittlerweile auf ein Erfolgserlebnis, und nach drei klaren Niederlagen aus den ersten drei Partien in der aktuellen Finalserie stehen die Adler am Donnerstag bei Spiel vier in Berlin ebenfalls bereits mit dem Rücken zur Wand. Von den Adlern gab es am Dienstag nach Spielende daher vor allem Durchhalteparolen.

Wie von Stürmer Alexander Ehl. „Wir müssen konsequenter in der eigenen Zone arbeiten und vorne unsere Dinger reinmachen“, hatte er nach zwei Durchgängen analysiert. Ein Fazit, das deckungsgleich für die gesamten Spiele eins und zwei galt. Und auch Trainer Dallas Eakins fiel nach der dritten Niederlage in Serie wenig ein: „Unsere Chancenverwertung war nicht da.“ Er könne sich an kein Spiel seiner Mannschaft erinnern, in der sie so viele gute Gelegenheiten ausgelassen habe.

Eine Szene, die sinnbildlich für diese Finalserie steht: Die Berliner (hier Eric Mik nach seinem 3:1) jubeln, die Adler sind bed
Eine Szene, die sinnbildlich für diese Finalserie steht: Die Berliner (hier Eric Mik nach seinem 3:1) jubeln, die Adler sind bedient.

Sicher ein Teil der Wahrheit, aber eben nicht die ganze, denn begonnen hatte ausnahmsweise nahezu alles nach dem Geschmack der Mannheimer. Schon nach 21 Sekunden war Berlins Kapitän Kai Wissmann einen Check gegen den Kopf von Maximilian Heim gefahren. Resultat: Der Mannheimer verließ mit einem Brummschädel das Eis, kam zwar kurz noch einmal zurück, aber mittlerweile haben die Adler ihn als verletzt gemeldet. Der 22-Jährige falle mit Gehirnerschütterung „bis auf Weiteres“ aus. Auch für Wissmann war die Partie beendet. Nach Ansicht der Videobilder verhängten die Unparteiischen, wie schon in Spiel eins der Serie, eine Spieldauerstrafe. Das zugehörige Überzahlspiel entfachte nicht nur das Feuer der Zuschauer an, sondern Marc Michaelis traf auch zur ersten Mannheimer Führung in dieser Finalserie.

Es bleibt bei einem Lichtblick

Es war allerdings der erste und auch einzige Höhepunkt aus Sicht der Adler, denen ein weiterer Treffer durch Luke Esposito (17.) zu Recht aberkannt wurde, weil Tony Greco Torhüter Stettmer im dessen Zone behindert hatte. Die Problemstellen der Adler blieben der Spielaufbau und das Abwehrverhalten und dabei vor allem die linke Verteidigungszone – aus der immer wieder der Puck vor das Mannheimer Tor kam. Gleich drei Mal bedankte sich Verteidiger Eric Mik dafür, der im zweiten Drittel auch zur 3:1-Führung für die Gäste traf. „Dieses Tor hat uns umgebracht“, wählte Eakins drastische Worte. Das energische, aber kopflose Anrennen der Adler im Schlussabschnitt bekamen die Berliner letztlich problemlos verteidigt.

Und so blieben dem kämpferisch bärenstarken Marc Michaelis und seinen Kollegen nur die Flucht in die Floskeln vom „Goldfischgehirn“, mit dem man die negativen Erlebnisse schnell abhaken müsse, sowie ein Griff in die Truhe der Eishockeyweisheiten. „Wir stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand und müssen am Donnerstag unser bestes Spiel zeigen“, sagte Trainer Eakins – und natürlich die Chancen verwandeln.

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