Eishockey
Adler Mannheim: Keine Panik nach der Bauchlandung
Im Eishockey kommt es häufig vor, dass bei einem engen Spielstand kurz vor Ende der Torwart des zurückliegenden Teams zu Gunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis genommen wird. Das Risiko eines Gegentreffers ins verwaiste eigene Tor nimmt man dabei bewusst in Kauf.
So war es eigentlich auch nicht ungewöhnlich, dass der Bremerhavener Philip Bruggisser diese Situation ausnutzte und aus dem eigenen Drittel für sein Team traf. Besonders wurde es nur beim Blick auf die Anzeigetafel. Denn der Treffer war das 6:1 für die Fischtown Pinguins, und Adler-Coach Dallas Eakins hatte seinen Torhüter Maximilian Franzreb bereits in der 44. Minute und damit 16 (!) Minuten vor Spielende vom Eis beordert.
Eine ungewöhnliche Traineraktion
Dabei hatte es noch 20 Minuten davor nicht danach ausgesehen als sei eine solche Verzweiflungsaktion überhaupt nötig. Die Mannheimer spielten ein starkes erstes Drittel, hatten Chance um Chance. Eakins sprach hinterher gar davon: „Ich glaube nicht, dass wir in einem ersten Drittel schon einmal so viele Hochkaräter hatten.“ Dass die Adler zu diesem Zeitpunkt in Rückstand waren, lag neben der Chancenverwertung einzig an Leon Hungerecker im Bremerhavener Tor. Hungerecker, der seinen ersten Starteinsatz in der Serie erhielt, war immer wieder zur Stelle und machte beste Mannheimer Möglichkeiten zunichte.
Disziplin nicht optimal
Als Hungerecker dann endlich das erste Mal durch Justin Schütz zum 1:1 überwunden war (21.), schien der Bann gebrochen. Aber die Adler wurden etwas nachlässig, verloren defensiv häufiger die Zuordnung und vor allem schlossen sich auch Strafen an. So waren bei zwei der drei Gegentreffer zwischen der 29. und 34. Minute jeweils Strafen gegen die Adler angezeigt, Bremerhaven mit einem Feldspieler mehr auf dem Eis. Mit dem 4:1 war dann so etwas wie die Vorentscheidung gefallen. „Wir müssen bei Fünf gegen Sechs einfach besser sein“, mahnte auch Eakins an.
Auffallend, dass die Adler mit klarem Rückstand disziplinloser agierten, noch so manche offene Rechnung aus den vorherigen Spielen zu begleichen hatten. Sei es Dan Renouf, der im zweiten Spiel in Folge eine Disziplinarstrafe bekam oder Luke Esposito, der den in seinem Torraum stehenden Hungerecker einfach umfuhr. Matthias Plachta drückte es hinterher so aus: „Das sind Play-offs, das ist es normal, dass es etwas härter ist und sich nicht entschuldigt wird.“
Spiel fünf am Donnerstag
Der Blick ging dann auch nach Spielende bei Plachta direkt wieder nach vorne. „Uns muss niemand aufrichten, denn wir haben den Kopf die ganze Zeit oben.“ Nun gilt es für die Adler, für die es die erste Niederlage überhaupt in dieser Saison gegen Bremerhaven war, am Donnerstag (19.30 Uhr) vor eigenem Publikum mit der 3:1-Serienführung im Rücken den Halbfinaleinzug besiegeln. Eakins nahm die hohe Niederlage gelassen hin: „Du kannst nicht erwarten, solch ein starkes Team vier Mal in Folge in der Hauptrunde und vier Mal in Folge in den Play- offs zu besiegen.“ Und Alex Ehl freut sich gar auf das fünfte Spiel der Serie: „Umso schöner, dass wir sie dann bei uns zu Hause schlagen können.“ Hiobsbotschaft: Stürmer Brendan O’Donnell fällt mit Kieferbruch fortan aus.