Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel Adler Mannheim halten Meisterschaftshoffnung vorerst am Leben

Nach dem entscheidenden 4:3 jubeln Adler-Fans und -Spieler.
Nach dem entscheidenden 4:3 jubeln Adler-Fans und -Spieler.

Die Adler Mannheim drehen die vierte Partie der Finalserie gegen die Eisbären Berlin. Am Sonntag könnte die Meisterschaft aber entschieden sein.

Es war alles angerichtet für eine erneute Meisterschaft der Eisbären Berlin, für den fünften Titel in sechs Jahren. Die ersten drei Spiele der Finalserie im deutschen Eishockey hatten sie gegen die Adler Mannheim gewonnen, nur ein Sieg fehlte noch. Und auch im vierten Duell der beiden Mannschaften mit den meisten DEL-Meisterschaften lagen die Berliner mit 3:1 vorne. Am Ende verloren sie aber 3:4 nach Verlängerung.

Der fast schon verzweifelte Adler-Stürmer Tom Kühnhackl hatte es nach dem dritten Spiel am Dienstag so formuliert: „Wir dürfen einfach keine Fehler machen. Sobald du gegen Berlin einen Fehler machst, bestrafen sie diesen eiskalt.“

Eisbären lassen Adler zurück

So war es auch am Donnerstag gelaufen. Das erste Tor der Eisbären fiel in Überzahl, beim zweiten verloren die Adler im Mitteldrittel die Scheibe und fingen sich einen Konter ein. Aber dieses Mal ließ Berlin den Gast wieder ins Spiel zurückkommen. Neun Minuten vor Schluss bekam Eisbären-Verteidiger Markus Niemeläinen eine vierminütige Strafe wegen hohen Stocks. Die Adler legten eine furiose Schlussphase hin, trafen durch Zach Solow in eben jener Überzahl und Alexander Ehl zum späten Ausgleich. Nick Mattinen traf sogar noch zum Siegtreffer, jedoch erst wenige Zehntel nach der Schlusssirene.

Das Team zeigte Charakter, zeigte Herz, zeigte seine Widerstandsfähigkeit, als die Saison eigentlich schon vorbei schien. Auch Ehl war begeistert von seinen Kollegen: „Wir haben eine tolle Truppe, die nie aufgibt. Ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein.“

Luke Esposito als Matchwinner

Die Verlängerung, in der gespielt wird, bis ein Tor fällt, zeigte wieder wie besonders diese Sportart ist. Ein Treffer für die Eisbären und der Pokal wird überreicht; treffen die Adler geht es am Sonntag in Mannheim weiter. Und der entscheidende Treffer gelang einem Spieler, der bisher in den Finalspielen kaum in Erscheinung getreten war. Luke Esposito erzielte das Tor, das die Mannheimer Hoffnung am Leben erhält. „Das sagt so viel über dieses Team aus. Du liegst 3:1 zurück mit nur noch neun Minuten zu spielen. Andere Mannschaften hätten sich da innerlich bereits aufgegeben.“ Esposito, dessen Eishockeykarriere zu Saisonbeginn nach einer üblen Aktion des Berliners Yannick Veilleux sogar in Frage stand, hob nochmal auf die besondere Situation ab: „Wir waren einfach nicht bereit zu akzeptieren, dass die Saison vorbei sein soll.“

Auch Coach Dallas Eakins war voll des Lobes über sein Team, das an diesem Abend so eindrucksvoll zurückgekommen war: „Ich bin stolz auf jeden Einzelnen von ihnen, welches Comeback sie hier hingelegt haben. Das ist die Kultur, die wir hier seit dem ersten Spiel etablieren wollen.“

Matsson oder Franzreb?

Eakins hatte vor dem Spiel am Kader Veränderungen vorgenommen. Verteidiger Tobias Fohrler kam zu seinem ersten Spiel in den Play-offs. Und auch auf der wichtigen Position des Torhüters gab es einen Wechsel. Der im Viertel- und Halbfinale noch unbezwingbar wirkende Maximilian Franzreb hatte im Finale so manche Schwäche gezeigt. Johan Matsson hütete stattdessen das Adler-Gehäuse. Und der Schwede, ob seiner Leistungen in etlichen anderen DEL-Teams sicher die Nummer eins, überzeugte auf ganzer Linie. „Es ist großartig, wie wir als Team zusammengeblieben sind und geschafft haben, das Spiel noch zu drehen“, sagte er. Auch vom Coach bekam er ein Lob: „Johan war exzellent heute Abend. In dieser schwierigen Situation solch eine Leistung zu zeigen, ist alles andere als einfach.“ Eakins wollte aber keine Garantie ausstellen, dass Matsson auch am Sonntag (16.30 Uhr) wieder aus dem Eis stehen werde: „Franzreb war das ganz Jahr überragend und wir werden sehen, wer am Sonntag für uns spielen wird.“

Diese Partie war wichtig für das Selbstvertrauen der Spieler. „Wir haben uns heute Abend nach den letzten drei Niederlagen selbst gezeigt, dass wir ein gutes Eishockeyteam sind“, sagte Matsson. Und auch Esposito war sich sicher: „Wir sind nun in der Serie angekommen.“ Das ist auch dringend nötig. Denn gewinnen die Eisbären am Sonntag in Mannheim, ist die Saison dann doch vorbei.

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