Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel 75 Jahre Südwest-Stadion: Die RHEINPFALZ-Redaktion erinnert sich

Benny Wendt gegen Karl-Heinz Förster.
Benny Wendt gegen Karl-Heinz Förster.

Wunderbare Spiele, tolle Siegesserien, imposante Weltstars, stimmungsvolle Musik, außergewöhnliche Ereignisse: das alles erlebten Mitarbeiter der RHEINPFALZ.

Auf Wolke sieben beim 5:1 des FCK

Es gab für mich viele wunderbare Fußballspiele im Südwest-Stadion. Der 12. August 1978 aber war ein ganz besonderer Tag. Der Betze war mal wieder Baustelle, das Südwest-Stadion für den FCK die zweite Heimat.

Zu Gast: der VfB Stuttgart mit den Förster-Brüdern, Hansi Müller, Dieter Hoeneß. Es ist das erste Spiel der Roten Teufel mit Kalli Feldkamp als Cheftrainer. Es ist heiß, aber Kalli coacht im schwarzen Hemd. Ich hab’ ein Stehplatzticket und bin auf Wolke sieben: Benny Wendt, Hans-Peter Briegel, Klaus Toppmöller und Peter Schwarz treffen. 4:0 zur Pause. Dann Ohlichers Ehrentor, „Toppi“ setzt den Schlusspunkt: 5:1. Der hohe Favorit ist besiegt, die Innenverteidigung Neues/Briegel geboren. Ich bin zu der Zeit Volontär der Lokalredaktion Kaiserslautern. Ich biete ein Feature aus der Kurve an. Ich darf den Beitrag schreiben. Den Ersten über den FCK. Welch ein Anfang! Von Horst Konzok

 Willi Kiefer trifft gegen den FCK.
Willi Kiefer trifft gegen den FCK.

Sensationelle Serie des SV Südwest

Ich durfte in der Spielzeit 1978/79 den sensationellen Siegeszug des damaligen Oberligisten SV Südwest Ludwigshafen im DFB-Pokal als Mitarbeiter dieser Zeitung hautnah miterleben. Von den Partien der ersten und zweiten Pokalrunde gegen Concordia Hamburg (2:0) und Zweitligist Viktoria Köln (4:2) hatte ich vom SWF zusätzlich den Auftrag bekommen, live im Rundfunk zu berichten.

Der absolute Höhepunkt folgte in der dritten Pokalrunde, als der SV Südwest Ludwigshafen am 2. Dezember 1978 den damaligen Bundesliga-Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern mit 2:1 aus dem Wettbewerb feuerte. Fast 18.000 Zuschauer waren auf den Rängen des Südwest-Stadions – eine Heimkulisse, die der Oberligist nie mehr hatte. Emotionen pur. Ich erlebte ein bebendes Tollhaus, auf den Rängen, unten bei der Mannschaft in den Umkleideräumen. Nach dem Erfolg beim SSV Ulm war beim 1. FC Nürnberg im Viertelfinale die Siegesserie zu Ende. Von Hans-Dieter Conrad

In Bestform: Herbert Grönemeyer 2003.
In Bestform: Herbert Grönemeyer 2003.

Herbert Grönemeyer: Bis zum Aufgang des Mondes

„Und der Mensch heißt Mensch, weil er erinnert, weil er kämpft“, heißt eine Zeile in Herbert Grönemeyers großem Hit „Mensch“, und ich erinnere mich gerne kampflos an den 30. Mai 2003, einen herrlichen Frühsommerfreitag, an dem ich mit drei Freunden sein Konzert im Südwest-Stadion besucht habe. Die verknickt-vergilbte Eintrittskarte, die ich über all die Jahre aufbewahrt habe, verrät, dass wir in Block A einen Stehplatz hatten und die Karte 31 Euro gekostet hatte.

Die Setlist steht im Internet. „Bochum“, „Männer“, „Flugzeuge im Bauch“, „Alkohol“ , „Halt mich“ – all die Klassiker spielte er und am Ende „Der Mond ist aufgegangen“. Es war ein wunderschönes Konzerterlebnis („Sonnenzeit, unbeschwert und frei“), für mich aber leider das einzige im Südwest-Stadion. Für die altehrwürdige Spielstätte begann danach eine bis heute andauernde Phase „ohne Plan, ohne Geleit“. Du fehlst. Von Nicole Sperk

Das weiße Ballett wird bestaunt

Günter Netzer! Günter Netzer im Südwest-Stadion? Paul Breitner! Paul Breitner im Südwest-Stadion? Real Madrid! Real Madrid im Südwest-Stadion? Günter Netzer, Paul Breitner und Real im Südwest-Stadion?

Ja, genau so war es. Die „Königlichen“ gaben sich die Ehre. Real spielte am 10. April 1975 in Ludwigshafen gegen den FK Pirmasens, auf Einladung des Klubs. 130.000 Mark kostete das Vergnügen. 30.000 Zuschauer waren dabei. 1:0 gewann das „weiße Ballett“. Es war kein so berauschendes Spiel, das merkte der junge Beobachter auf der Tribüne mit seinem noch jüngeren Bruder aber nicht, er verfolgte Günter Netzer mit seinen Augen auf Schritt und Tritt.

Günter Netzer, Paul Breitner, Vicente del Bosque, Carlos Santillana; für den FKP Robert Jung und Dieter Weinkauff sowie die Gebrüder Schöpfer auf der Tribüne – was für ein sagenhaftes Erlebnis in jungen Jahren. Von Udo Schöpfer

Günter Netzer, Fans warten auf ihn.
Günter Netzer, Fans warten auf ihn.

Drohungen im VIP-Raum

Fast 70 Kilometer vom Südwest-Stadion entfernt erinnerten bis vor wenigen Jahren übergroße Plakate an der alten ehrwürdigen Holztribüne des SV Alsenborn an die Aufstiegsspiele des Dorfvereins im Ludwigshafener-Südwest-Stadion. Für mich, der beim SVA mit dem Fußballspielen begann, war die große Arena weit weg. Jahrzehnte später lernte ich das Stadion aus beinahe jeder Ecke kennen.

Ich wurde 2006 Redakteur für den Sport in der Lokalredaktion Ludwigshafen. Ich absolvierte Sportabzeichen im Stadion und erlebte den Aufstieg und den Fall des FSV Oggersheim hautnah mit. An einem Spieltag ging ich nach einer Partie zur Pressekonferenz. Die fand im VIP-Raum statt. Weil ich einen kritischen Kommentar geschrieben hatte, wurden mir Prügel angedroht. Das bekam damals ein FSV-Spieler mit und meinte: „Wenn Du Hilfe brauchst, ich kenne paar Jungs.“ So weit kam es nie. Von Marek Nepomucky

Der FSV Oggersheim spielte auch im Stadion.
Der FSV Oggersheim spielte auch im Stadion.

„Husten Sie mal“ und ein bisschen wie Leo

Für einen in den 1950er-Jahren in LU Geborenen ist das „Stadion“ ein jahrzehntelanger Freund. Erster Besuch 1960, 2:1 der DFB-Elf gegen Portugal – auf dem Schoß des Vaters (Torschützen: Uwe Seeler, Helmut Rahn, Domiciano Cavém). Viele Besuche folgen.

Zwei davon ragen heraus. 1970, allgemeine Wehrpflicht. Antreten zur Musterung in den Katakomben der Tribüne. Graue Wände, Ärzte mit ernsten Mienen. „Husten Sie mal!“ Jeder, der diese Prozedur erlebt hat, weiß, wovon ich rede. Ich habe gehustet – und angekündigt, den „Kriegsdienst“ zu verweigern. Vom „Bund“ habe ich nie wieder was gehört.

Sport-Abi 1974. 1000-m-Lauf. Ab 800 m beginnt auf Asche der Kampf. Ich schleppe mich im vorderen Mittelfeld ins Ziel. Fast so wie Leo Neugebauer über 1500 Meter im WM-Zehnkampf von Tokio. Im Abizeugnis stand wenigstens im Fach „Sport“ eine Eins. Danke, altes „Stadion“. Von Norbert Schick

Wertvoll: Schulsport im Südwest-Stadion.
Wertvoll: Schulsport im Südwest-Stadion.
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