Reportage RHEINPFALZ Plus Artikel 495 Marathons, 2059 Städte: Joyce Hübner und der Pfälzer Dialekt (mit Kurzvideo)

Gruppenbild mit Donnersbergkulisse: Joyce Hübner (MItte) und ihre Pfälzer Eskorte in Bolanden.
Gruppenbild mit Donnersbergkulisse: Joyce Hübner (MItte) und ihre Pfälzer Eskorte in Bolanden.

Die Influencerin ist seit Sommer 2025 auf einer ganz besonderen Reise. Nicht nur in der Pfalz schließen sich ihr Mitlaufende an. Auch wir haben sie ein Stück begleitet.

Mittwochmorgen, 9 Uhr, ein Feldweg am Rande der B47 zwischen Dreisen und Kirchheimbolanden im Donnersbergkreis. Noch ist es ziemlich frisch, keine sechs Grad. Die Begrüßung zwischen der Laufinfluencerin Joyce Hübner und ihren in diesem Fall nicht nur virtuellen, sondern mitlaufenden Followern fällt aber aus einem einzigen Grund unterkühlt bis prosaisch aus.

Kein Händedruck, geschweige denn eine Umarmung. Obwohl Joyce Hübner selbstverständlich ein gewinnendes Wesen hat als Mensch, der mit seiner Leidenschaft viel und gern in der Öffentlichkeit steht. „Es gibt da eine Verhaltensstrategie“, erklärt sie, „ich vermeide einfach Ansteckungsgefahr, das hat bis jetzt geklappt“.

Vor dem Start: „Lagebesprechung“ mit den Mitlaufenden.
Vor dem Start: »Lagebesprechung« mit den Mitlaufenden.

Bis jetzt, das ist der Zeitraum zwischen dem ersten Marathon ihrer Städtetour am 1. Juni 2025 ab Helmstedt und nun eben Marathon Nummer 305 von Marnheim über Kirchheimbolanden, Otterberg bis nach Kaiserslautern. Bisher läuft alles nach Plan. In der Pfalz ist die 37-Jährige auf ihrem Deutschland-Trip, der alle 2059 Städte des Landes „abhakt“, schon zum zweiten Mal. Im November war sie in der Südpfalz unterwegs, damals schloss sich ihr bereits Jonas Hoffmann von der Running-Abteilung des 1. FC Kaiserslautern an. Nun läuft er wieder mit, ebenso wie Steffi Wenz aus Reichenbach-Steegen im Landkreis Kaiserslautern und Beatrice Cataldi aus Kaiserslautern den kompletten Marathon des heutigen Tages. Andere steigen unterwegs aus, werden aber von Joyce Hübners Lebensgefährte Sven Dünnwald als Mitlaufende auf der großen Reise erfasst. Über 3500 seien es bisher und zudem 33 Tiere – meistens natürlich Hunde, „aber auch vier oder fünf Pferde“, erinnert sich Dünnwald lachend.

Ohne Sven ginge gar nichts

Er kümmert sich um die gesamte Organisation. Eine gewaltige Aufgabe.

„So ein Projekt allein zu machen, da würde ich nicht mal drüber nachdenken“, betont Joyce Hübner. Das fängt ja schon mit dem Transport der Ausrüstung und Verpflegung an, den Hotelbuchungen, und endete natürlich mit dem extrem komplizierten, minutiös geplanten Streckenplan: jeder einzelne Weg, ob Bundesstraße oder ein Pfad durch den Wald, jede einzelne Kreuzung. Das allein dauerte Monate. Und der Teufel steckt sowieso im Detail. Wie Wäsche waschen, wenn man jeden Abend woanders ist? Die Idee: Das Paar schickt die benutzte Laufkleidung an einen Freund, der wiederum sendet frische an eine der Stationen auf der Reise. „Klar kommt es vielleicht mal einen Tag zu spät an. Dafür aber, dass wir uns das so lapidar ausgedacht haben, klappt es ganz gut“, findet Joyce Hübner, die schätzungsweise 35 Laufschuhe auf den errechnet über 21.000 Kilometern verschleißen wird.

Knietief im Schnee

Gute Planung ist also alles. Was sich nicht planen lässt, ist das Wetter. Vor dem Winter hatte Joyce Hübner Respekt, und ihre Sorge war begründet. „Ich war immer da, wo der Winter am härtesten ist: knietief im Schnee, ungefähr sechs Wochen lang“, erzählt sie schaudernd: „Lange, nasse, kalte Tage. Das zieht natürlich ordentlich Energie.“ Aber der pfälzische Frühling, er kündigt sich an, und auch die Gegend gefällt ihr gut.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Über die Mannheimer Rheinbrücke enterte sie am Montag die Pfalz erneut. Alles nachzuverfolgen auf ihrer Website oder in YouTube – auch, wie sie im Video festhielt, nun in die angeblich „hässlichste Stadt Deutschlands“ einzulaufen. Und, stimmt das Vorurteil über Ludwigshafen? Joyce Hübner relativiert. „Man muss ja immer sehen, was man als hässlich oder schön definiert“, sagte sie. „So ne riesengroße Stadt, die voll betoniert ist und noch kilometerlang Chemieanlagen hat, ist erstmal fürs Auge nicht so reizvoll wie diese Landschaft hier“, sagt sie mit Blick auf die milden, grünen Hügel der sonnigen Nordpfalz.

Am 8. Oktober will sie in ihrer Heimatstadt Berlin ins Ziel laufen. Finanziert wird der Trip durch Sponsoren und ihre eigenen Produkte, die sie vermarktet. Und was kommt dann am 9. Oktober, tiefes Loch? „Gar nicht, wir sind bis Ende des Jahres durchgeplant. Ich muss halt nur nicht mehr jeden Tag einen Marathon laufen“, sagt Joyce Hübner und lacht. Ein Buch wird sie auch über diese Reise schreiben.

Noch kein Problem mit dem Dialekt

Sven Dünnwald ist mit dem Auto vorgefahren, hat den ersten Verpflegungsstopp vorbereitet – in Bolanden, mit Blick auf den höchsten Berg der Pfalz, den Donnersberg. Heimspiel für Mitläuferin Nadine, die hier am Weierhof-Gymnasium unterrichtet und Joyce Hübner einiges erzählen kann. Der Pfälzer Dialekt ist bisher für die Berlinerin kein Problem. Noch nicht. Aber sie hat Deutschland 2023 mal umrundet, und da gab es Tage, „an denen ich mich einfach nicht mehr mit meinen Mitläufern unterhalten konnte“.

Unsere Wege trennen sich hier nach gut acht Kilometern. Der RHEINPFALZ-Reporter hat nochmal gut die gleiche Streckenlänge als Heimweg vor sich. Und Joyce Hübner läuft eh fröhlich weiter, 34 Kilometer bis Kaiserslautern. Am Donnerstag läuft sie über die Städte Ramstein-Miesenbach, Landstuhl und Rodalben nach Pirmasens. Und dann „nur“ noch 189 Marathons bis ins und ans Ziel.

Joyce Hübner folgen: joyce-huebner.com/staedtetrip

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