Fußball
4:0 gegen Luxemburg – ein bärenstarker Bayern-Block
Nach etwas mehr als einer halben Stunde im Spiel gegen Luxemburg bekam Serge Gnabry am Freitag viel Beifall von der Tribüne. Der Stürmer tat sich als Verteidiger hervor. Als die deutsche Mannschaft den Ball im Angriff verlor, eilte er schnurstracks im Sauseschritt nach hinten, überholte alle und beförderte den Ball vor Stürmer Aiman Dardari am linken Strafraumeck ins Aus. Gnabrys Grätsche: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
Das wollten die Fans sehen, das wollte Julian Nagelsmann so haben. „Gier“ und „Galligkeit“ notierte der Bundestrainer nach dem Sieg – und war zufrieden, ja erleichtert nach dem zweiten Erfolg in der WM-Qualifikation. Der Auftritt war eine Steigerung gegenüber dem, klar, desolaten Auftritt in der Slowakei und dem Sieg gegen Nordirland in Köln. Und schon liegt die deutsche Elf auf dem ersten Tabellenplatz in der Gruppe, Julian Nagelsmann sagte, es sei „nicht immer ratsam“, das Tableau zu studieren. Achtung! Ablenkungsgefahr.
In der Form seines Lebens?
Der 30-jährige Serge Gnabry war am Freitag im Sinsheimer Stadion in der Offensive der auffälligste deutsche Spieler. Gnabry war überall, und er war an drei Toren beteiligt. Vor dem 1:0 durch David Raum wurde er gefoult. Freistoß, Tor. Vor dem 2:0 provozierte er ein Handspiel von Dirk Carlson im Strafraum. Elfmeter, Rote Karte, Tor. Und das 3:0 erzielte er selbst, nach einem Pass von Karim Adeyemi ließ er sich nicht mehr einfangen und verwandelte trocken.
Die Frage kann man ja mal stellen: Ist Serge Gnabry in der Form seines Lebens? „Das ist vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen. Auf jeden Fall ist es ein guter Saisonstart für mich. Ich freue mich, dass es gerade so gut läuft und die Tore fallen. Es hat gut getan, wieder zu treffen“, betonte der Angreifer des FC Bayern München, der in seinem Klub und auch in der Nationalmannschaft im Moment mehr zentral agiert, quasi den Part des verletzten Jamal Musiala einnimmt. Die Gründe für den Aufschwung? „Das habe ich schon oft gesagt, aber gerade habe ich viel Selbstvertrauen, auch wegen der Bayern – so wie wir spielen, wie wir punkten. Deswegen macht es gerade Spaß, auf dem Platz zu stehen, und der Körper macht auch mit“, erklärte er.
Gnabry spricht im ZDF-Sportstudio
Am Samstag vor einer Woche durfte er im ZDF-Sportstudio über sich und seine Top-Form plaudern, das war nach dem 3:0 der Bayern bei Eintracht Frankfurt. Das Thema des Abends: der neue Gnabry, der gereifte Gnabry. Es war ein starker Auftritt. Und der Spieler ließ auch durchblicken, dass ein privater Schicksalsschlag ihn beschäftigte. „Jetzt ist der Kopf wieder ein bisschen freier“, betonte er.
4:0 gegen Luxemburg, das war in Ordnung. „Wir wussten, dass wir Gas geben müssen. Wir sind mit Wut im Bauch und sehr viel Elan ins Spiel gegangen, den Elan haben wir von der ersten bis zur letzten Minute gezeigt. Wir haben nichts anbrennen lassen und wir wussten natürlich auch, dass je mehr Tore wir machen, es desto besser für uns ist“, erläuterte Gnabry. Ein schönes Lob: Für den Bundestrainer hat Serge Gnabry das „beste Spiel seit Langem“ gemacht.
Ihm in nichts nach stand Joshua Kimmich, der Kapitän der deutschen Mannschaft, der, Überraschung, Überraschung, zunächst wieder als rechter Verteidiger auflief. Diese Position ist einfach die große Baustelle im deutschen Team, und so vollzog Bundestrainer Julian Nagelsmann eine Rolle rückwärts. Kimmich nutzte die Freiheiten gegen einen extrem defensiven Gegner, kurbelte das Spiel seiner Mannschaft an und schoss auch noch zwei Tore – durch einen Handelfmeter und einen Abstauber nach einem Eckball von David Raum, der das frühe 1:0 mit einem feinen Freistoß markierte. „Es war wichtig zu gewinnen, aber es war auch wichtig, dass wir in der Art und Weise gewonnen haben. Was gut ist, dass wir gewisse Prinzipien und Einstellungsthemen an den Tag gelegt haben“, sagte der 30-Jährige. Er betonte: „Unser Trumpf muss sein, dass wir eine Mannschaft sind.“
Natürlich schlug dann am Abend gleich die Stunde der Naseweisen. Sie wollten herausbekommen, ob Joshua Kimmich denn nun auf Dauer wieder als rechter Verteidiger spielt. Wo spielt er denn am liebsten? „Im Tor“, erwiderte Frechdachs Kimmich. Und mit Blick auf Julian Nagelsmann erläuterte er: „Meinetwegen muss er sich nicht entscheiden. Wenn er das braucht für das Gefüge, für das Team, dann kann er sich entscheiden. Wir können das auch ein wenig vom Gegner und vom Personal abhängig machen. Es hilft, wenn man Spieler hat, die auf mehreren Positionen spielen können.“
Nagelsmanns Austausch mit dem Kapitän
Für den Coach stellt sich die Situation so dar. „Er gibt uns viel. Er kann beide Positionen auch relativ kurzfristig ausfüllen. Das ist gut zu wissen. Er hat es auch gut gemacht. Er hat zwei Tore geschossen. Ich habe viel Austausch mit meinem Kapitän. Wir sprechen viel, auch über Ideen und Inhalte. Ich kann ihn auch eine halbe Stunde vor dem Spiel noch woanders hinstellen, er kriegt das gut hin.“
Ein bisschen baff war der smarte Kapitän am Abend dann doch noch, denn mit seinem 104. Länderspiel zog er an Deutschlands größtem Fußballer, Franz Beckenbauer, vorbei, der auf 103 Länderspiele in seiner Karriere kam. Das hatte Kimmich nicht im Kopf, das machte ihn dann doch ein wenig stolz. Wichtig für ihn ist nun, dass die Mannschaft ihren Rhythmus findet, in diesem Rhythmus bleibt. „Wie viele Spiele sind es noch bis zur WM? Sieben. Das ist nicht viel“, sagte der Kapitän und gab für das Spiel am Montag in Belfast bei den kantigen Nordiren aus: „Wir müssen versuchen, auch in Nordirland zu jeder Zeit gefährlich zu werden. Heute waren wir sehr griffig.“
Die deutsche Mannschaft war sehr griffig, sie war aggressiv in jeder Phase, weil ja auch die Spieler im zentralen Mittelfeld gut miteinander klar kamen. Das waren am Freitag Leon Goretzka und Aleksandar Pavlovic, zwei weitere Akteure aus dem Bayern-Block, der durch den hinten wenig beschäftigten Jonathan Tah komplettiert wurde. Pavlovic, der in der jüngeren Vergangenheit so viel Verletzungspech hatte, immer wieder zurückgeworfen wurde, machte ein klasse Spiel. Er forderte den Ball, verteilte ihn, war sich für keinen Zweikampf zu schade.
„Es ist nicht immer einfach, in Überzahl zu spielen, vor allem wenn der Gegner so tief steht. Wir haben einfach probiert, Tore zu schießen. Wir haben unser Bestes gegeben und ich finde auch, wir haben gut gespielt“, sagte Aleksandar Pavlovic. „Natürlich freue ich mich sehr, dass ich mit meinen Bayern-Teamkollegen zusammen spielen darf. Wir harmonieren gut, wir verstehen uns gut“, erläuterte der 21-Jährige.
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