FCK
0:4 in Berlin: Ein komplett gebrauchter Sonntag für die Roten Teufel
Kurz vor dem Abpfiff hatten die Anhänger des 1. FC Kaiserslautern im altehrwürdigen Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark noch Humor bewiesen, hatten ihren Spaß mit einem der Ordner. Dann folgte ein gellendes Pfeifkonzert für die FCK-Mannschaft. Diese lieferte bei Aufsteiger FC Viktoria Berlin ein desaströses Spiel ab – konnte froh sein, „nur“ 0:4 (0:2) verloren zu haben. Es war der Sonntag der Gastgeschenke.
Berliner Stolpertor
Das erste verteilten die Lauterer bereits in der dritten Minute. Über den starken Tolcay Cigerci gelangte das Leder nach einer kurz ausgeführten Ecke zu Björn Jopek, der zum 1:0 einschoss (3.). Ein Stolpertor, das nicht fallen darf und bezeichnend für den Auftritt des FCK war. „Wir legen ein Abwehrverhalten an den Tag, das du so nicht anbieten kannst“, haderte FCK-Trainer Marco Antwerpen.
Kleinsorge verpasst den Ausgleich
Die Berliner attackierten den ballführenden Spieler meist mit mehreren Akteuren. Ein behäbiger FCK kam damit nicht klar. Und dennoch hatte Marius Kleinsorge fünf Minuten nach der Viktoria-Führung die große Chance zum Ausgleich, schoss aber – von Hendrick Zuck bedient – vorbei. Kleinsorge rückte kurzfristig in die Startelf, weil Kenny Prince Redondo passen musste. Beim Aufwärmen machte seine Wade zu.
Klingenburg verletzt sich im Abschlusstraining
Die Roten Teufel mussten zudem neben dem am Knie verletzten Innenverteidiger Kevin Kraus kurzfristig auch noch auf René Klingenburg verzichten. Der 27-jährige Mittelfeldspieler hatte sich im Abschlusstraining einen Riss des Außenbandes im Sprunggelenk zugezogen. Bezeichnend für das Spiel der Lauterer ein Fehlpass von Torhüter Matheo Raab in die Füße von Cigerci, der daraus aber kein Kapital zu schlagen vermochte (15.). Lucas Falcao hatte in der 38. Minute das 2:0 auf dem Fuß, sein Schuss ging am Tor vorbei.
Und so wären die Gäste beinahe zum Ausgleich gekommen. Doch bei einer Doppelchance scheiterte Philipp Hercher zunächst an Viktoria-Torhüter Julian Krahl und direkt danach schoss Mike Wunderlich aus 18 Metern über das Berliner Tor (40.). Auch drei Minuten später verfehlte Wunderlich – bedient von Julian Niehues, der sein Startelf-Debüt in einem Pflichtspiel für den FCK gab – mit einem Versuch und in einen Schuss von Jean Zimmer warf sich Innenverteidiger Jakob Lewald (44.).
Götzes Aussetzer
Unmittelbar vor dem Pausenpfiff das nächste Geschenk der Lauterer: Felix Götze vertändelte das Leder, Cigerci konnte alleine auf Raab zuspazieren und zum 2:0 einschießen (45.+1). „So etwas darf dir in der Dritten Liga im Profifußball nicht passieren“, wurde Antwerpen deutlich.
Viktoria lässt noch einige Chancen liegen
Er brachte nach der Pause Muhammed Kiprit und Nicolas Sessa für den ganz blassen Angreifer Daniel Hanslik sowie für Niehues. Und es sah zunächst auch etwas besser aus, Hendrick Zuck traf das Außennetz (47.). Nach 52 Minuten war das Spiel dann gelaufen. Verteidiger Boris Tomiak verlor das Leder gegen Cigerci – dann ging es ganz schnell. Enes Küc bediente Falcao, der trocken zum 3:0 vollstreckte. In der 84. Minute erhöhte der eingewechselte Erhan Yilmaz auf 4:0. Es hätte noch schlimmer für die Roten Teufel kommen können, Cigerci hatte schon zuvor den Pfosten getroffen, zudem ließen die Berliner noch einige Kontermöglichkeiten liegen.
„Wir hatten uns so viel vorgenommen, hatten so viel geredet. Dann starten wir ins Spiel und kriegen direkt das 1:0. Am Ende können wir froh sein, dass es nur 4:0 ausgeht. So ein Auftritt ist nur schwer in Worte zu fassen“, klagte Philipp Hercher.
Sorgen um Felix Götze
Sorgen gibt es um Felix Götze, der bei einem Luftkampf in der 70. Minute mit seinem Teamkollegen Marvin Senger zusammenstieß und in ein Krankenhaus gebracht wurde. Vorläufig wurde die Diagnose eines Haarrisses im Schädel gestellt, teilte der FCK am Abend mit. Es gehe ihm angesichts der Umstände soweit gut. Zur weiteren Beobachtung und Untersuchung befindet sich der 23-Jährige auf der Intensivstation.
„Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen“, sagte der Berliner Trainer Benedetto Muzzicato. In der Tat: Neun Punkte aus drei Spielen, 10:1 Tore, Tabellenführer – bei den Himmelblauen herrscht eitel Sonnenschein.
Aussprache am Zaun
„Wir wolln euch kämpfen sehn“, riefen dagegen die enttäuschten FCK-Fans der Mannschaft zu. Diese suchte am Zaun lange das Gespräch mit den Anhängern. „Ich finde es wichtig, dass wir uns den Fans stellen“, sagte Antwerpen – und schob nach: „Wir müssen uns bei unseren Fans entschuldigen, müssen uns alle hinterfragen, ob wir den richtigen Weg gehen.“
So spielten sie
Viktoria Berlin: Krahl - Menz, Lewald, Kapp - Pinckert, Theisen (87. Kayo), Jopek (90.+1 Heimur), Becker - Lucas Falcao (69. Yilmaz) - Küc (87. Benyamina), Cigerci (69. Seiffert)
1. FC Kaiserslautern: Raab - Tomiak, Götze (74. Winkler), Senger - Hercher, Zimmer (59. Gözütok), Niehues (46. Sessa), Wunderlich, Zuck (59. Gibs) - Hanslik (46. Kiprit), Kleinsorge
Tore: 1:0 Jopek (3.), 2:0 Cigerci (45.+1), 3:0 Lucas Falcao (52.), 4:0 Yilmaz (84.) - Gelbe Karten: Jopek (1), Lewald (1), Pietrzyk (Co-Trainer) - Zuck (1), Tomiak (1) - Beste Spieler: Cigerci, Lewald, Lucas Falcao - Hercher - Zuschauer: 4221 - Schiedsrichter: Oldhafer (Hamburg).
