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Montag, 19. Februar 2018 Drucken

Olympia-Splitter

Leben bei Olympia

Geschichten aus Pyeongchang

Lindsey Vonn

Lindsey Vonn fährt in Pyeongchang ihre wohl letzten Olympischen Spiele. Foto: Christophe Ena

Pyeongchang (dpa) - Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gibt es auch abseits der Wettkampfstätten allerhand Berichtenswertes:

APRÈS SKI: Das Deutsche Haus in Pyeongchang entwickelt sich mehr und mehr zur beliebten Party-Location. «Athleten können sich sehr gut quälen und haben eine entsprechende Ausdauer», sagte Bronze-Rodler Sascha Benecken. Es werde «auf Tischen, Bänken, Schultern, der Bühne und teilweise auf dem Boden» getanzt. Vor allem Ballermann-Songs und Après-Ski-Hits sind bei den deutschen Wintersportlern beliebt, etwa «Johnny Däpp» von Lorenz Büffel oder «Saufen, morgens, mittags, abends» von Ingo ohne Flamingo. Aber auch Beneckens eigener Song «Adrenalin» ist häufig zu nächtlicher Stunde im Deutschen Haus zu hören. Regelmäßig mischen sich auch Sportler aus anderen Nationen auf die Tanzfläche, etwa aus Österreich. Ein Schlagerlied verwundert textlich bei den Medaillenfeiern besonders: Wolfgang Petrys «Bronze, Silber und Gold hab' ich nie gewollt».

TRÄNEN: Lindsey Vonn fährt in Pyeongchang ihre wohl letzten Olympischen Spiele, nach der verpassten Teilnahme in Sotschi vor vier Jahren ist sie dieser Tage deswegen ohnehin schon sehr emotional. Am Montag stand der US-Skistar dann nach dem Training auch im Zielbereich und weinte - allerdings aus einem anderen Grund. Journalisten der norwegischen Zeitung «Aftenposten» hatten ihr ein Video ihrer Verwandten dort gezeigt, Vonns Vorfahren kommen aus Norwegen. Die Bilder und Botschaften berührten die 33-Jährige so sehr, dass ihr die Tränen kamen. Besucht hat sie die Heimat ihrer Ahnen als Touristin aber noch nie. «Ich werde da hingehen wenn ich mit meiner Karriere fertig bin», sagte sie in Südkorea.

DER BEGEHRTE: Simon Schempp war nach seiner dramatischen Foto-Finish-Niederlage im Biathlon-Massenstart ein gefragter Mann. Vor allem bei den weiblichen Südkoreanerinnen brach die «Schempp-Mania» aus. Einige Volunteers im Pressezentrum umringten den Silbermedaillengewinner nach Ende der Presserunde und strahlten ihn an. Zuvor hatten sie mit Heike Gruner, deutsche Journalistin und im Alpensia Biathlon-Center die Mixed-Zone-Supervisorin, zehn Minuten geübt, herzlichen Glückwunsch auf Deutsch zu sagen. Das klappte. Aber «Du siehst gut aus» brachten sie dann vor lauter Aufregung nicht mehr heraus. Und bekamen aber natürlich trotzdem ihr Foto mit Schempp.

ABGELEGEN: Durch ihre Unterkunft am Phoenix Snow Park hat Ski-Freestylerin Sabrina Cakmakli zwar einen kurzen Weg zu ihrer Wettkampfstätte, der olympischen Halfpipe. Sie bedauert aber, vom Leben im olympischen Dorf abgeschnitten zu sein. «Das ist ein bisschen schade, dass wir nicht so das olympisches Feeling mitbekommen», meinte die 23-Jährige vom SC Partenkirchen. Umso mehr genießt sie es, Teamkollegen wie die Rodler beim Abendessen im Deutschen Haus zu treffen.

WANKELMUT: Zunächst fühlte sich Eiskunstläufer Adam Rippon geschmeichelt über das Angebot des US-Senders NBC, nach seinem Wettkampf während der Spiele als Korrespondent zu arbeiten. Über Nacht änderte der Amerikaner seine Meinung. «Wenn ich diese Möglichkeit wahrnehmen würde, müsste ich das Team und das olympische Dorf verlassen», begründete der Zehnte der Winterspiele seine Entscheidung.

ALPTRAUM: Die zweimalige Eistanz-Weltmeisterin Gabriella Papadakis erlebte im Kurzprogramm ihren ganz persönlichen Alptraum. Zu Beginn des Vortrags «Shape of You» von Ed Sheeran löste sich ihr Kostüm im Nacken und gab später kurz eine Brust frei. «Ich habe es sofort gespürt und nur gebetet», sagte die 22-jährige und war den Tränen nah. «Es war, als würde der schlimmste Alptraum bei Olympia passieren», sagte die Französin und kämpfte mehr um ihr Kleid als um die Elemente mit Partner Guillaume Cizeron. Das Missgeschick war live im internationalen TV zu sehen, der US-Sender NBC versicherte aber, alle Wiederholungen so zu bearbeiten, dass die freizügige Einstellung nicht mehr zu sehen ist.

DER STOLZE: Trotz seiner nur um 0,4 Sekunden verpassten Bronzemedaille war Biathlet Erik Lesser nach dem Massenstart mächtig stolz. Auf sich und seine Teamkollegen. «Unserem Team macht so schnell keiner etwas vor. Jeder in unserem Team ist nun Einzel-Weltmeister und im Besitz einer Olympia-Einzel-Medaille. Kein anderes Team kann das vorweisen», schrieb der Frankenhainer nach dem spektakulären Rennen auf seiner Facebook-Seite. Weltmeister Simon Schempp hatte erst nach Foto-Finish nur um 14 Zentimeter sein erstes Olmypia-Gold gegen Martin Fourcade verloren. Lesser war schon Verfolgungs-Weltmeister und Olympia-Zweiter im Einzel. Ex-Sprint-Champion Arnd Peiffer holte Sprint-Gold in Pyeongchang und der aktuelle Sprint-Weltmeister Benedikt Doll Bronze in der Verfolgung.