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Donnerstag, 30. August 2018 Drucken

Formel 1

Großer Preis von Italien

Im Tempo-Rausch auf Titeljagd: Vettel will über Monza zur WM

Guter Dinge

Sebastian Vettel ist für Ferrari-Festspiele in Monza gerüstet. Der letzte Erfolg der Scuderia beim Großen Preis von Italien liegt allerdings schon acht Jahre zurück. Foto: Antonio Calanni/AP

Mit einem Heimsieg in Monza will Sebastian Vettel den Beweis liefern, dass Ferrari endlich wieder titelreif ist. Als Aufbauhelfer könnte der Hesse bei der Scuderia sogar ein Jahr früher ans WM-Ziel gelangen als Michael Schumacher.

Monza (dpa) - Überwältigt vom Mythos Monza wurde einst auch ein Michael Schumacher emotional. «In Monza mit einem Ferrari zu gewinnen, ist einfach das Größte», beteuerte der oft so unterkühlte Rekordchampion nach einer seiner Formel-1-Triumphfahrten im Autodromo Nazionale.

Tempo-Rausch und italienische Leidenschaft - der Königliche Park steht als perfektes Sinnbild für die Marke Ferrari, die nun schon viel zu lange auf einen Heimsieg und einen Titel wartet. Erlöser könnte in dieser Saison Schumachers Erbe Sebastian Vettel sein. Im vierten gemeinsamen Jahr scheinen die Scuderia und der Deutsche endlich bereit für die WM-Krone.

Vettels erster Monza-Sieg im Ferrari soll dafür am Sonntag den nächsten Beweis liefern. «Monza ist in Italiens Herz. Jeder spürt, dass hier etwas Besonderes passiert», sagte Vettel. Schritt für Schritt hat der 31-Jährige den Rennstall herangeführt an die lange übermächtigen Silberpfeile - ein bisweilen schmerzhafter Prozess. «Der Sport hat selten erlebt, dass eine Marke so stark dominiert hat wie in den letzten Jahren Mercedes. Dass wir da jetzt auf Augenhöhe sind, spricht für uns», sagte Vettel nach seinem fünften Saisonsieg in Spa-Francorchamps.

Auf einer Motorenstrecke im direkten Duell Lewis Hamilton abgehängt zu haben, daraus schöpft der Hesse frischen Glauben an den Erfolg seiner Ferrari-Mission. Dennoch warnt er sein Team auch: «Wir wissen, dass wir ein gutes Auto haben, aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen. Es gibt keine Garantien.»

Auch wenn der Heppenheimer im Red Bull bereits viermal Weltmeister war, fühlt er, dass erst ein Titel im roten Auto ihm Legenden-Status sichern würde. «Ich stelle mir vor, dass einer meiner schönsten Tage der sein wird, wenn ich in Rot den Titel gewinnen werde. Das Ziel ist, Ferrari dahin zurückzubringen, wo es mit Michael Schumacher schon mal war», sagte er schon im Vorjahr vor dem Monza-Rennen.

Damals begann ausgerechnet beim Heimspiel der Einbruch im WM-Duell mit Hamilton. Mercedes gelang in Italien ein Doppelerfolg. In den Wochen danach zerbrachen Vettels WM-Träume im Eiltempo durch eine Serie von Pannen und Patzern. Den Frust des Vorjahres nutzte die Scuderia als Treibstoff für die neuerliche Attacke.

Auf Anweisung des unnachgiebigen Firmenchefs Sergio Marchionne wurde in Maranello an vielen Schrauben gedreht. Den plötzlichen Tod des italo-kanadischen Top-Managers im Juli nimmt der Rennstalls als emotionale Verpflichtung, sein Lebenswerk mit der Weltmeisterschaft zu vollenden. Eine der Schlüsselfiguren ist Technikdirektor Mattia Binotto, unter dessen Regiment dem Ferrari die meisten Schwächen ausgetrieben wurden. «Wir haben uns an allen Fronten verbessert», sagte Vettel. Stärkerer Motor, schnittige Aerodynamik, erhöhte Zuverlässigkeit. Dazu hat Vettels Mannschaft spürbar den Fokus geschärft, gibt sich geordneter und schaut vor allem auf sich selbst.

Einen ähnlichen Weg hatte Ferrari in der Schumacher-Ära genommen. Der Kerpener benötigte fünf Jahre, ehe er die Scuderia zur Sieg-Maschine geformt hatte. Der Rest ist Legende. Neben seinen fünf Titeln in Serie gewann Schumacher auch insgesamt fünfmal mit Ferrari in Monza - bis heute eine Bestmarke auf der Strecke, die für die Tifosi «La Pista Magica» ist.

Ungeduldig sehnen die Ferraristi eine neuerliche Zeit der Triumphe herbei. Kimi Räikkönens hauchdünner Titelgewinn 2007 liegt schon eine Formel-1-Ewigkeit zurück. Der bislang letzte Monza-Erfolg der Scuderia 2010 ist noch mit dem Spanier Fernando Alonso verknüpft, der vor Vettels Ankunft fünf Jahre vergeblich dem WM-Ruhm nachjagte.

Anders als Alonso, der eher ein Grantler mit großem Ego als ein Teamarbeiter ist, scheint Aufbauhelfer Vettel die richtige Richtung gewiesen zu haben. Monza soll nun zur nächsten Etappe der WM-Wende werden, 17 Punkte beträgt der Rückstand des Deutschen auf Titelverteidiger Hamilton noch. Der Auftakt ins Heimspiel indes missriet dem Heppenheimer. Bei einer PR-Ausfahrt auf den Straßen von Mailand rutschte Vettel am Mittwoch in die Barriere. Immerhin blieb es bei einem kleinen Blechschaden.

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