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Montag, 29. Juli 2019 Drucken

FCK

Otto Rehhagel beim FV Rockenhausen [mit Video und Bilderstrecke]

Von Christian Hamm

Der „Retter“ und sein „Hänfling“: Otto Rehhagel und Hubert Neu (rechts) hatten Spaß in Rockenhausen.

Der „Retter“ und sein „Hänfling“: Otto Rehhagel und Hubert Neu (rechts) hatten Spaß in Rockenhausen. ( Foto: J. Hoffmann)

„Ihr habt mich ja hier in den Orbit geschossen.“ Otto Rehhagel hat nicht vergessen, wo er sein erstes „Fußball-Wunder“ bewirkt hat. Jetzt ist er zur Triumphstätte beim FV Rockenhausen zurückgekehrt – und hat gesungen.

Wäre ein Walzer erklungen, „König Otto“ hätte sicherlich auch noch geschunkelt. So aber klatschte er strahlend im Takt der Melodie von „Muss i’ denn ...“ Ein Liedchen mit Symbolcharakter, mit Erinnerungswert. Steht es doch für den ersten Meilenstein auf der Erfolgsspur des Otto Rehhagel.

Als Interimscoach Liga gehalten

Vor fast fünf Jahrzehnten sollen die Rockenhausener am Ortsschild winkend und singend ihrem neuen Heroen Adieu gesagt haben. „Muss i’ denn zum Städtele hinaus...?“ Ja, musste er, weil er beim grantelnden FCK-Coach Gyula Lorant im Wort stand. Dem hatte nicht gepasst, dass sein verletzter Eisenfuß erste sachte Schritte als Interimscoach in nordpfälzischen Höhen unternahm. Als Rehhagel das abgeschlagene Schlusslicht der zweiten Amateurliga aus der Agonie geweckt, den FVR am Ende der Saison 1970/71 gerettet hatte, wartete zwar kein Lorant mehr – der war gefeuert und durch Dietrich Weise ersetzt worden. Die Mission von Feuerwehrmann Otto aber war ja erfüllt. Als er abdampfte und Gesang vernahm, „da war ich glücklich“: Gesagt hat das die wandelnde Trainerlegende vor Jahresfrist in einem Fernsehbeitrag zu seinem 80. Geburtstag. Dies wiederum war Thorsten Trost nicht entgangen. Flugs hatte der heutige Vorsitzende den Retter von einst zum 100. Jubiläum des FVR eingeladen.

Samstagabend in der Donnersberghalle: Beifall prasselt. „Ach, diese herrlichen Musikanten“, lobt der Ehrengast des Ehrenabends die Gesangvereinskapelle um Dirigent Heiko Opp und Sänger Marco Spindler. Wonneschauer haben sie Otto beschert, als sie ihn mit dem Steiger-Lied begrüßt haben. „Wie zu Hause“, das freut das Kind des Potts aus Essen.

Viele Anekdoten

Glückauf, glückauf: Aber Glück sei’s damals nicht gewesen, wie sich in der Talkrunde herausstellen sollte. Moderator Sebastian Stollhof, Leiter der Donnersberger RHEINPFALZ-Lokalredaktionen, kitzelt Anekdoten aus Rehhagel und früheren Weggefährten heraus. Karl-Heinz Eichmann war der Stürmer. „Ich war 18 – und voller Bewunderung. Das wirkt bis heute“, bekennt der Polizeibeamte im Ruhestand. Und das trug auch Blüten. „Ich war in den 1980ern plötzlich Werder-Bremen-Fan“, outet sich der Rockenhausener. Rehhagel feierte mit Werder zwei Meistertitel ...

Aber „eine Majestät“, wie ihn witzelnd Kreisbeigeordneter Jamill Sabbagh begrüßte, erzählt weniger vom großen Fußball. Lieber vom FVR; von dem wuchtigen Adolf Leib etwa, den er vom Mittelfeld nach hinten beordert und zum Brandungsfelsen befördert hatte. „Du passt da jetzt auf, dass wir kein Tor mehr kriegen.“ Und Rehhagel plaudert von einem Hänfling namens Hubert Neu. Ein exzellenter Kicker aus Stahlberg, gerade mal 17. Neu galt fortan als „Ziehsohn“ Rehhagels, das Gastspiel Rehhagels hat den Grundstein für Neus Trainerkarriere gelegt.

Neu hat Rehhagels Jubiläums-Besuch in die Wege geleitet. Und damit vielen eine Freude gemacht. „Jungs, denkt immer dran: der Ball muss vorne rein“, schreibt der weltbekannte Trainer den Bezirksliga-Kickern des FVR noch mal rasch ins Stammbuch. Schnell ein Foto mit dem Team von einst: Fast alle, die noch leben, sind gekommen. Um eine kleine fußballphilosophische Lehrstunde zu erleben. Und eine Singstunde. Schön war’s.

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