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Samstag, 08. Juli 2017 Drucken

FCK

Neu beim FCK (8): Angelrute statt Playstation für Lukas Spalvis

VON ANDREAS BÖHM

Gestern in Zams: der neue Stürmer Lukas Spalvis (rechts). In Dänemark war er 2016 mit 18 Treffern in 30 Spielen Torschützenkönig.

Gestern in Zams: der neue Stürmer Lukas Spalvis (rechts). In Dänemark war er 2016 mit 18 Treffern in 30 Spielen Torschützenkönig. ( Foto: FCK)

Lukas Spalvis hat in seinem noch jungen Fußballer-Leben schon zwei Kreuzbandrisse erlitten. Das Vertrauen in seinen Körper hat darunter nicht gelitten. Doch er weiß: Physisch hat er Nachholbedarf. Nach monatelanger Rehabilitation befindet er sich langsam auf dem Weg zurück zu alter Kraft.

«Zams.»Man macht sich ja gerne vorschnell ein Bild von jungen Fußballern. Man sagt ihnen beispielsweise nach, die Freizeit am liebsten zockend mit der Playstation zu vergeuden. Eine Videospielkonsole hat Lukas Spalvis zwar, doch meist liegt sie ungenutzt herum. Und wenn der 22 Jahre junge Litauer sie mal in Betrieb nimmt, dann nicht, um „Fifa 17“ zu spielen. „Um ehrlich zu sein, das finde ich ziemlich langweilig“, sagt Spalvis und bemerkt nebenbei, dass er es generell nicht möge, sich den lieben langen Tag mit der Kickerei zu befassen, abgesehen von seinem Job, versteht sich. Nicht mal das Champions-League-Finale habe er sich im TV angeschaut. Bitte? „Ich war angeln ...“

Als Hobby möchte er das Fischen nicht bezeichnen, aber mit Freunden am Wasser zu sitzen und zu entspannen, das gefällt ihm. Für private Passionen blieb zuletzt eh kaum Zeit. Reha, Reha, Reha. Sieben Monate lang. Erneut war ihm das vordere Kreuzband gerissen, diesmal im rechten Knie. Für Sporting Lissabon absolvierte er kein einziges Spiel. Das Vertrauen in seinen Körper scheint unter der zweiten schweren Verletzung seines noch jungen Fußballerlebens nicht gelitten zu haben. „Beim zweiten Mal war es einfacher. Du kennst die Operation, die Abläufe danach, du weißt, was dich erwartet“, sagt Spalvis, „ich gehe ziemlich gut damit um.“

Spalvis sieht sich selbst als klassischen Mittelstürmer, als Arbeiter, als Spieler, „der die Attacken zumacht“. Am liebsten hat er einen zweiten Mann neben sich, einen, der auf die Flügel ausweicht, der flankt, dessen Hereingaben er verwerten kann. So war er bei Aalborg BK erfolgreich, mit dem er 2014 dänischer Meister wurde. Acht Treffer in 17 Ligaspielen machten ihn zum zweitbesten Torschützen der Saison. Doch ehe er seine Abschlussqualitäten in Kaiserslautern einbringen kann, wird noch einige Zeit vergehen. Spalvis schätzt seine aktuelle Verfassung sehr realistisch ein: „Ich bin gerade bei 60, vielleicht 70 Prozent. Ich weiß nicht, ob es bis zum Saisonstart reicht, aber ich gebe mein Bestes.“

Spalvis hat kein besonderes Vorbild. Wenn ihn ein Spieler inspiriert, dann Zlatan Ibrahimovic. Er mag dessen „Boss-Modus“, die „gesunde Arroganz“ – die nur dann akzeptiert wird, wenn die Leistung stimmt.

Spalvis spricht perfekt Deutsch. Die Mutter war Profihandballerin, der kleine Lukas kam mit sechs Jahren in die Republik, siedelte von Leverkusen nach Frankfurt an der Oder und schließlich nach Basel in die Schweiz um. Jedoch fühlt er sich durch und durch als Litauer. Seine gelben Fußballstiefel ziert die Nationalflagge, ebenso den rechten Oberarm. Links schmücken die Haut der Name seines Bruders und ein Meistertattoo aus Aalborger Zeit, „LS 33“.

Dem in der Vorsaison chronisch harmlosen FCK soll Spalvis zu Toren verhelfen. Zunächst muss er jedoch fit werden. Er ist sich über die Erwartungen im Klaren, spürt aber keine Last. „Auch wenn ich in Portugal nicht gespielt habe, habe ich gemerkt, was dort Druck bedeutet. Er kam von jeder Seite, immer. Das war nicht mehr gesund“, sagt er. In der Konsequenz bedeutet dies: Spalvis kann wenig erschüttern. Und wenn doch, kann er an einem Gewässer in der Nähe von Kaiserslautern die Angel auswerfen.

 

 

Steckbrief

Lukas Spalvis

Geboren: 27. Juli 1994 in Vilnius

Nationalität: Litauisch

Größe: 1,89 Meter

Gewicht: 80 Kilogramm

Vertragsdauer: bis 30. Juni 2018

Bisherige Vereine: Sporting Lissabon,

Aalborg BK, SC Freiburg, SV Weil.

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