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Freitag, 31. August 2018 Drucken

FCK

Nächster Karriereschritt des kalifornischen Kämpfers

Fussball: In Osnabrück ist der Amerikaner Joe Enochs zur Kultfigur geworden – Mit viel Herz hat er jetzt beim FSV Zwickau neu angefangen

VON HARALD PISTORIUS

Joe Enochs

Joe Enochs ( Foto: IMAGO)

«ZWICKAU.»Viele haben es nicht für möglich gehalten, dass Joe Enochs (46) Osnabrück verlässt. Dann hat der Amerikaner, der „Mister VfL“ war, die Zelte abgebrochen. Beim FSV Zwickau, am Sonntag (13 Uhr) Gegner des 1. FC Kaiserslautern, zeigt der Fußballlehrer, was er kann. – nächster Entwicklungsschritt in der Karriere eines Kämpfers.

Als er 1994 nach Deutschland kam, wollte er nur ein paar Jahre Fußball spielen in dem Land, dessen Liga seine Begeisterung für diesen Sport geweckt hatte. „Soccer made in Germany“ hieß die amerikanische TV-Sendung, die bei dem Sohn einer Lehrerin im kalifornischen Petaluma das Fußballfieber auslöste.

Gleich nach seiner Ausbildung zum Kriminalassistenten ging es rüber ins Bundesliga-Land – und Enochs landete bei den Amateuren des FC St. Pauli, dann beim VfL Osnabrück. Dort blieb er. Für immer, dachten alle.

Denn selten in der Geschichte des Traditionsklubs wurde ein Spieler so zur Identifikationsfigur. Enochs lebte Kampfgeist, Teamspirit und Bodenständigkeit so glaubwürdig vor, dass er zum Gesicht des VfL wurde. Und Rekordspieler, mit 376 Ligapartien zwischen 1996 und 2008.

Danach ging es weiter im Nachwuchsleistungszentrum des VfL, Enochs machte seine Fußballlehrerlizenz. Aber: „Ich habe mich manchmal wie ein Lehrling gefühlt, der es in der eigenen Firma zu etwas bringt, aber eben immer noch wie ein Lehrling gesehen wird.“ Dabei wollte er immer nur eins: Trainer sein, so hoch wie möglich. Die Chance kam im August 2015, er übernahm das Drittligateam vom entlassenen Maik Walpurgis. „Als ich den Cheftrainervertrag unterschrieb, wusste ich, dass ich den VfL eines Tages verlassen werde“, sagt er.

So kam es. Ein mäßiger Start verstärkte die Zweifel der Verantwortlichen, am 4. Oktober 2017 – zwei Monate nach dem Sensationssieg im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV – wurde Enochs entlassen. Die Emotionen schlugen aus. Enochs war schwer getroffen. Der allseits beliebte, sozial eingestellte Mann, der jeden Autogrammwunsch erfüllte, verkroch sich. Ein paar Wochen später aber sagte er kämpferisch: „Ich werde auf jeden Fall weiter als Trainer arbeiten – egal wo.“ Ein paar Vereine fragten an, doch es sollte passen. Dass er beim FSV Zwickau zusagte, war nur für die eine Überraschung, die ihn nicht gut genug kannten. Er passt dorthin, zielstrebig, geradlinig und offen, wie er ist. „Joe Enochs ist sofort angekommen hier in Zwickau, die Leute sind begeistert von ihm. Er hat nicht alles auf den Kopf gestellt, sondern baut auf dem auf, was er vorgefunden hat und setzt dazu eigene Akzente“, sagt ein Kenner des Klubs.

Es passt, dass er sich ohne Einschränkung auf die neue Herausforderung eingelassen hat. Ehefrau Gunilla ist mitgegangen nach Zwickau, ebenso die jüngere Tochter Sophie. Die ältere, Emily, ist eine sehr talentierte Basketballerin, die gerade ein Stipendium an einem College in den USA angenommen hat.

Joe Enochs, der morgen 47 Jahre alt wird, ist fußballversessen: „Die tägliche Arbeit mit der Mannschaft, die Arbeit im Trainerteam – das ist die volle Dosis Fußball, das liebe ich.“ Dabei bleibt er ein echter Sportsmann, ein geradliniger Charakter und ein freundlicher Mensch; seine Karriere ist ohne Makel, es gibt kein Skandälchen. Mancher hält ihn für zu gutmütig für das Profigeschäft, doch er sieht das anders: „Der korrekte Umgang mit den Menschen ist entscheidend und auch im Profifußball ein Grundstein des Erfolgs. Natürlich ersetzt Sozial- keine Fachkompetenz – aber ohne soziales Handeln hilft dir das Fachwissen nichts.“

In Osnabrück ist er immer noch Rekordspieler, die Joe-Enochs-Sportsbar gibt es noch, und die Kindertribüne des VfL trägt weiter seinen Namen. Die Verbindung bleibt.

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