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Montag, 19. August 2019 Drucken

Fußball

DFB und DFL

Kellers Auftritt, Rauballs Abschied: Neuanfang ohne Zäsur

Fritz Keller

Fritz Keller ist der designierte Präsident des deutschen Fußball-Bundes. Foto: Patrick Seeger

Fritz Keller ist der Hoffnungsträger des DFB für ein Ende der Krisen und Skandale. In Berlin wird der Freiburger erstmals über sein Programm als künftiger Verbandschef sprechen. Dass zeitgleich eine Funktionärs-Ära endet, gerät dadurch in den Hintergrund.

Berlin (dpa) - Präsentation des Präsidentschaftskandidaten beim DFB, neue Struktur und Abschied vom langjährigen Spitzenmann bei der DFL. Der deutsche Fußball steht in dieser Woche vor einer Zäsur in seiner Funktionärselite.

Binnen weniger Stunden stellt sich Fritz Keller am Mittwoch als Bewerber für den DFB-Chefposten bei Amateur-Delegierten und den Profi-Clubs in Berlin vor. Bei der Deutschen Fußball Liga endet die Zeit von Reinhard Rauball als Ligapräsident.

Wieso ist Keller der einzige Kandidat für den DFB-Präsidentenposten?

Die Findungskommission um die Interimschefs Rainer Koch und Reinhard Rauball hatte immer klar gemacht, nur einen starken Kandidaten zu suchen. Kampfabstimmungen sind in der Fußball-Funktionärswelt ohnehin die absolute Ausnahme. Überraschend ist allerdings die Aussage, dass nur mit Keller Gespräche geführt wurden, also für den Topjob keine Alternativen abgeklopft wurden. Offenbar standen die Kandidaten an der Otto-Fleck-Schneise nicht Schlange. Theoretisch können die Landes- und Regionalverbände oder die DFL bis zum 30. August noch einen anderen Kandidaten benennen. Siegchancen bei der Wahl beim DFB-Bundestag am 27. September hätte der aber ohnehin nicht.

Welche Probleme muss Keller nach seiner Wahl als erstes anpacken?

Der DFB hat vor allem ein Imageproblem. WM-Skandal und Grindel-Rücktritt sorgten für einen riesigen Vertrauensverlust. Dem Selbstanspruch als gesellschaftliche Instanz weit über den Fußball hinaus wirken zu können, hinkt der DFB weit hinterher. Vor allem die Außendarstellung muss sich massiv verbessern, sonst sorgt man bis hinab auf den Dorfbolzplatz für Frust und Gespött. Dauerthema ist der Konflikt zwischen den Proficlubs und der Amateurfraktion. Keller muss der Spagat gelingen, die unterschiedlichen Interessen zu befriedigen.

Was erhofft man sich beim DFB von dem Freiburger?

Vor allem Ruhe und Kontinuität. Seit Jahren taumelt der Verband zwischen Krisen und Fettnäpfchen. Sogar Bundestrainer Joachim Löw konstatierte: «Der DFB war schon die letzten Monate in einem unruhigen Fahrwasser, und wer den Fritz Keller kennt, der weiß, dass er für gewisse Werte steht: Offenheit, Geradlinigkeit, Ehrlichkeit.» Der letzte Präsident, der ohne Querelen oder Skandal aus dem Amt ging, war Kellers Vor-Vor-Vor-Vorgänger Egidius Braun Anfang des Jahrtausends.

Wird Keller nun hauptamtlicher Präsident?

Nein. An den Vergütungsregeln ändert sich nichts. Keller hätte wie vor ihm auch Grindel Anrechte auf eine Aufwandsentschädigung und eine Verdienstausfallpauschale in Summe von 14 400 Euro monatlich. Die Debatte um Haupt- und Ehrenamt war ohnehin eher eine Scheindiskussion, denn beide Varianten sind laut DFB-Statuten schon länger möglich. Keller wird aber - so das Job-Profil - ohnehin nicht jeden Tag in der DFB-Zentrale präsent sein. Seine Geschäfte als Winzer und Gastronom machen ihn finanziell zudem unabhängig.

Ist Keller überhaupt der richtige Mann für einen Neuanfang?

Bei allen Lobpreisungen und Komplimenten für den Spitzen-Winzer: Auch Fritz Keller war in den vergangenen Jahren Teil des Systems, wenn auch nur als Randfigur. Für die DFL, deren Aufsichtsrat er angehört, sitzt er im DFB-Vorstand. Den SC Freiburg führt er als sympathischen Bundesliga-Provinzclub auch schon seit fast einem Jahrzehnt. Als revolutionärer Querdenker ist Keller bislang nicht in Erscheinung getreten. Ein Näschen hatte er offenbar in der Causa Grindel. Bei dessen erster Wahl 2016 stimmte er nicht für den neuen Verbandschef. Ob er nun bereit ist, die richtigen und intern sicherlich auch unpopulären Veränderungen anzustoßen, bleibt abzuwarten.

Welche Kompetenzen wird Keller haben, den Verband wirklich zu reformieren?

Doch nur ein Grüß-August? Oder ein gestrenger Hüter über Moral und Finanzen? Noch ist nicht endgültig geklärt, welche Rolle der neue DFB-Chef im Detail ausüben wird. In jedem Fall ist das Profil eher repräsentativ und kontrollierend ausgelegt als bei den Vorgängern, die viel exekutive Macht hatten und sich in der Aufgabenfülle immer wieder verzettelten. Welche Funktion Keller in der DFB-GmbH übernimmt, wird Indikator seines Selbstverständnisses sein. Greift er dort aktiv in die operativen Abläufe um Direktor Oliver Bierhoff und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius ein oder wird er als Aufsichtsratschef die Geschäfte nur überwachen?

Wie kann der deutsche Fußball international sein Renommee zurückgewinnen?

Die deutschen Posten bei FIFA und UEFA sind erstmal verloren. Diese im kommenden März beim UEFA-Kongress in Amsterdam zurückzugewinnen, ist das erklärte Ziel. Dass Keller der Kandidat für internationale Aufgaben wird, ist derzeit unwahrscheinlich. Er soll sich auf die nationalen Aufgaben konzentrieren, sprich, eher beim Verbandstag in Mecklenburg punkten denn beim FIFA-Kongress in Addis Abeba. In Stellung bringt sich für die internationalen Ämter DFB-Vize Koch - trotz ungebrochener Skepsis bei den Topvertretern des Profifußballs.

Welche Folgen haben der Rauball-Abschied und die DFL-Strukturreform?

Durch die Keller-Präsentation gerät eine andere maßgebliche Personalie in den Hintergrund. Rauball (72) verabschiedet sich am Mittwoch als Ligapräsident. Der Posten wird in der Form nicht mehr besetzt, denn die DFL verpasst sich eine neue Struktur und macht Christian Seifert endgültig zum starken Mann. Als Vorsitzender der Geschäftsführung wird der 50-Jährige auch Sprecher des DFL-Präsidiums und hat als Mitglied des DFB-Vorstands in Summer mehr exekutive Macht als Keller. Rauball beschränkt sich auf seine Aufgabe als Präsident bei Borussia Dortmund. Der DFB verliert damit einen bewährten Krisenmanager der vergangenen Jahre.

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