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Dienstag, 15. Mai 2018 Drucken

FCK

Kaiserslautern: Einbußen nach FCK-Abstieg für Unternehmer

Von Claudia Schneider

Das waren noch Zeiten: Rudelgucken vorm Hannenfass beim Saisonfinale des 1. FC Kaiserslautern gegen Ingolstadt im Mai 2015. Die Fans hofften auf ein kleines Wunder, den Wiederaufstieg in die Erste Liga.

Das waren noch Zeiten: Rudelgucken vorm Hannenfass beim Saisonfinale des 1. FC Kaiserslautern gegen Ingolstadt im Mai 2015. Die Fans hofften auf ein kleines Wunder, den Wiederaufstieg in die Erste Liga. ( Foto: VIEW)

Für die Wirtschaft ging es schon nach dem Abstieg des 1. FCK in die Zweite Liga rasant bergab. Seitdem haben sich Taxibetriebe, der Handel, Hotels und auch die Gastronomie an Umsatzeinbußen gewöhnt. Die Talfahrt geht jetzt wohl weiter. Doch viele hoffen, dass der FCK schnell wieder aus der Dritten Liga hochkommt.

Für die Einkaufsstadt spielt der 1. FCK schon lange keine große Rolle mehr, sagt der Vorsitzende des Kaiserslauterer Einzelhandelsverbands, Matthias Pallmann. „Ich glaube nicht, dass das nach oben oder unten noch groß ausschlägt“, so der Unternehmer. Beim Umsatz bergab gegangen sei es, als der Park-and-Ride-Verkehr eingeführt wurde. „Da haben wir darum gebettelt, dass die Routen verändert werden, dass es Haltestopps in der Innenstadt gibt.“ Das habe die FCK-Führung aber strikt abgelehnt. In der Zweiten Liga hätten viele Kunden vor allem bei Problem-Spielen die Innenstadt sogar gezielt gemieden. „Das hat 2013 angefangen, als gewalttätige Fans aus Dresden Busse attackierten“, erinnert sich Pallmann. Was waren das noch Zeiten, als der 1. FCK erstklassig war. „Da ist an Samstagen die ganze Familie in Fanklamotten in die Stadt gekommen, das war ein Hochamt.“

Bierlust hält sich bei Niederlagen in Grenzen

Für Theo Tzounis, der seit dem Jahr 2004 das Hannenfass am St.-Martins-Platz betreibt, kam der große Einbruch beim Umsatz – „mindestens 50 Prozent weniger“ – mit dem Abstieg in die Zweite Liga. Wenn der Verein verloren habe, sei zuletzt spätestens zwei Stunden später für Fußballfans Schluss gewesen. Die Bierlust hielt sich in Grenzen. „Es gab ja nichts mehr zu feiern.“ Er befürchtet, dass jetzt noch weniger FCK-Anhänger kommen – „wir werden das spüren“. Festhalten wird er daran, Spiele live zu zeigen. „Der FCK muss direkt wieder aufsteigen, anders geht es gar nicht.“ Auswärtige Fußballgäste haben kaum noch eine Rolle gespielt, bilanziert Tzounis. „In der Ersten Liga war der Martinsplatz von Freitag bis Sonntag voll, vor allem wenn Klubs wie Dortmund, Bayern oder Gladbach da waren. Das ist lange her. “

 

Alf Schulz, langjähriger Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes und Inhaber des Bremerhofs, sagt: „Als wir in die Zweite Liga abgestiegen sind, ist ein Viertel der Übernachtungen weggebrochen.“ Das habe auch mit den Anstoßzeiten zu tun, die schwierig bleiben. „Bei Spielzeiten kurz nach Mittag fahren die Gäste der auswärtigen Mannschaften wieder heim. Wenn um 15.30 Uhr angepfiffen wird, reisen die Leute morgens an, bummeln, beleben abends die Gastronomie und übernachten.“ Davon hätten auch Hotels im Umland profitiert. „Wir können nur hoffen, dass die Fans dem Verein treu bleiben und trotzdem kommen.“ Weniger werde das Geschäft defintiv. Entscheidend sei, dass die Mannschaft in der neuen Klasse „direkt zündet“. Dann sei die Bereitschaft größer, die Fahne für den Traditionsclub hochzuhalten.

Vor allem schlecht fürs Image

Hanno Scherer, früher Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Rheinhessen-Pfalz und heute Chef des Citymanagements, will den Absturz der Roten Teufel nicht nur auf Umsatzeinbußen reduzieren. „Es ist vor allem ganz schlecht fürs Image“, klagt er. Selbst wenn Kaiserslautern mit wissenschaftlichen Erfolgen und dem guten Ruf der Hochschulen verknüpft werde, für den Fußball sei die Stadt in der ganzen Welt bekannt. „Wenn ich in Singapur im Taxi sitze und gefragt werde, wo ich herkomme, kennt man Kaiserslautern, die Fußballstadt. Es geht darum, Erwähnung zu finden, Bekanntheit zu erreichen, im Gespräch zu sein.“ So etwas schaffe Frequenz. „Die Gastronomie wird der Abstieg am härtesten treffen“, prophezeit er.

 

Für Gastronom Artur Stark, der das Twenty One betreibt, war der Fußball-Umsatz schon in der Zweiten Liga „nahezu bei Null“. Und das, obwohl er mit seinen früheren Lokalitäten wie Wieners speziell die 90er Jahre erfolgreich mitgestaltet hat. „Meisterschaften, Pokalsiege, internationale Spiele sowie Abstieg und Wiederaufstieg, wir waren immer dabei.“ Er hoffe jetzt auf eine wettbewerbsfähige Mannschaft und auf Fans, die sich mitnehmen lassen auf die Wiederaufstiegs-Mission, damit sich das Stadion „einigermaßen füllt“.

Einbruch für Taxifahrer

Profitiert hat lange Jahre das Taxi-Gewerbe. Heinz Altenkirch, seit 38 Jahren im Geschäft und mit 84 immer noch am Steuer, sagt: „Mit der Leistung der Mannschaft ist unser Geschäft eingebrochen.“ Früher ist er an Spieltagen drei Stunden vor Anpfiff nonstop gefahren. „Nachts ging es bis vier Uhr, FCK-Spieltage waren unser Hauptgeschäft, die Leute sind ausgegangen und wir haben sie nach Mannheim und Winnweiler gefahren.“ Das Tief sei mit der Zweiten Liga gekommen, „als statt 49.000 nur noch 22.000 Zuschauer kamen“. Das bestätigt Anna Wirrer-Ohlenschläger, Geschäftsführerin der Taxi-Zentrale KL GmbH. „Seit der FCK in der Zweiten Liga spielt, sind an Spieltagen längst nicht mehr all unsere 100 Autos im Einsatz, es reicht eine Telefonistin.“

 

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