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FCK

Interview mit Nikolai Riesenkampff: „Es ist unsere Mannschaft!“

Er tritt am Sonntag ab: Nikolai Riesenkampff.

Er tritt am Sonntag ab: Nikolai Riesenkampff. ( Foto: KUNZ)

Am Sonntag kandidiert der Aufsichtsratsvorsitzende Nikolai Riesenkampff bei der Jahreshauptversammlung des 1. FC Kaiserslautern nicht mehr.

Herr Riesenkampff, am Sonntag bei der Jahreshauptversammlung des FCK kandidieren Sie nicht mehr für den Aufsichtsrat. Warum?

Ich hatte mir für meine Amtszeit bestimmte Ziele gesetzt. Ich wollte helfen, den FCK wirtschaftlich und sportlich weiter zu entwickeln. Das haben wir nicht geschafft! Wir sind aktuell Tabellenletzter der Zweiten Liga. Wir haben unsere sportlichen Ziele verfehlt. Daher stehen wir und ich auch in der Kritik. Ich bin aber niemand, der vor Verantwortung wegläuft! Wenn ich die Überzeugung hätte, dass es dem Verein gut tut, wäre ich auch noch einmal angetreten, weil ich es gerne gemacht habe. Ich möchte den Weg nun aber zum Wohle des Vereins freimachen, um einem neuen Aufsichtsrat die Chance zu geben, die gesteckten Ziele zu erreichen und den Abstiegskampf erfolgreich zu bestreiten.

 

Sie sind angetreten mit dem Versprechen, dem FCK durch Ihre bundesweiten und internationalen Kontakte neue, finanzstarke Partner zu erschließen, weil die Pfalz sponsorenmäßig nicht mehr hergebe. Daraus wurde nichts. Haben Sie den Mund zu voll genommen?

Ich habe das gemacht, was ich vor drei Jahren angekündigt habe. Ich hab’ eine Liste erstellt, Kontakte hergestellt, auch selbst Gespräche geführt, sowohl was Sponsoring angeht, aber auch mit möglichen Investoren. Ich habe das jedoch etwas anders eingeschätzt, bin auf dem Boden der Tatsachen angekommen und musste einsehen, dass es schwerer ist als ich dachte, überregionale Partner auf den Betzenberg zu bekommen. Es ist mir nicht gelungen, starke internationale Partner zu finden, so wie es damals mit Paysafecard geklappt hatte. Als ich vor drei Jahren in den Aufsichtsrat gewählt wurde, spielten wir aber auch noch um den Aufstieg. Wären wir in die Bundesliga gekommen, wäre die Vermarktung leichter gefallen. Wir spielten dann nur gegen den Abstieg, hatten Misserfolg, dadurch auch eine schlechte Presse.

 

Sie sind bei den Wahlen durchgestartet, haben Fans und Mitgliedern die Bundesliga versprochen – nun kämpft der FCK gegen den Abstieg in die Dritte Liga. Sind Sie gescheitert?

Gescheitert ist nicht das richtige Wort. Ich musste mir selbst nichts beweisen, denn ich weiß, was ich in meinem Leben erreicht habe, was ich auch geschäftlich geleistet habe. Ich bin aber sehr enttäuscht und es tut mir sehr leid für die Fans und den FCK, meinen Verein, dass wir es als Aufsichtsrat nicht geschafft haben, den Verein voran zu bringen. Es geht ja nicht um mich, es geht um die Fans, den FCK und die Pfalz.

 

Sie wollten nach der Ära Kuntz für Kontinuität sorgen – daraus wurde das genaue Gegenteil. Warum? Der FCK ist Letzter! Mit einem Etat von 10,5 Millionen muss man unter die ersten Zehn kommen, oder?

Die Besetzung im sportlichen Bereich mit Uwe Stöver hat am Ende für den Verein nicht funktioniert. Intern war es unser Anspruch, nicht nur einen einstelligen Tabellenplatz zu belegen, sondern Sechster zu werden, um in der TV-Tabelle nicht weiter zurückzufallen und das Darlehen zu refinanzieren. Deshalb haben wir Uwe Stöver intern durchaus kritische Fragen gestellt als es nicht lief. Ich bedaure sehr, dass zweimal vertrauliche Gespräche nach außen getragen wurden. Das war in der Frage, ob wir Stöver Mathias Abel als Sportvorstand zur Seite stellen. Da wurden alle beschädigt: der Verein, Uwe Stöver und Mathias Abel. Und das war auch so, als wir im Aufsichtsrat über Hans-Peter Briegel diskutierten und jemand öffentlich machte, dass es im Verein unterschiedliche Meinungen zu seiner Person gab. Ich stehe aber absolut dazu, dass wir intern diese Diskussionen geführt haben, das gehört zur Meinungsbildung dazu. Wir waren dann im Sommer sehr aktiv, haben mit vielen sehr guten Kandidaten für den Sportvorstand gesprochen, die dann alle abgesagt haben. Sie wussten, der Etat ist kaum höher als zehn Millionen, wir hatten wieder Plätze in der TV-Tabelle verloren, Unruhe im Verein und Interna wurden nach außen getragen. Das schreckte manchen ab. Dann haben wir Boris Notzon, der als Scout gute Arbeit geleistet hat, kommissarisch die Verantwortung übertragen. Wir waren und wir sind fest der Überzeugung, dass er einen guten Job gemacht hat und der richtige Mann ist, auch wenn der Kader, den er – zum Teil auch noch mit Uwe Stöver – zusammengestellt hat, das bisher zu selten auf den Platz gebracht hat.

 

Haben Sie mit Thomas Gries, der einräumt mit der Führung im sportlichen Bereich überfordert zu sein, und Finanzchef Michael Klatt auf die richtigen Köpfe als Vorstände gesetzt?

Ja, ich bin überzeugt dass beide Vorstände in ihren Bereichen gute Arbeit leisten. Allerdings müssen wir uns bei der Vermarktung gerade jetzt in schwierigen Zeiten und bei der Außendarstellung noch verbessern.

 

Was erwarten Sie von der JHV?

Das allergrößte Ziel ist es jetzt, den Abstieg zu vermeiden. Ich appelliere an alle unsere Spieler, sich jeden Tag bis zum 34. Spieltag den Arsch für den Verein aufzureißen! Ich appelliere an die Fans und Mitglieder, an die Region und die Stadt, diese Mannschaft und diesen Trainer zu unterstützen. Es ist unsere Mannschaft. Diese Mannschaft, mit vielleicht der ein oder anderen Verstärkung im Winter, muss es schaffen. Und von Jeff Strasser als Trainer bin ich überzeugt. Er lebt die nötige Leidenschaft vor. Man sieht auch, wie er selbst leidet, weil ihm der Verein sehr wichtig ist. Von der JHV erwarte ich – bei aller Emotion, die zu einem Fußballverein dazugehört – eine konstruktive und sachliche Diskussion. Ich hoffe, dass die Mitglieder die richtigen Personen in die Gremien wählen. Der Aufsichtsrat braucht kompetente Mitglieder.

 

Wie werden Sie den FCK fortan wahrnehmen? Berlin ist weit …

Da war ich in meinem Leben schon viel weiter weg … Ich bin lebenslanges Mitglied – ich bleibe mit absoluter Leidenschaft dabei! Ich bin absoluter Fan! Das habe ich vor genau drei Jahren gesagt: Lautern ist der geilste Klub der Welt! | Interview: Horst Konzok

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