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Mittwoch, 13. März 2019 Drucken

FCK

Herz und Verstand spielen Doppelpass

Von Horst Konzok

Auf dem Betze eine Institution: Stadionsprecher Horst Schömbs.

Auf dem Betze eine Institution: Stadionsprecher Horst Schömbs. ( Foto: KUNZ)

Betze-Geflüster: Horst Schömbs ist seit 25 Jahren die Stimme des FCK – Ein Idealist mit dem Bewusstsein für Gegenwart und Zukunft.

Er trat ein schweres Erbe an: Horst Schömbs, heute 62, folgte am 12. März 1994 als Stadionsprecher auf Udo Scholz. Der war Kult. Eine Marke. Ein Original. Scholz, der im April 80 wird, ist noch heute aktiv – als Hallensprecher bei den Adler Mannheim.

Gestern feierte Schömbs Jubiläum – 25 Jahre Stadionsprecher auf dem Betze, die Stimme des FCK. Schömbs ist eine Institution. Er ist ein Typ mit seinem eigenen Stil, angelehnt an sein Vorbild Hans-Gerhard König. Der war 35 Jahre Stadionsprecher des 1. FC Köln. 2003 ist König, der Gentleman am Mikro, 74-jährig gestorben.

Schömbs steht für Herz und Sachlichkeit, für Emotion und Fachverstand. Schömbs liebt den Fußball, sein Fußballer-Herz gehört dem FCK. Heute Abend ist der 62-Jährige wieder am Mikrofon. Er lebt seine Rituale, wenn er beim Warmmachen die Torwart-Ikone Gerry Ehrmann begrüßt, Wolfgang Hesl, den Ersatz-Torwart, als „zweite Nummer 1“ willkommen heißt, wenn er sich vor den Rolli-Fahrern im Süden des Stadions verneigt, wenn er, der Fan der Fans, die Besetzung „in Lauterns berühmtester Kurve willkommen heißt“. Fairness und Besonnenheit zeichnen ihn bei allem Fan sein aus. Akribisch bereitet er sich vor, um auch ja jeden Zungenbrecher-Spielernamen des Gastvereins perfekt auszusprechen.

Schömbs kommt aus Ingelheim, er war bis zu Pensionierung Bankdirektor in Mainz – aber der FCK ist seine Heimat. Sein Hobby. Seine Leidenschaft. „Bei Niederlagen leide ich wie ein Hund. Früher habe ich drei Tage gebraucht, um mich davon zu erholen – heute geht es etwas schneller“, sagt Schömbs, der die Weltmeister von 1954 verehrte. Er erinnert sich gerne an seine Gespräche mit Ottmar Walter – es war stets ein tiefgreifender Gedankenaustausch. „Schön, dass Horst Eckel noch immer zu den Spielen kommt“, sagt Schömbs, der auch eine soziale Ader hat. Bei Benefizspielen ist er nicht selten am Start – „fer umme“ versteht sich. So moderierte er auch die Benefizspiele der RHEINPFALZ 2014 in Rockenhausen für die Opfer der Überschwemmung, 2015 in Oppau für die Geschädigten der Gasexplosion und für „Mama/Papa hat Krebs“ 2017 jeweils zum Nulltarif. „Das mache ich gerne – selbstverständlich“, sagte Schömbs.

Er ist nah dran an der Mannschaft der Roten Teufel. Vor dem Heimspiel gegen den FSV Zwickau machte er Florian Pick Mut. „Heute machst du dein Tor.“ Pick strahlte – und wollte zu Schömbs rennen, wenn es klappt. Es klappte nicht. Am Sonntag traf Tausendsassa Pick – ein wunderschönes Tor zum 4:1 gegen Jena, das er an der Eckfahne mit den Kollegen enthusiastisch feierte. „Endlich, endlich getroffen, ich hab’ so lange drauf gewartet“, sagte der 23-Jährige hernach in den Stadion-Katakomben. „Florian kam nach dem Spiel zu mir und sagte, dass er so glücklich war, das Tor geschossen zu haben und alles weitere vergessen hat ... Alles gut! Hauptsache er und wir hatten ein Erfolgserlebnis“, sagte Schömbs schmunzelnd.

Florian Pick – nach drei Jahren in der Schalker Knappenschmiede kehrte er 2016 zum FCK zurück, nahm einen neuen Anlauf in der zweiten Mannschaft. Norbert Meier holte ihn in der Rückrunde 2016/17 zu den Profis – Pick blieb als Backup für Phillipp Mwene ohne Einsatz. 2017/18 spielte der Außenstürmer auf Leihbasis beim 1. FC Magdeburg, war in der Rückrunde Stammspieler und hatte so auch eine Aktie am Zweitliga-Aufstieg. Seit letzten Sommer zählt „Picki“ zum Lauterer Profikader. Ein Ritt zwischen Genie und Wahnsinn – zu oft fehlte dem 23-Jährigen die Effektivität. „Wenn man ihm die Dribblings verbietet, nimmt man ihm seine Stärke“, sagt Trainer Sascha Hildmann. Gegen Jena kam Pick als Joker – der Trainer zog mit ihm ein Ass.

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