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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

FCK

Fritz Walters Erbe unter dem Hammer

Die Alsenborner Familie Lutzi will Gegenstände aus dem Nachlass der Legende versteigern lassen

Von Andreas Sebald & Oliver Sperk

Freude pur – nach dem WM-Triumph zurück in Kaiserslautern.

Freude pur – nach dem WM-Triumph zurück in Kaiserslautern. (Foto: Keystone)

Fritz Walter, nachdem er den WM-Pokal 1954 bekommen hat.

Fritz Walter, nachdem er den WM-Pokal 1954 bekommen hat. (Foto: Kunz)

Die Aufregung ist groß: Teile des Nachlasses des am 17. Juni 2002 gestorbenen Fritz Walter sollen versteigert werden. Um einige fußballhistorisch wertvolle Dinge daraus zu erwerben und dann für die Öffentlichkeit zu bewahren, haben Fans des 1. FC Kaiserslautern via Internet eine Sammlung – eine Crowdfunding-Aktion – gestartet.

Im Heidelberger Auktionshaus „Kunst & Kuriosa“ will die Familie Lutzi, der der Weltmeister-Kapitän von 1954 und Ehrenspielführer der Nationalmannschaft und des FCK sein Haus vermacht hat, etwa 1000 Stücke am 16. Februar versteigern lassen. Die Nachricht hat Aufsehen erregt, nicht nur bei den Anhängern des FCK, dessen Geschichte Fritz Walter als Sportler und Mensch geprägt hat. Michael Desch, Geschäftsführer der Fritz-Walter-Stiftung, hofft, dass „um die Person Fritz Walter nicht noch mehr Porzellan zerschlagen wird“. Das wird passieren, wenn Erinnerungsstücke an einen der größten deutschen Fußballer unter den Hammer kommen.

„Wir wollen, dass die schönen, die wichtigen Stücke für die fußballbegeisterte Öffentlichkeit erhalten werden und nicht in irgendeinem privaten Keller verschwinden“, sagte Frieder Mathis, mit seinem Fankollegen Dominik Lehmkuhl Initiator des Crowdfundings. Ihr Plan ist es, wenn es so weit kommt, mit dem gesammelten Geld notfalls beim Auktionstermin einzelne Stücke aus dem Nachlass zu ersteigern und sie dann dem FCK-Museum zuzuführen.

Der FCK selbst hatte nach Auskunft von Pressesprecher Stefan Roßkopf, der auch für das Museum zuständig ist, seit 2011 einen Nutzungsvertrag mit der Familie Lutzi über diverse Stücke fürs Vereinsmuseum. Der Vertrag ist im Sommer 2018 von den Lutzis gekündigt worden. Dem Verein ist, wie später dem Deutschen Fußball-Bund, der komplette bewegliche Nachlass von den Lutzis angeboten worden. Nach einigen Verhandlungen hat die Familie immer noch pauschal 200.000 Euro haben wollen.

Die Lutzis bestätigten im Gespräch mit der RHEINPFALZ die Summe von 200.000 Euro. Der Wert sei, so Marco Lutzi, der Sohn des mit den Walters befreundeten Ehepaars Lutzi, von Sachverständigen geschätzt worden. Das Haus indes wollen die Lutzis, das betonte die Familie explizit, keinesfalls veräußern, sei es doch Fritz Walters „ein und alles“ gewesen. Einen sportlichen Nachlass Fritz Walters habe es aus ihrer Sicht anfangs gar nicht gegeben. Bernd Lutzi habe, sagt er, nach Walters Tod Urkunden und Nadeln gesichtet und geordnet. Die Lutzis haben bis 2017 im Haus Walters, das sie auch bewohnen, ein Museum unterhalten, dessen Betrieb sie aus gesundheitlichen Gründen aufgaben.

Sowohl mit dem DFB als auch mit dem finanziell angeschlagenen FCK gab es keine Einigung über das Gesamtpaket, zu dem auch Haushaltsgegenstände wie Trinkgläser mit FCK-Wappen gehören. „Wir haben alles probiert, aber wir hatten keine Möglichkeit, die aufgerufene Summe für das Gesamtpaket zu stemmen“, sagte Roßkopf. Für einzelne wichtige Stücke aber haben der Verein und die Lutzis einen neuen Leihvertrag abgeschlossen: Sie stehen auch weiter – nun unentgeltlich – im FCK-Museum, etwa Fritz Walters Schreibtisch, sein Koffer, den er bei der WM 1954 dabeihatte, und sein Bundesverdienstkreuz.

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