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2. Bundesliga

Nachfolger gesucht

Frings' frostiger Abschied beim SV Darmstadt 98

Torsten Frings

Musste nach elf Spielen ohne Sieg den Trainerstuhl bei Darmstadt 98 räumen: Torsten Frings. Foto: Sebastian Kahnert

Als Profi war Torsten Frings mit 79 Länderspielen eine echte Größe. Als Trainer ist der frühere Spieler von Werder Bremen, Borussia Dortmund und Bayern München jetzt erst einmal arbeitslos.

Darmstadt (dpa) - Torsten Frings ist bei seiner ersten Station als Cheftrainer gescheitert und beim SV Darmstadt 98 entgegen allen Zuspruchs doch beurlaubt worden. Der Vize-Weltmeister von 2002 musste nach dem Absturz des Bundesliga-Absteigers in der 2. Liga trotz eines Vertrags bis 2020 gehen.

«Nach intensiver Analyse der aktuellen sportlichen Entwicklung sind wir zu der Auffassung gelangt, diesen schmerzhaften Schritt vollziehen zu müssen», sagte «Lilien»-Präsident Rüdiger Fritsch.

Keine Woche zuvor hatte der Vereinsboss dem 41-jährigen Frings noch den Rücken gestärkt mit den Worten: «Wir können da nicht jedes Spiel hin und herhüpfen. Die Entscheidung ist, dass wir mit unserem Trainerteam weiterarbeiten.» Beim 0:1 am Freitagabend im Kellerduell in Aue boten die nun seit elf Spielen sieglosen Darmstädter jedoch eine desolate Leistung und hängen weiter auf dem Relationsplatz fest.

Der neue Trainer soll eine langfristige Lösung werden. Erste Gerüchte bringen die «Lilien» bereits mit ihrem langjährigen Erfolgscoach Dirk Schuster in Verbindung. Der 49-Jährige sagte am Sonntag kurzfristig seinen Auftritt in der TV-Sendung «Doppelpass» von Sport1 ab. Am Freitagabend hatte er die Darmstädter Leistung in Aue noch als Experte des Senders Sky schonungslos analysiert. Von fehlender Tiefenstaffelung und mangelnder Organisation sprach Schuster da.

Der Ex-Profi hatte den Verein einst von der 3. in die 1. Liga geführt. Jetzt droht den Südhessen der direkte Weg zurück. Auf schneebedecktem Boden im Erzgebirgsstadion waren die einst für ihre Leidenschaft bekannten «Lilien» erneut kaum wiederzuerkennen. So hilflos wie auf dem Platz wirkten die Profis auch bei ihren Erklärungsversuchen in der Krise. «Wir versuchen zu kämpfen, aber irgendwo reicht's gerade nicht», sagte Tobias Kempe.

Frings verfolgte die lausige Darbietung fröstelnd auf der Bank und maulte hinterher: «Das war einfach zu wenig, wie kampflos und herzlos wir uns präsentieren. Das hat mit Profifußball nichts zu tun.» Im Übrigen, erklärte er noch, müssten Herz, Kampf, Charakter und Leidenschaft aus der Mannschaft kommen: «Das sind Eigenschaften, die ein Trainer nur sehr schwer vermitteln kann.» Der Ex-Nationalspieler sprach da noch von einer «Riesen-Rückendeckung» im Verein, räumte aber ein: «Ich weiß natürlich auch, dass das nicht unendlich ist.»

Frings hatte am 27. Dezember letzten Jahres Darmstadt als Nachfolger von Norbert Meier übernommen, den Abstieg aus dem Oberhaus aber nicht verhindern können. Der einstige Mittelfeld-Abräumer schaffte es danach nicht, rund um Altstars wie Hamit Altintop und Weltmeister Kevin Großkreutz eine funktionierende Mannschaft aufzubauen. Der Saisonstart mit zehn Punkten aus vier Spielen täuschte darüber hinweg, deshalb hatte die Vereinsführung im September auch den Vertrag mit Frings um zwei Jahre bis 2020 verlängert.

Nach der siebten Saisonniederlage und der Trennung von dem langjährigen Bremer Profi beteuerte Fritsch nun: «Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, weil wir Torsten Frings fachlich und menschlich außerordentlich schätzen.» Der Präsident gerät immer mehr selbst in die Kritik. Zuvor hatte er schon mit Meier und Holger Fach als Sportdirektor kein gutes Händchen.

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