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Donnerstag, 01. August 2019 Drucken

FCK

FCK: Erweckungserlebnis ohne Tor

Von Andreas Böhm

Der Schutzpatron: An José-Junior Matuwila gab es kein Vorbeikommen. Auch den Spielaufbau beherrscht er. Links Ingolstadts Stefan Kutschke.

Der Schutzpatron: An José-Junior Matuwila gab es kein Vorbeikommen. Auch den Spielaufbau beherrscht er. Links Ingolstadts Stefan Kutschke. ( Foto: KUNZ)

Der 1. FC Kaiserslautern kommt gegen den FC Ingolstadt in einem außergewöhnlichen Drittliga-Spiel zwar „nur“ zu einem Remis, überzeugt aber auf fast ganzer Linie. Zur Urtugend Kampf gesellt sich Spielwitz. Das Publikum fühlt sich erinnert. Und spendet donnernden Applaus.

Der Mann des Abends kam als Letzter vom Rasen, und wer José-Junior Matuwila sah, wie er da mit seinem Nachwuchs auf dem Arm in die Kabine schlurfte, der musste den Eindruck gewinnen, dass dieser so sanftmütig wirkende Mann keiner Mücke etwas anhaben kann. Privat mag das auch so sein, auf dem Spielfeld allerdings ist der 27-Jährige ein Krieger. Beim 0:0 gegen den FC Ingolstadt am Dienstag verteidigte Matuwila in der Zentrale exzellent, es gab an ihm kein Vorbeikommen. Schon seine Körpersprache verursacht beim Gegner Bammel in der Buchse. Es könnte fortan wieder äußerst unangenehm werden, gegen die Roten Teufel zu spielen, zumal in Kaiserslautern. Dass Matuwila überdies den Spielaufbau beherrscht, ist eine willkommene Dreingabe. Und dass mit Janik Bachmann ein ähnlicher Typus im Mittelfeld kickt, macht die Sache für die Konkurrenz nicht besser.

Auf der folgenden RHEINPFALZ-Seite findet Ihr alle Informationen zum 1. FC Kaiserslautern.

Torwart Lennart Grill verspürt ob solch eines Schutzpatrons wie Matuwila große Sicherheit in seinem Gehäuse. Mit ihm vor der Nase sei es relativ einfach, sagt Grill, er habe eine „Riesenmentalität“ und räume derart viele Gefahrenmomente aus, dass er selbst gar nicht mehr so oft eingreifen müsse. Auch Kapitän Christoph Hemlein, gleichermaßen eine Emotionsbrumme, freut sich über den aus Cottbus transferierten Mitspieler, der auf den Betzenberg passt wie ein Schorle ins Dubbeglas: „Wenn man das Herz am rechten Fleck hat, wird man Erfolg haben im Leben.“ Hemlein selbst ist kaum wiederzuerkennen, es scheint, als gebe ihm die Kapitänsbinde Kraft und Überzeugung. Der Zeitpunkt für ein erstes Zwischenfazit ist nach drei Spieltagen längst nicht gekommen, gleichwohl hat Hemlein recht, wenn er „seiner“ Elf eine Weiterentwicklung attestiert. Der FCK verkörperte nicht mehr nur die Pfälzer Urtugend Kampf, er spielte bisweilen auch einen gewitzten Ball. Kurz: Das Publikum wurde vorzüglich unterhalten, es bedachte die Mannschaft nach 90 Minuten mit donnerndem Applaus. „Das muss unser Anspruch sein. Denn wir wissen, was das hier für eine Kraft entwickeln kann“, sagt Hemlein.

Betzenberg vibriert

Kleinigkeiten fehlten. Der letzte Pass. Kaltschnäuzigkeit bei größten Chancen. Das Glück hat der FCK sich auf jeden Fall erzwungen, es gebührte dem Tüchtigen, als Ingolstadts Maximilian Beister die Latte traf. Was darüber hinaus auf das Lauterer Tor flog, fischte Lennart Grill aus den Lüften. Nur einmal benötigte er Fortunas Beistand. Zu Beginn des zweiten Abschnitts nahm er den Ball außerhalb des Strafraums ohne Not in die Hand. Da er keine klare Torchance vereitelte, sah er die Gelbe Karte. So konnte Grill nach dem Schlusspfiff ruhigen Gewissens blödeln („Ich denke auch jetzt noch, dass ich im Strafraum stand …“) und zufrieden konstatieren: „Die Art und Weise, wie wir in die Zweikämpfe gehen, die Mentalität, aber auch wie wir Fußball spielen und uns Chancen erarbeiten, so bekommst du die Leute relativ leicht auf deine Seite. Und wenn du die Fans auf deiner Seite hast, dann ist hier einiges möglich.“

Der Betzenberg vibrierte wieder. Es hätte nicht verwundert, wäre in der vierten Minute der Nachspielzeit doch noch das entscheidende Tor für den FCK gefallen. Wie in der guten alten Zeit. Sascha Hildmann hatte solch ein Erweckungserlebnis herbeigesehnt, das betonte er nach dem Spiel mehrfach. Es sollte nicht sein. Doch was nicht ist, kann noch werden. Mit dieser Leistung sowieso.

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