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Donnerstag, 09. August 2018 Drucken

FCK

Ein Denkmal für „König Otto“

Von Horst Konzok

Otto Rehhagel – ein Leben mit viel Fußball.

Otto Rehhagel – ein Leben mit viel Fußball. ( Foto: KUNZ)

Dem Fußball verdankt Otto Rehhagel seinen Wohlstand. Der Fan verdankt ihm wunderbare Stunden. Fußball der Marke Rehhagel war speziell zu seinen Bremer Trainertagen erstklassige Unterhaltung. Mit dem FCK schrieb Rehhagel Fußballgeschichte. Heute wird die Trainer-Legende 80. Eine Würdigung.

Interviews? 30 Minuten TV-Dokumentation? „80 Jahre Otto Rehhagel passen nicht in 30 Minuten …“, sagt die Trainer-Ikone und lehnt lachend ab. Fürwahr: Leben und Wirken des gelernten Malers könnten Bücher füllen. Heute wird der Erfolgstrainer 80.

Motivationskünstler mit Elefantengedächtnis

 

Der Kreis hat sich geschlossen. Mit seiner Beate – „Vertraute, Geliebte und Ehefrau“, wie er gerne sagt – lebt er wieder in Essen, seiner Geburtsstadt. Bei TuS Helene Essen und Rot-Weiß, wo er ab und an vorbei schaut, begann er mit dem Fußball. „Ich bin ein Kind der Bundesliga“, sagt der „Eisenfuß“ von einst, wenn er seine Karriere beschreibt: Hertha BSC, 1. FC Kaiserslautern – 201 Bundesligaspiele, 22 Tore. Bei Hertha begann 1963 die Profilaufbahn Rehhagels, bei Hertha endete 2012 auch seine Trainerkarriere – mit dem Abstieg aus der Bundesliga. In der Relegation verlor der als Nothelfer eingesprungene Rehhagel mit Hertha BSC gegen Fortuna Düsseldorf. Die Mission war gescheitert. Als „Feuerwehrmann“ hatte die Karriere nach der Karriere begonnen: Zu seiner Zeit als FCK-Profi übernahm er in der damaligen Bezirksliga Westpfalz das abgeschlagene Schlusslicht FV Rockenhausen, holte mit der Mannschaft 22:4 Punkte. Seiner Liebe zu Cafés frönte er schon damals: Im „Bossong“ in Rockenhausen saß er gerne, dort hielt er seine Spielersitzungen ab. Zeitzeugen schwärmen von seinen Motivationskünsten. Der Mann mit dem Elefantengedächtnis, einer, der verzeihen, aber nicht vergessen kann, könnte die Aufstellung wohl noch heute runterbeten.

Gefeiert und gefeuert

 

Rehhagels erste Trainerjahre - lehrreich und wild: 1. FC Saarbrücken, Kickers Offenbach, Werder Bremen, Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld, Fortuna Düsseldorf, damals meist Patienten auf der Intensivstation. Rehhagel wurde gefeiert und gefeuert. 1981 begannen seine goldenen Jahre. Aus dem „Feuerwehrmann“ wurde der Dauerbrenner: In seinen 14 Jahren machte der Trainer aus dem Allerweltsklub Werder Bremen eine Marke mit europaweiter Strahlkraft. Er verstärkte Werder mit Altstars wie Fichtel, Kostedde und Burgsmüller, er brachte Völler, Basler und Riedle groß raus. Dem Lockruf der Bayern konnte der „König“ dann aber doch nicht widerstehen, verkannte aber, dass es dort noch einen „Kaiser“ mit machthungrigem Gefolge gab. Am 27. April 1996 wurde Rehhagel gefeuert. „Die haben mir einen Titel gestohlen“, grollte er, sah sich von Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß demontiert, obwohl er die Mannschaft über Barcelona ins Uefa-Cup-Finale geführt hatte. Drei Monate später übernahm er den aus der Bundesliga abgestiegenen FCK – und schrieb Geschichte. „Das wird einmalig bleiben, ein Neuling als Meister“, schwärmt Rehhagel vom sensationellen Titelgewinn 1998. Die Siegesserie begann mit einem 1:0-Sieg gegen die Bayern im Olympiastadion. Welch eine Genugtuung! „Kein Trainer hat öfter gegen die Bayern gewonnen als ich“, sagt Rehhagel stolz. Zwei Jahre nach dem Meisterstück mit dem FCK trat „König Otto“ ab. Er sah die Pfiffe der Fans als Misstrauensvotum. Der Glanz war verblasst. Verein und auch der Trainer hatten die Bodenhaftung verloren, der Mannschaft große Namen einverleibt, ihr aber die Identifikation geraubt. Bitter: Als Rehhagel im Herbst 1998 die Chance hatte, Berti Vogts als Bundestrainer nachzufolgen, sagte er ab. Er mochte seinen Vertrag beim FCK nicht brechen. Den Traum, Nationaltrainer zu werden, erfüllte sich für Rehhagel in Griechenland – 2004 wurde „Rehakles“ sensationell Europameister.

Wegen seiner Menschlichkeit gerühmt 

 

20 Jahre nach dem Meistercoup mit dem FCK ist das unschöne Ende vergessen. Am 8. September (15 Uhr) kehren die Helden von damals zurück auf den Betze, tragen ein Benefizspiel gegen eine Mannschaft deutscher Fußballlegenden aus. „Ich freue mich, die Jungs alle zusammen wiederzusehen“, sagt Rehhagel, der mit dieser Mannschaft Fußballgeschichte schrieb. Die Mehrzahl der Profis, die er trainierte, rühmt noch heute seine Menschlichkeit. „Ich kritisiere Sie nur als Spieler, nicht als Mensch“, pflegte er zu sagen. Otto Rehhagel, der Theaterfreund, der so gerne große Dichter zitiert und sehr belesen ist, blickt auf eine große Karriere zurück: Europameister 2004, Europapokalsieger der Pokalsieger mit Werder 1992, 1988 und 1993 Meister mit Werder, 1998 Meister mit dem FCK, DFB-Pokalsieger 1980 mit Fortuna Düsseldorf, 1991 und 1994 mit den Bremern. Voller Stolz spricht er über Sohn Jens, einen promovierten Sportwissenschaftler.

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