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Montag, 10. September 2018 Drucken

FCK

Aufsteiger und Meister: „Das hat bis heute keiner geschafft“

Von Maria Huber

und Oliver Sperk

Duell der Trainerlegenden: Otto Rehhagel und Berti Vogts (links).

Duell der Trainerlegenden: Otto Rehhagel und Berti Vogts (links). ( Foto: KUNZ)

Stratege: Ciriaco Sforza.

Stratege: Ciriaco Sforza. ( Foto: KUNZ)

Fussball: Die FCK-Meisterspieler von 1998 genießen einen tollen Spätsommertag auf dem Betzenberg. Die Bayern-Bezwinger tauschen fleißig Erinnerungen aus.

«KAISERSLAUTERN.» Otto Rehhagel genoss das Wiedersehen. Der 80-Jährige betreute am Samstag vor 10.934 Zuschauern bei der „Heimkehr der Helden – 20 Jahre das Wunder vom Betze“ seine Mannschaft von 1998, die damals als erster und bisher einziger Aufsteiger deutscher Fußballmeister wurde. Dass das Nostalgie-Team des 1. FC Kaiserslautern einer Auswahl an Ex-Nationalspielern, den Deutschen Fußball-Legenden, 5:10 (3:5) unterlag, war selbst für eingefleischte FCK-Fans reine Nebensache. Auch für Rehhagel, trotz seines Ehrgeizes. Als der zur Legende gewordene Trainer den Rasen des Fritz-Walter-Stadions betrat, erinnerte er sich an die Zeit, als er selbst auf dem Betzenberg gespielt hatte und freute sich über den Austausch mit seinen „Jungs“: „Wir treffen uns schließlich nicht alle Tage.“ In Gedanken war er gleich wieder bei den alten Zeiten, in denen der FCK die Bayern geärgert und die Sensation geschafft hat.

Die Nase hat geblutet

 

Auch dank des Torjägers. „Olaf Marschall, Fußballgott“, schallte es immer wieder durchs Stadion. Für den 52-Jährigen war vieles wie früher, aber nicht alles. „Die Bewegungen sind da, aber das Laufen tut weh. Schon schlimm, wenn der Kopf mitmacht, aber die Füße nicht mehr.“ Schnell schob er aber hinterher, dass er es genossen habe, im Stadion zu spielen: „Es ist fast 20 Jahre her, dass ich da das letzte Mal auf dem Rasen war.“ In der 76. Minute wurde er niedergestreckt, wurde auf dem Spielfeld behandelt, stand auf und kämpfte weiter. Er nahm es locker: „Die Nase hat geblutet. Jetzt geht’s aber wieder.“ Ihm ging es eher darum, dass die Zuschauer ihren Spaß hatten. „Sie haben ein paar Tore gesehen.“ Er freute sich, auch die Kollegen wiederzusehen, die nicht in der Region geblieben sind.

 

Auch Ex-Mittelfeld-Kämpfer Marian Hristov (45) saugte die Atmosphäre auf, freute sich über das große Wiedersehen. Er war aber ein bisschen enttäuscht über die Kulisse. „Am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison waren 40.000 da, heute nur 10.000. Unsere Fans haben immer hinter unserer Mannschaft gestanden. Wahrscheinlich sind 20 Jahre eine zu lange Zeit. Es hat sich vieles verändert, es sind nicht mehr alle da, die früher zum FCK gegangen sind.“

Hristovs Sohn studiert in Kaiserslautern

 

Defensivmann Oliver Schäfer (49), zwischenzeitlich Interimstrainer der FCK-Profis und nun Sportlicher Leiter Jugend und U19-Trainer beim 1. FC Saarbrücken, musste am Samstag unter anderem gegen David Odonkor ran (34), packte schon mal eine Grätsche aus, was ihm Jubel aus der Westkurve einbrachte. „Ich bin es gewohnt, dass ich die kriege, die keiner haben will“, witzelte er über die knifflige Aufgabe. Und widmete sich dem Plausch mit den Kollegen. Er erfuhr so einiges, zum Beispiel: „Ich habe von Marian Hristov gerade gehört, dass sein Sohn in Kaiserslautern studiert.“

 

Mittelfeldspieler Thomas Riedl organisierte erst mal ein unterschriebenes Trikot für die Fans. Er genoss die Atmosphäre und ließ auch die Frotzeleien über sich ergehen, dass er mit 42 noch einer der Jüngeren war. „Irgendwie war der Platz heute größer als damals“, scherzte er.

Riedl mit Resonanz zufrieden

 

Riedl war, anders als Hristov, mit der Resonanz zufrieden. „10.000 Leute kommen nur wegen uns. Ich freue mich über jeden, der da war.“

 

Auch für Ciriaco Sforza (48), den großen Strategen von einst, „König Ottos spiritus rector“, war es etwas ganz Besonderes, diesen Tag mit seinen einstigen Mitspielern zu verbringen. „Was wir damals geschafft haben, hat bis heute keiner geschafft, als Aufsteiger deutscher Meister zu werden“, sagte Sforza, der mit seiner Frau und den vier Kindern in Zürich lebt. Er genießt gerade die Zeit mit der Familie in vollen Zügen. Und schaut sich „ohne Druck“ im Fußball um. Ein neuer Trainerjob? „Das muss dann auch wirklich passen“, sagte Sforza.

Die Fans, das Herz des FCK

Frank Greiner ist heute Jugendtrainer beim VfL Wolfsburg. Auch ihm gefiel der Samstag sichtlich: „Die Begeisterung der Fans war immer das Herz des FCK“, sagte der 52-Jährige. „Damals hatten die Gegner Angst, hierherzufahren.“ 

 

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