1. FC Kaiserslautern Jürgen Friedrich: Vom FCK-Vorzeigepräsidenten zur unerwünschten Person

Jürgen Friedrich 1998.
Jürgen Friedrich 1998.

Dreimal stand Jürgen Friedrich als Präsident und Vorstandsvorsitzender an der Spitze des 1. FC Kaiserslautern. Nach seinem Rückzug 2002 hat der Verein mit ihm und er mit dem FCK gebrochen. Am Sonntag wird Friedrich, der in Frankfurt lebt, 75 Jahre alt.

Normalerweise würde Jürgen Friedrich sonntags im Fritz-Walter-Stadion gefeiert werden, möglicherweise würde er FCK-Ehrenpräsident, vielleicht Ehrenbürger Kaiserslauterns. Es kam anders. Ganz anders. Längst hat Friedrich die Stadt, in der er mit seiner Familie seit 1968 lebte, verlassen. Es war auch eine Flucht vor den Anfeindungen, vom Spießrutenlauf. Den „Betze“ hat „Atze“ Friedrich seit seiner Demission nicht mehr besucht.

Verdeckte Zahlungen

Der gelernte Großhandelskaufmann erlebte bittere Jahre, einen tiefen Fall, als ihm sein Nachfolger René C. Jäggi steuerliche Verfehlungen anlastete. Es ging um verdeckte Zahlungen für Persönlichkeitsrechte diverser FCK-Profis. Jäggis Selbstanzeige hatte Steuernachzahlungen zu Folge, die den Verein an den Rand des Ruins brachten. Friedrich wurde wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, der Verein verklagte ihn auf Schadenersatz, mehr als eine halbe Million Euro wurden fällig. Friedrich sah sich nach 34 Jahren als selbstständiger Kaufmann – „Atze’s Men-Shop“ war Kult, im Nebenzimmer wurde so mancher Transfer abgewickelt – geschäftlich und gesellschaftlich am Boden. Er fühlt sich als Opfer des „Sonnenkönigs Jäggi“, er sieht sich für Dinge verurteilt, die nach Friedrichs Darstellung Usus in der Fußballbranche waren. Jürgen Friedrich, in Dresden geboren, in Berlin aufgewachsen, wurde mit 18 Bundesliga-Profi bei Eintracht Frankfurt, wo er später als Manager scheiterte. 1968 kam er als Profi zum FCK, kultivierte als Mittelfeld-Regisseur den Spielstil, wurde Kapitän. Ein Schien- und Wadenbeinbruch bedeutete nach 236 Bundesligaspielen das Karriereende. Mit 33 wurde er erstmals FCK-Präsident – er war der jüngste Vereinschef in der Ligageschichte. Und er tat dem FCK gut.

Fehler im Erfolg

„Atze“ war ein Querdenker, erstklassig vernetzt, ein Szenekenner. Nach dem erstmaligem Abstieg aus der Bundesliga 1996 übernahm er Verantwortung – erst im Aufsichtsrat, zwei Jahre später als Vorstandsvorsitzender. Erstmals wurde der FCK hauptamtlich geführt. Friedrich holte nach dem Abstieg seinen alten Freund und Mannschaftskollegen Otto Rehhagel als Trainer. Eine Sensation! Die deutsche Meisterschaft zwei Jahre später – vor allem auch ein Verdienst Friedrichs, der mit seinem Vorgänger Hubert Keßler die treibende Kraft bei der Realisierung des Nachwuchsleistungszentrums Rote Teufel auf dem Fröhnerhof war. Dort sah Friedrich die Zukunft des Vereins – mit Trainingszentrum, Hotel, Golfplatz. Doch im Erfolg machte Friedrich Fehler. „Wir wollen dauerhaft mit dem FC Bayern auf Augenhöhe sein“, sagte der damalige FCK-Chef in einem RHEINPFALZ-Gespräch. Der Star-Kult überforderte den Verein wirtschaftlich, zumal Friedrich bei der Regelung der Rehhagel-Nachfolge mit seinem Modell Brehme/Stumpf Schiffbruch erlitt. Mit dem Ausbau zum WM-Stadion wollte Friedrich dem FCK, der damals immer international spielte, eine moderne Arena schaffen. Das Projekt war für den FCK mehrere Nummern zu groß – aus dem Vorzeigeklub ist ein Bittsteller im Vorhof des Insolvenzrichters geworden. Am 8. September wurde die „Heimkehr der Helden“ gefeiert. Fast alle Meister von 1998 kamen. Jürgen Friedrich, quasi der Vater der Meistermannschaft, wurde kaum einmal erwähnt. Am Sonntag wird er 75. Alles Gute, „Atze“ Friedrich!