Bundesliga Poulsens Kunstwerk krönt Leipzig-Sieg im Spitzenspiel

Traumtor
Angesetzt zum Traumtor: Yussuf Poulsen machte den Leipziger Sieg in Augsburg perfekt.

«Ich habe gedacht, probier' mal.» Das Volleytor von Joker Poulsen ragt beim RB-Erfolg in Augsburg heraus. Im Spitzenspiel treten die Sachsen wie ein Spitzenteam auf - pünktlich vor einem Neubeginn.

Augsburg (dpa) - Yussuf Poulsen ging bei seinem Kunstwerk volles Risiko. Es war ein Geniestreich, bei dem sich alle Komponenten zusammenfügten: Technik, Timing, Trefferglück.

«Der Ball kam gut, genau über den Kopf und lag perfekt zum Volley. Ich habe gedacht, probier' mal abzuschließen. Und den Ball habe ich dann ganz gut getroffen», beschrieb Poulsen detailgetreu sein Traumtor, das den reifen Auftritt von RB Leipzig beim ungefährdeten 2:0 (1:0) im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga beim FC Augsburg krönte.

«Ganz gut getroffen» war dabei untertrieben, zumal der Mittelstürmer den Ball mit dem schwächeren linken Fuß aus spitzem Winkel unhaltbar für Rafal Gikiewicz ins Augsburger Tor drosch. Es war die allererste Aktion von Poulsen. RB-Coach Julian Nagelsmann staunte über das «gute Füßchen von Yussi» und erlaubte sich einen Zusatz: «Da war auch ein bisschen Glück dabei. Das kann man nicht hundertprozentig als geplantes Tor sehen.» Es sei aber «außergewöhnlich schön» gewesen.

Rundum schön war der Fußball in der leeren FCA-Arena nicht. Der Leipziger Auftritt war geduldig und abgeklärt. Und die Sachsen trafen zum idealen Zeitpunkt, vor allem beim Kopfball von Angeliño direkt vor der Pause. «Wir waren dominant in vielen Phasen des Spiels», sagte Poulsen, der das Geschehen bis zur 66. Minute von der Bank aus verfolgte. Nagelsmann hatte in der Startelf - wie schon beim 4:0 gegen Schalke - auf einen zentralen Stürmer verzichtet. Vorne drin fehlte damit etwas. Als der wuchtige Poulsen kam, lieferte er prompt. «Es ging schnell mit dem ersten Ballkontakt», sagte der 26-Jährige schmunzelnd. Einwechslung, Volleyschuss, Torjubel, Auswärtssieg.

Augsburgs Trainer Heiko Herrlich war spätestens nach dem «Traumtor von Poulsen» klar, dass noch dazu ohne Zuschauerunterstützung ein weiterer Überrschungscoup wie beim drei Wochen zuvor von 6000 Fans bejubelten 2:0 gegen Borussia Dortmund ein Wunsch bleiben würde.

«Wir wissen das einzuordnen», sagte Herrlich nach der ersten Saisonniederlage, die er aus FCA-Sicht realistisch einordnete: «Wir haben gegen eine europäische Spitzenmannschaft gespielt, die vor ein paar Wochen noch im Halbfinale der Champions League stand.»

Auf die Königsklasse richtete auch Nagelsmann sofort den Fokus. Das noch sehr präsente Finalturnier in Lissabon, wo im August erst das Starensemble von Paris Saint-Germain den Halbfinal-Neuling kurz vor dem Endspiel stoppen konnte, ist vor dem Neustart am Dienstag gegen den türkischen Meister Istanbul Basaksehir aber nicht die Messlatte für den RB-Coach: «Das war ein schönes Erlebnis, aber das zählt für die neue Runde nicht mehr. Es wäre total vermessen, als RB Leipzig einzuplanen, dass das jetzt im Jahresrhythmus passiert.»

Schließlich habe man «eine anspruchsvolle Gruppe erwischt», wie Nagelsmann mit Blick auf das erneute Duell mit PSG sowie Manchester United und Basaksehir sagte: «Wir müssen uns nicht verstecken. Wir werden jetzt aber nicht von irgendwelchen weiten Zielen sprechen. Wir versuchen, ein gutes Auftaktspiel zu haben.» Und natürlich sei es das Ziel, «über die Gruppenphase hinauszukommen», sagte Nagelsmann.

National ist ein Platz unter den besten Vier dagegen wieder die klare Zielvorgabe. Nach vier Spieltagen ist die Tabelle für den Kunstschützen Poulsen aber noch «uninteressant». In der frühen Saisonphase zähle allein, «dass wir gute Leistungen bringen und unsere Spiele gewinnen». Irgendwann im nächsten Jahr «reden wir über den Tabellenplatz». Und nicht mehr über sein Kunststück in Augsburg.

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