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Freitag, 03. Mai 2019 Drucken

Games

Wenn der Klimawandel zum Gegner wird

„Gathering Storm“ macht das Rundenstrategiespiel „Civilization VI“ noch größer – Leider bleibt die Künstliche Intelligenz problematisch

Von Benjamin Ginkel

Diese neue Spielmechanik ist auf den ersten Blick zu erkennen: Feuer speiende Vulkane machen den Staatenlenkern in „Civilization VI: Gathering Storm“ neben weiteren Naturkatastrophen zusätzlich zu schaffen.

Diese neue Spielmechanik ist auf den ersten Blick zu erkennen: Feuer speiende Vulkane machen den Staatenlenkern in „Civilization VI: Gathering Storm“ neben weiteren Naturkatastrophen zusätzlich zu schaffen. ( Screenshot: 2K Games/frei)

Dass ungezügelter Kohleverbrauch und rauchende Schornsteine nicht nur ein Zeichen für hohe Produktivität, sondern auch für starke Umweltverschmutzung sind, das müssen jetzt die Spieler von „Civilization VI: Gathering Storm“ auf die harte Tour lernen. Die zweite Erweiterung zum Rundenstrategiespiel bringt als große Neuerung Natur- und Umweltkatastrophen mit sich, die im wahrsten Wortsinn für frischen Wind in dem Spiel sorgen ...

Glückwunsch! Die erste Siedlung der Deutschen liegt an einem rauchenden Berg, dem Laacher See. So kann der Spielstart in dem rundenbasierten Strategiespiel „Civilization VI: Gathering Storm“ aussehen, in dem der Spieler ein Volk auf seiner Entwicklung vom kleinen Stamm zur futuristischen Gesellschaft führt. Neu in der Erweiterung sind nicht nur Vulkane, die tatsächlich ausbrechen und verheerende Schäden anrichten können, sondern auch die Namen von Flüssen und Feuerbergen – und da es in Deutschland eben keine aktiven Vulkane mehr gibt, kommt der Laacher See ins Spiel. Doch selbst die Naturkatastrophen haben noch positive Seiten: Tritt ein Fluss über die Ufer, zerstört das zwar die Felder, sorgt aber in den kommenden Jahren für verbesserte Ernteerträge.

Schreitet der Spieler in der technologischen Entwicklung fort, lassen sich etwa ab dem Mittelalter Überschwemmungen durch Staudämme abmildern. Deiche sorgen in späteren Zeitaltern dafür, dass der steigende Meeresspiegel keine Geländefelder an Ozeanen verschlingt.

Wie es sich für eine „Civilization“-Erweiterung gehört, wird das Grundspiel (erschienen Oktober 2016) in fast allen Bereichen kräftig verbessert: Neun neue Anführerpersönlichkeiten und acht frische Zivilisationen stehen zur Auswahl (darunter Mali, Schweden und das Osmanische Reich), 18 neue Einheiten vergrößern das Repertoire für militärische Herrscher (beispielsweise riesige Kampfroboter, die im Alleingang ganze Armeen in die Knie zwingen können) und etliche neue Gebäude und Weltwunder sind dazugekommen.

Friedliche Naturen dürfte vor allem freuen, dass der aus Vorgängerversionen bekannte „Diplomatiesieg“ wieder im Spiel ist: Im Weltkongress können sich besonders beliebte Spieler zum Anführer der Weltgemeinschaft wählen lassen. Fans der Spieleserie hatten das schon seit der Veröffentlichung gefordert.

Die Forderung, die Künstliche Intelligenz (KI) deutlich aufzuwerten, blieb dagegen offenbar ungehört – oder wurde zumindest nicht gut genug umgesetzt. Die KI bleibt also nach wie vor die Achillesferse des ansonsten sehr gelungenen Spiels – vorausgesetzt der Comicgrafikstil schreckt einen nicht ab. Noch immer verhalten sich die computergesteuerten Nationen zu unvorhersehbar, erklären grundlos den Krieg oder lehnen für beide Seiten gewinnbringende Allianzen ohne Not ab. In dem Bereich sollte dringend noch nachgearbeitet werden. Wer darüber hinwegsieht – oder sich über die harmlose KI sogar freut – wird stundenlang hervorragend unterhalten.

Info

Verlag: 2K Games

Freigegeben: Ab 12 Jahren

Wertung: 8,5