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Donnerstag, 04. Januar 2018 Drucken

Games

Talente und Technik reichen nicht

Erste bundesweite Studie zur Lage der Spiele-Industrie in Deutschland vorgestellt – Branchen-Verbände appellieren an die Politik

Von Benjamin Ginkel

In Massen strömen die Menschen jährlich im August zur Spielemesse Gamescom nach Köln. Doch nur wenige der dort gezeigten großen Spiele-Produktionen entstehen in Deutschland.

In Massen strömen die Menschen jährlich im August zur Spielemesse Gamescom nach Köln. Doch nur wenige der dort gezeigten großen Spiele-Produktionen entstehen in Deutschland. ( Foto: Ginkel)

Die deutsche Spiele-Industrie bietet großes Potenzial, steht aber gleichzeitig vor großen Herausforderungen, sich auf dem international umkämpften Markt durchzusetzen. So lautet das Fazit der ersten bundesweiten Studie zur Games-Branche, die Anfang Dezember in Berlin vorgestellt worden ist.

Mit einem Unternehmensumsatz von insgesamt 2,876 Milliarden Euro gehört die Games-Branche mit ihren über 650 Unternehmen zu den umsatzstärksten Medien- und Kulturbranchen Deutschlands, schreibt der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) in seiner Mitteilung zur Studie. Allerdings werden nur 14,2 Prozent des Gesamtumsatzes auch mit in Deutschland entwickelten Produkten und Dienstleistungen erzielt. Die deutsche Games-Branche sei mittelständisch geprägt: 90 Prozent der Unternehmen erwirtschaften bis zu fünf Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Von den rund 14.000 Beschäftigten der Games-Branche befinden sich 77 Prozent in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen, 76 Prozent sind fest angestellt. Im Vergleich zu anderen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft sei das ein überdurchschnittlich hoher Wert, stellt die Anfang Dezember veröffentlichte Studie fest.

Vergleicht man die deutsche Games-Industrie mit anderen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft, weist sie außerdem eine sehr hohe Exportquote auf: Beinahe die Hälfte ihres Umsatzes (46 Prozent) erwirtschaftet sie außerhalb Deutschlands. Zum Vergleich listet der BIU auf: Die Exportquote der Musikwirtschaft beträgt neun Prozent, die der Film- und Fernsehwirtschaft liegt bei lediglich vier Prozent. Digitale Spiele eigneten sich daher hervorragend, kulturelle Werte in alle Welt zu exportieren.

Computer- und Videospiele sind eine der innovativsten kulturellen Ausdrucksformen und ein Wirtschaftsgut. Die Technologien und Mechanismen finden heute weit über den Kultur- und Unterhaltungssektor hinaus Anwendung: Von der Automobilindustrie bis zum Gesundheitswesen und der Bildung profitieren zahllose Branchen von den Erfindungen der Spiele-Industrie. Länder wie Kanada, Großbritannien oder Frankreich haben die Bedeutung digitaler Spiele bereits früh erkannt und umfangreiche, nachhaltige Games-Fördersysteme aufgebaut. Der durchschnittliche Förderanteil in Großbritannien beträgt rund 17 Prozent, in Kanada (Ontario) sind es rund 32 Prozent. In Deutschland beträgt der Anteil öffentlicher Förderung an der Finanzierung von Games-Entwicklern lediglich 2,6 Prozent. Spieleentwicklungen werden in erster Linie über Eigenfinanzierungen realisiert. Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen sei damit deutlich erschwert.

„Wir müssen dringend die Rahmenbedingungen in Deutschland verbessern, sonst werden wir den Anschluss vollständig verpassen – und wir hinken hier schon mehr als deutlich hinterher. Wir erwarten von der Politik, dass sie schnellstmöglich die richtigen Impulse setzt, damit kleine, mittlere aber auch große Unternehmen hierzulande die Möglichkeit bekommen, dauerhaft international erfolgreich zu sein“, sagt Stefan Marcinek, Vorsitzender des GAME, dem Bundesverband der deutschen Games-Branche.

„Wir haben die Talente, die Technik und den Tatendrang, um ,Games Made in Germany’ zu einem Exportschlager zu machen“, betont Felix Falk, Geschäftsführer des BIU. Deutsche Entwickler hätten es jedoch zunehmend schwer, bei den Standortvorteilen der globalen Konkurrenz mitzuhalten. Die Studie zeige den richtigen Weg, um Deutschland als Entwicklungsstandort nachhaltig zu stärken. Falk: „Sie ist daher Pflichtlektüre für die Politik.“

Die Studie von Oliver Castendyk von der Hamburg Media School und Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn wurde gefördert und finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Senatskanzlei Berlin, dem Hessischen Wirtschaftsministerium sowie den Verbänden der deutschen Games-Branche BIU und GAME.

Info

Die erste Studie zur Games-Branche in Deutschland kann auf der Internetseite der Hamburg Media School heruntergeladen werden: www.hamburgmediaschool.com/forschung/center-labs/audiovisuelle-produktion/studie-zur-computer-und-videospielindustrie-in-deutschland/