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Mittwoch, 11. Juli 2018 Drucken

Brettspiele

Im Team den Tempel retten

„Menara“: Als Baumeister brauchen die Spieler ein ruhiges Händchen – Ungewöhnliches und kooperatives Aufbauspiel überzeugt

Von Laura Estelmann

Hoch hinaus wollen die Tempelbauer. Dafür müssen aber einige Regeln beachtet werden.

Hoch hinaus wollen die Tempelbauer. Dafür müssen aber einige Regeln beachtet werden. ( Foto: unn )

In einem fernen Dschungel hat ein Team von Baumeistern ein Ziel: Ein alter Tempel soll wieder in alter Schönheit erstrahlen. Dafür sind bei „Menara“ vor allem ein ruhiges Händchen, aber auch strategische Planung gefragt. Oliver Richtberg hat sich damit ein ungewöhnliches, kooperatives Aufbauspiel einfallen lassen.

Ziel ist es, aus Säulen und Bodenplatten einen Tempel wieder aufzubauen, den die Zeit, die Natur und möglicherweise auch Mensch und Tier mitten im Dschungel in seine Einzelteile zerlegt haben. Aber Tempel baut man nicht einfach so, oh nein. Die Baumeister müssen sich an strikte Regeln halten. Säulen – verschiedenfarbige Holzstützen – dürfen nur auf die farblich passend markierten Sockel gestellt werden.

Sobald eine Säule auf den letzten freien Sockel einer Bodenplatte gesetzt wurde, muss eine neue Platte angebaut werden. Heißt: entweder als nächste Ebene oben auf freie Säulen oder auf den Boden, sprich den Tisch. Das zieht aber eine Strafe nach sich: Der Tempel muss dann insgesamt eine Ebene höher werden. Die Spielrunde lernt schnell: Das möchte man tunlichst vermeiden.

Die Strafe gibt’s auch, wenn eine der Baukarten nicht erfüllt wird. Wer an der Reihe ist, zieht eine leichte, mittlere oder schwere Karte und muss erledigen, was darauf zu sehen ist: eine bis vier Säulen anbauen, Säulen von unteren Ebenen wegnehmen und auf höhere stellen. Oder – wenn es ganz blöd läuft – eine Bodenplatte komplett mit Säulen füllen oder eine ganze Ebene auf höher oder niedriger gelegenen Säulen platzieren. Und ja, vor allem Letzteres ist so kompliziert wie es klingt. Je nach am Anfang des Spiels gewähltem Schwierigkeitsgrad haben die Spieler weniger oder mehr Säulen im persönlichen Vorrat und müssen schon zu Beginn zwischen drei und fünf Ebenen hoch bauen.

Je weniger Säulen zur Verfügung stehen, desto wichtiger wird das „Baucamp“, eine Ablagefläche mit sechs Säulen, mit denen ein Spieler zum Start seines Zuges seine eigenen Säulen austauschen kann. Das kann Bauprojekt rettend sein, weil möglicherweise für die Stützen im eigenen Vorrat keine passenden Sockel mehr frei sind. Hat ein Spieler die Baukarte erfolgreich erfüllt, darf er seinen Säulenvorrat durch Ziehen aus dem mitgelieferten Stoffbeutel wieder auffüllen, und der nächste ist an der Reihe.

Das Spiel ist übrigens bei Weitem noch nicht zu Ende, wenn die verlangte Anzahl an Ebenen errichtet ist. Die müssen stabil stehen bleiben, bis entweder alle Säulen oder Bodenplatten verbaut oder Baukarten ausgespielt sind. Das Spiel gilt als verloren, wenn der Tempelturm wegen fehlender passender Baumaterialien nicht mehr hoch genug gebaut werden kann oder wenn er irreparabel in sich zusammenstürzt.

Ohne Absprachen, Säulentauschen und gemeinsames Zügeplanen ist „Menara“ vor allem in den höheren Schwierigkeitsgraden kaum zu schaffen. Aber auch wenn es zu Beginn des Tests den ein oder anderen Einsturz hagelte: Der Ehrgeiz der Tempelbauer war geweckt.

„Menara“ überzeugte binnen kurzer Zeit gleich zwei unterschiedliche Testspielrunden, die jeweils den kompletten Abend mit dem abwechslungsreichen Tempelbau verbrachten. Dass dann auch noch die Ausstattung stimmt mit hochwertigen Spielmaterialien und schön gestalteten Karten und Bodenplatten macht „Menara“ zum empfehlenswerten Strategie-Team-Spiel.