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Brettspiele

Glauben, würfeln, handeln

„Das Fundament der Ewigkeit“: Zum dritten Teil der Kingsbridge-Reihe von Ken Follett gibt es wieder ein Brettspiel mit einem guten Mix aus Strategie und Glück

Von Laura Estelmann

Michael Menzel hat das Spielmaterial für das „Fundament der Ewigkeit“ gezeichnet, das Spiel entworfen hat Michael Rieneck.

Michael Menzel hat das Spielmaterial für das „Fundament der Ewigkeit“ gezeichnet, das Spiel entworfen hat Michael Rieneck. ( Foto: unn)

Würfel auf Personenkarten zeigen, wie lange sie noch aktiv sind.

Würfel auf Personenkarten zeigen, wie lange sie noch aktiv sind. ( Foto: unn)

Mit „Das Fundament der Ewigkeit“ ist Michael Rieneck eine Spieladaption eines Buches gelungen, die sich mehr als sehen lassen kann. Das gleichnamige Werk von Bestsellerautor Ken Follett ist der dritte Roman der Kingsbridge-Reihe. Und Rieneck hat zum dritten Mal ein Brettspiel zu dieser Reihe entworfen – mit beachtlichem Erfolg.

„Das Fundament der Ewigkeit“ überzeugt durch einen sehr guten Mix aus Glück und Strategie in Form von vielen Würfeln, die geschickt eingesetzt werden müssen. Dafür zeigt der von Michael Menzel gezeichnete schöne Spielplan vier Städte, die mit dem Roman zu tun haben: Neben dem fiktiven Kingsbridge wird in Antwerpen, Paris und Sevilla nach Verbündeten gesucht und gleichzeitig der eine oder andere Religionskonflikt zwischen Protestanten und Katholiken verursacht.

Das Spiel verläuft Follett-typisch in großen Zyklen. Pro Runde vergeht ein ganzes Jahr, wobei das erste und zweite Halbjahr jeweils unterschiedliche Aktionen erfordern. Jeder Spieler erhält eine Übersichts- und eine Religionskarte. Außerdem gibt’s sechs Würfel. Je einer ist farblich einer der vier Städte zugeordnet. Der schwarze steht für die Religion, der violette ist ein beliebig einsetzbarer Joker. Die Partie beginnt in einem Juli. Reihum würfeln alle mit allen Würfeln.

Der schwarze wird auf die eigene Katholiken- oder Protestantenseite der Religionskarte gelegt. Er zeigt ab sofort an, wie viele Jahre der Spieler dieser Religion angehören wird. Dann darf der Spieler entscheiden, mit welchem farblich passenden Würfel er sich die Dienste einer Person(-enkarte) aus einer Stadt sichern möchte. Diese Karten beeinflussen vieles. Wird eine Personenkarte gewählt, führt der Spieler die aufgedruckte Aktion aus. Er kann Waren, Schutzplättchen oder Siegpunkte erhalten oder Religionssteine setzen oder entfernen. Außerdem muss er den Würfel mit der zuvor gewürfelten Augenzahl auf die Karte vor sich legen. Dies dokumentiert, wie viele Jahre die Person dem Spieler noch verbunden ist. In der Stadt, aus der die Person stammt, darf der Spieler dann ein Handelshaus auf dem Feld mit der gewürfelten Zahl errichten.

Danach darf ein zweiter Würfel im Aktionsbereich am unteren Spielfeldrand eingesetzt werden. All das dient dem Ziel, Waren zu erhalten, die dann gegen Siegpunkte wieder verkauft werden. Feilgeboten werden Erz, Wein, Tuch und Buch. Pro Stadt werden aber nur zwei der vier Waren gehandelt. Und geschachert werden darf nur, wenn man in der Stadt auch ein Handelshaus besitzt.

Das kann man auch wieder verlieren. Jede Personenkarte ist entweder katholisch, protestantisch oder neutral und hat einen entsprechenden Religionsstein bei sich. In jeder Stadt gibt es vier Plätze für Religionssteine. Immer wenn eine Person gewählt wurde, wird in der Stadt ihr Stein platziert.

Ist der vierte Platz belegt, kommt es zum Religionskonflikt. Hat eine Religion die Mehrheit in der Stadt, erhält jeder, der gerade dieser Glaubensrichtung angehört, so viele Siegpunkte wie neben seinem Handelshaus geschrieben stehen. Die unterlegenen gehen leer aus. Schlimmer noch: Sie verlieren ihr Handelshaus, heißt, sie können dort vorerst nichts mehr verkaufen.

Im ersten Halbjahr wird jeder auf einer Karte platzierte Würfel eine Zahl heruntergedreht. Wäre das bei der Religionskarte dann eine nicht vorhandene Null, dreht man die Karte um, sprich die Glaubenszugehörigkeit wechselt, und es wird neu ausgewürfelt, wie lange der Spieler diesmal daran glaubt. Bei den Personenkarten wird nach dem Drehen die jeweilige Aktion erneut ausgeführt. Wenn die Null an der Reihe wäre, kommt die Karte aus dem Spiel.

Schnell ist klar: „Das Fundament der Ewigkeit“ klingt kompliziert, spielt sich aber sehr einfach, wenn das Prinzip erst einmal durchschaut ist. Dennoch steckt viel strategisches Denken dahinter. Welche Person hilft wann welche Waren inklusive Warenhaus zu erhalten? Wo kann wann verkauft werden, und passt die Person gerade zur eigenen Religion oder wechselt der Glaube sowieso bald, sodass man sich schon im Voraus um Verbindungen zur Gegenseite kümmern müsste? Das Spiel ist vielschichtig und komplex, zeichnet sich aber durch wunderbar einfache Regeln aus. Die Testrunde hat also noch nicht genug vom Religionsgeschachere.

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