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Dienstag, 10. April 2018 Drucken

Brettspiele

Dome für das Seelenheil

„Mea Culpa“: Komplexes Strategiespiel um die Erlösung von Sünden

Von Laura Estelmann

Viel gibt es bei „Mea Culpa“ aufzubauen und zu beachten.

Viel gibt es bei „Mea Culpa“ aufzubauen und zu beachten. ( Foto: unn)

Wer hat wie viel gespendet und wie viele Sünden gesammelt? Die Spendenkiste und das sechseckige Kerbholz zeigen’s.

Wer hat wie viel gespendet und wie viele Sünden gesammelt? Die Spendenkiste und das sechseckige Kerbholz zeigen’s. ( Foto: unn)

Passend zu 500 Jahre Reformation haben sich Klaus Zoch und Rüdiger Kopf ein komplexes Strategiespiel ausgedacht, in dem es um Sünden, Ablasshandel, Freudenhäuser, Himmel und Hölle geht. „Mea Culpa“ ist nichts für Einsteiger im schwierigen Kampf um Erlösung von den größeren und kleineren Sünden. Ach ja, nebenbei werden auch noch Dome für das Seelenheil der Spieler gebaut.

Ziel des Spiels ist es, mit der eigenen „Armen Seele“ möglichst nah an die Himmelspforte zu gelangen – oder wenigstens die anderen hinter sich zu lassen. Dann holt sie nämlich zuerst der Teufel. Also müssen Ablassbriefe her. Die sind aber gar nicht so einfach zu bekommen.

Dafür schlüpfen die Spieler immer zu Rundenbeginn in die Rollen von Papst, Kaiser, Händler und kleinem Sünder. Wer wen übernimmt, beeinflussen die Spieler selbst. Nämlich dadurch, wie viele Sünden sie sich aufs Kerbholz laden. Das ist nett gemacht, es sieht tatsächlich ähnlich aus wie ein Stück Holz, in das Striche geritzt wurden. Es wird also schon zu Beginn gezockt. Gold kann – wie sollte es anders sein – zum Zünglein an der Waage werden. Nun wetteifern die Spieler um Waren für den Bau des Doms, für den Kauf von Ablassbriefen oder für schöne Stunden im Freudenhaus, die aber das Kerbholz wiederum mit dem nächsten Strich versehen.

Allein der Aufbau des umfangreichen Spielmaterials dauert seine Zeit, das Studium der 24-seitigen Anleitung ebenfalls. Und legen Sie das Machwerk nicht zu weit weg, Sie werden es in den ersten Runden häufig zum Nachschlagen brauchen.

Wer darf was an welcher Stelle seines Zuges? Warum genau soll ein Spieler Steine in den Sündenpfuhl werfen, und welchen Vorteil zieht man daraus? Warum sollten Waren in die geheimen Spendenboxen gepackt werden, statt etwas dafür zu kaufen?

Bis zwei der drei Dome stehen, bis Ablassbriefe gekauft, im Bordell mitgenommen oder sonst wie erstanden sind, geht einige Zeit ins sündige Land. Es ist wahrlich nicht einfach, sich eine Strategie zurechtzulegen, zu viele Möglichkeiten, die scheinbar wenig, aber dann doch viel miteinander zu tun haben, pflastern den Weg zur Himmelspforte.

„Mea Culpa“ ist daher ein Spiel, das offenbar einige Geduld und Runden braucht, um richtig in Fluss zu kommen. Die aus erfahrenen Strategiespielern bestehende Testrunde hatte irgendwann nicht mehr die Engelsgeduld, um sich weiter mit den Sünden zwischen Himmel und Hölle herumzuschlagen.