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Sonntag, 22. April 2018

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#SchönePfalz

Bei "Lutz' Blick" im Regen

Von Laura Estelmann

Bank, Bäume, Wald, Blick ins Tal

"Lutz' Blick" mit Aussicht. (Foto: privat/Gabi Gründling)

Frau, Wald, Regenschirm, Bank, Tannen, Regen

Gabi Gründling schaut vor der Bank von "Lutz' Blick" ins Tal und trotzt dem Regen. (Foto: unn)

Schirm, Karte

Da lang: Die Schirmspitze zeigt, wo es zu "Lutz' Blick" geht. (Foto: unn)

Wassertropfen an Kiefernzweig, Waldweg

Wasser hängt in Kiefernnadeln und Ästen, überall tropft es. Das macht bei der netten Wanderung aber gar nichts. (Foto: unn)

Eine Bank mit Aussicht im Wald, die einen Namen trägt. Ein Weg dorthin, der eine Geschichte zu erzählen hat. Oder gleich viele.

 

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Mit Gabi Gründling zu "Lutz’ Blick" - das ist der allererste Termin den ich für unsere neue Serie #SchönePfalz habe. Dafür treffe ich mich mit der Wahlpfälzerin am Wanderparkplatz Langental, der zu Bobenheim am Berg im Kreis Bad Dürkheim gehört. Pünktlich, als ich aus dem Auto steige, beginnt es zu regnen. 

Vom Parkplatz geht es für mich ungeübte Wanderin recht steil nach oben in den Wald. Während ich ordentlich ins Schwitzen komme, meine Brille beschlägt und ich feststelle, dass ich mich dringend öfter mit Ausdauersport beschäftigen sollte, hat Gabi Gründling viel zu erzählen. Der Weg zu "Lutz’ Blick" wird dadurch außerordentlich interessant. 

Der Totenweg zum Kloster

Auf dem Totenweg laufen wir gerade, erzählt Gründling. Denn wenn in der Gegend früher Mitglieder reicher Familien starben, wurden sie beim Kloster Höningen begraben, das von etwa 1120 bis 1569 bestand. Die Augustinermönche des Klosters warteten am Fuße des Hanges auf die Menschen, die den Toten brachten. Dann begleiteten sie ihn mit Gesang und Gebet bis Höningen auf eben jenem Pfad, der heute noch Totenweg heißt. Wem das noch nicht genug Makabres ist, der kann auf dem Rückweg von "Lutz’ Blick" unterwegs auch abbiegen zum „Toten Mann“. Dort wurde ein Gipfelkreuz aufgestellt, das ein Totenkopf schmückt. Der wurde mal mit Militärhelm versehen, trug mal eine Mütze oder Sonnenbrille und „im Spätsommer hat jemand ein Weizenbier aus Plastik mit Kabelbinder am Kreuz befestigt, damit der Tote Mann was zu trinken hat“, erzählt Gründling.

Regen, Regen, Regen

Weit erfreulicher ist die Geschichte, die es zum eigentlichen Ziel unserer Wanderung gibt. Gabi Gründling erzählt sie inzwischen bei strömendem Regen, der plätschernde Bäche über den Waldweg zieht. Dicke Tropfen fallen von den fast kahlen Bäumen. Das stört aber nicht wirklich.

 

 

Ursprung der Geschichte ist Lutz Fütterling, der 20 Jahre lang auf dem Kleinsägmühlerhof gearbeitet und auch dort gewohnt hat. Auf dem Hof, der bei Altleiningen liegt, wird ökologische Landwirtschaft betrieben. Als Fütterling in Rente ging, zog er nach Weisenheim und engagierte sich sehr für die Wanderwege in der Umgebung. „Vor sechs Jahren ist Lutz 60 Jahre alt geworden. Seine Familie und Freunde haben ihm eine Bank geschenkt und mit der Verbandsgemeinde verabredet, dass Lutz sich eine Stelle aussuchen darf, wo sie aufgestellt wird.“ Der passionierte Wanderer wählte eben jene Stelle mit Aussicht auf die Felder, auf denen er selbst früher gearbeitet hat:

Ein erholsames Plätzchen 

Inzwischen haben wir die Bank erreicht, die ein wenig abseits hinter Büschen steht. Der Blick ins Tal ist selbst bei wolkenverhangenem Himmel schön. Langsam komme ich wieder zu Atem. Meine Begleiterin hat das nicht nötig.   

Das hat seinen Grund: Sie hat mir verraten, dass sie vor zehn Jahren mit ihrem Mann den Weisenheimer Lauftreff gegründet hat, jeden Sonntag mindestens zwei bis vier Stunden läuft und schon mehr als 40 Marathon absolviert hat – überall auf der Welt. Kein Wunder, dass mir der Weg deutlich mehr zu schaffen machte, als ihr.

Die Frankfurterin kam der Liebe wegen in die Pfalz und will hier keinesfalls mehr weg. Mit ihrem Mann kommt sie auf ihren Touren häufig an Lutz’ Blick vorbei, manchmal laufen sie auch spontan dorthin, setzen sich auf die Bank und genießen den Blick, den Wald, den Tag. 

Lebkuchen zum Abschied

Mit Gabi Gründling laufe ich wenig später zurück durch den verregneten Wald bis zum Parkplatz. Ungefähr 40 Minuten brauchen wir für den einfachen Weg. Zur Stärkung vor der Heimfahrt in durchweichten Klamotten gibt's von der Lauf-Expertin noch leckere Lebkuchen. Die hatte die Weisenheimerin eigentlich als Pausensnack auf der Bank geplant, verrät sie. Für gemütliches Sitzen war es dann aber doch ein wenig zu nass an diesem sehr herbstlichen Samstagmorgen mitten im Pfälzer Winter. Leider war es auch zu nass für die 360-Grad-Kamera, die in Streik tritt und nach einem empörten roten Blinken schlichtweg den Dienst verweigert und aus geht. Das macht aber nichts. Mit funktionierendem Gerät laufe ich gerne noch einmal zu "Lutz’ Blick". 

Auf dem Weg zu "Lutz' Blick" und zurück

Erklärschild, Schrift: Woher der Totenweg seinen Namen hat, ist unter anderem auf dem Schild am Beginn des Weges erklärt. Foto: unn

Woher der Totenweg seinen Namen hat, ist unter anderem auf dem Schild am Beginn des Weges erklärt. Foto: unn

Erklärschild, Schrift
Wald, Moos, Felsen: Moosüberwucherte Felsblöcke säumen den Weg. Foto: unn

Moosüberwucherte Felsblöcke säumen den Weg. Foto: unn

Wald, Moos, Felsen
Hochsitz, Wald, Baumstämme: Abseits der Wege steht ein Hochsitz zwischen den Bäumen. Foto: unn

Abseits der Wege steht ein Hochsitz zwischen den Bäumen. Foto: unn

Hochsitz, Wald, Baumstämme
Bank, Moos, Laub auf Waldboden: Auf halbem Weg steht eine Bank, die schon weiter länger der Witterung des Waldes ausgesetzt ist, als die bei "Lutz' Blick." Foto: unn

Auf halbem Weg steht eine Bank, die schon weiter länger der Witterung des Waldes ausgesetzt ist, als die bei "Lutz' Blick." Foto: unn

Bank, Moos, Laub auf Waldboden
Baumstamm, Wanderzeichen: Ja, wo geht's denn jetzt in Richtung Burgenwanderweg? Foto: unn

Ja, wo geht's denn jetzt in Richtung Burgenwanderweg? Foto: unn

Baumstamm, Wanderzeichen
Nebel, Bäume: Nebelschwaden ziehen zwischen den Bäumen dahin. Foto: unn

Nebelschwaden ziehen zwischen den Bäumen dahin. Foto: unn

Nebel, Bäume
Baumstamm, Maserung, Laub auf Waldboden: Ein hübsch gemaserter Baum am Wegesrand. Foto: unn

Ein hübsch gemaserter Baum am Wegesrand. Foto: unn

Baumstamm, Maserung, Laub auf Waldboden
Aussicht ins Tal, Bäume, Wiesen, Himmel: Die Aussicht von "Lutz' Blick" ins Tal - auch bei wolkenverhangenem Himmel schön. Foto: unn

Die Aussicht von "Lutz' Blick" ins Tal - auch bei wolkenverhangenem Himmel schön. Foto: unn

Aussicht ins Tal, Bäume, Wiesen, Himmel
Tal, Nebel, Schatten von Bäumen: Auch wenn Nebel überm Tal liegt, hat die Aussicht bei "Lutz' Blick" einiges für sich. Foto: unn

Auch wenn Nebel überm Tal liegt, hat die Aussicht bei "Lutz' Blick" einiges für sich. Foto: unn

Tal, Nebel, Schatten von Bäumen
Matsch, Jeans, Schuhe,: Gut durchweicht waren die Klamotten der Autorin. Foto: unn

Gut durchweicht waren die Klamotten der Autorin. Foto: unn

Matsch, Jeans, Schuhe,


Auf ein Neues!

Genau das habe ich dann auch einige Zeit später getan. Diesmal zwar alleine, aber trotzdem mit Spaß. Auf strahlenden Sonnenschein habe ich zwar weiter vergeblich gewartet, aber immerhin hat es dann doch mal aufgehört zu regnen. Nebel hing im Wald und es tropfte hier und da leise. Wieder bei "Lutz' Blick" angekommen, habe ich die Aussicht trotz des wolkenverhangenen Himmels noch einmal genossen und das dazugehörige 360-Grad-Bild gemacht. Dabei dachte ich mir: Stimmt, das hier - das ist definitiv ein Stück #Schöne Pfalz.