Finanztipp
Was beim Börsenabgang mit Aktien passiert
„Eine US-Gesellschaft (Worthington Steel) macht aktuell ein Übernahmeangebot für Aktionäre des Stahlunternehmens Klöckner & Co SE. Werden meine Aktien ungültig oder wertlos, wenn ich es nicht annehme?“
Vorab: Alle öffentlichen Übernahmeangebote von an deutschen Börsen notierten Aktiengesellschaften werden zuvor von der hiesigen Finanzmarktaufsicht (BaFin) geprüft und gebilligt. Bei dem von Ihnen genannten Fall handelt es sich um eine sogenannte „freundliche Übernahme“. Vorstand und Aufsichtsrat von Klöckner & Co haben eine Zusammenschlussvereinbarung mit Worthington Steel unterzeichnet und empfehlen den Aktionären die Annahme des Übernahmeangebots. Da es ein sogenanntes Barübernahme-Angebot ist, können Sie bis zum 12. März dem Verkauf Ihrer Aktien direkt an Worthington Steel zum Preis von 11 Euro je Klöckner-Aktie zustimmen.
Blick auf die Kurshistorie hilft
Eine Empfehlung, ob Sie das tun sollten, steht mir nicht zu. Jedoch zeigt Ihnen ein Blick in die jüngere Kurshistorie, dass der Kurs vor Bekanntwerden der Übernahmegespräche nur bei 5 bis 6 Euro lag. Da sich ein Großaktionär mit über 40 Prozent Anteilsbesitz bereits unwiderruflich verpflichtet hat, seine Aktien zu verkaufen, ist es wahrscheinlich, dass Worthington Steel insgesamt einen hohen Anteil der Klöckner-Aktien erreichen wird. Als Folge ist ein Delisting, also das Ausscheiden der Klöckner-Aktien aus dem Börsenhandel, dann ebenfalls wahrscheinlich. In der Zusammenschlussvereinbarung und der Ad hoc-Mitteilung heißt es ausdrücklich, Worthington werde nach erfolgreichem Abschluss des Übernahmeangebots „die Möglichkeit eines Squeeze-out, eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags und/oder eines Delistings“ prüfen. Altaktionäre, die nicht verkaufswillig sind, können in diesem Fall „herausgedrängt“ werden (squeeze out) – jedoch nicht entschädigungslos, sondern nach klar definierten gesetzlichen Regeln.
Die Sorge, dass Ihre Aktien wertlos würden, ist also nicht begründet. Jedoch kann die Entschädigung beim Squeeze-out sowohl über als auch unter den augenblicklich angebotenen 11 Euro pro Aktie liegen – beide Fälle sind schon vorgekommen.
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