Hohe Kante RHEINPFALZ Plus Artikel Vorsicht bei Hochzinsanlagen

Die Rüstungsindustrie boomt, Finanzprodukte für diesen Bereich ebenso.
Die Rüstungsindustrie boomt, Finanzprodukte für diesen Bereich ebenso.

Hochverzinsliche Finanzprodukte im Rüstungsbereich beinhalten oft ein großes Verlustrisiko.

„Meine Hausbank bietet mir immer wieder Hochzinsanlagen an – aktuell eine Protect-Aktienanleihe auf Rheinmetall mit 12 Prozent Zinsen. Ist das seriös und passt das für mich als konservativen Anleger?“

Leider muss ich gleich doppelt mit „nein“ antworten. Denn für konservative Anleger ist ein Angebot wie dieses nicht geeignet und seriös ist die Werbung mit 12 Prozent Zinsen auch nicht. Ich habe das konkrete Produkt recherchiert und auch das amtliche Produktinformationsblatt geprüft. Das Ergebnis ist ernüchternd. Sie erhalten ein als hochverzinslich beworbenes Anlagezertifikat von Ihrer Hausbank, welches jedoch keinesfalls eine Rheinmetall-Anleihe ist und tatsächlich von einem anderen Kreditinstitut herausgegeben wird. Ihre Hausbank ist nur Vermittler und verdient eine attraktive Vertriebsprovision. Das erinnert mich sofort an die Lehman-Oma, die auch glaubte, ihr Geld bei einer Sparkasse angelegt zu haben, welches in Wahrheit jedoch bei der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers lag. Außerdem erhalten Sie keine 12 Prozent Zinsen. Vielmehr sind die 12 Prozent Ihre Risikoprämie. Die erhalten Sie dafür, dass Sie im Fall von über 20 Prozent hinausgehenden Kursrisiken der Rüstungsaktie Rheinmetall alle Verluste voll tragen. Das ist höchst spekulativ. Denn die Rheinmetall-Aktie ist zuletzt sehr stark gestiegen und es ist durchaus möglich, dass sie bei einem Ende des Ukraine-Kriegs sowie anderer geopolitischer Bedrohungen wieder stark fallen würde.

Für mich stellen sich hier vor allem zwei Fragen. Erstens: Wollen Sie wirklich auf eine Fortsetzung des Ukraine-Krieges sowie anderer militärischer Konflikte wetten und damit 12 Prozent verdienen? Zweitens: Wollen Sie bei einer positiven geopolitischen Entwicklung, die zu 21 Prozent, 25 oder 50 Prozent Kursrutsch von Rheinmetall-Aktien führt, das volle Kursrisiko tragen? Ich kann für mich persönlich beide Fragen mit einem klaren Nein beantworten. Und rate ganz klar: Finger weg von undurchsichtigen Zocker-Produkten.

Sie haben Fragen rund um Ihr Geld? Schreiben Sie uns an ras-hohekante@rheinpfalz.de.

Hartmut Walz ist Finanzprofessor an der Hochschule Ludwigshafen. www.hartmutwalz.de
Hartmut Walz ist Finanzprofessor an der Hochschule Ludwigshafen. www.hartmutwalz.de
x