Kernaussage
Stilkolumne: Warum sich gerade alle nostalgisch in das Jahr 2016 verlieben
2026 ist offiziell das neue 2016. Auf Instagram, Tiktok und Co. ploppen plötzlich Fotos auf, die aussehen, als hätten alle ihr altes iPhone 6 ausgegraben – inklusive schlechter Auflösung und großer Gefühle. Zehn Jahre alte Erinnerungen werden unter #bringback2016 recycelt. Wir scrollen, seufzen und denken: Ach, stimmt, so war das Internet, bevor es uns permanent angeschrien hat! Auch Stars machen bei dem 2016-Hype mit. Heidi Klum, Ed Sheeran, Dua Lipa. Alle nostalgisch, alle rückblickend, alle erstaunlich skinny-jeansig. Damals, als es bei Tinder noch knisterte, Pokémon auf der Straße lebten und der Snapchat-Hundefilter uns Ohren und Sabberzungen verpasste. Kulturgeschichte. Warum aktuell vor allem Millennials zu digitalen Denkmalpflegern mutieren? Weil vor Corona, vor der KI, vor der Dauerkrise alles einfacher war? Man musste sich nur fragen, wo man da draußen Pikachu fangen kann – nicht, wo es als Nächstes brennt?! Natürlich war 2016 kein Ponyhof. Zika-Virus, Terroranschläge, Brexit. Und ein immobilienverliebter Prahlhans zog ins Weiße Haus ein. Aber Nostalgie ist eben selektiv. Wir erinnern uns nicht an News, sondern an Filter. Früher war nicht alles besser. Nur das Duckface.
Info
Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.