Kernaussage RHEINPFALZ Plus Artikel Stilkolumne: Haft-Befehl – das Comeback der Nasenpflaster

Mittleweile wieder zum Statussymbol avanciert: Ein Pflaster im Gesicht.
Mittleweile wieder zum Statussymbol avanciert: Ein Pflaster im Gesicht.

Die Neunziger sind zurück. In der Mode schon länger, jetzt aber auch im Sport: Pflaster kleben wieder auf Nasen. Atemlos durch die Nacht? Vor Jahrzehnten schon pappten die schmalen Streifen zunächst auf Schnarchnasen, dann auf den Riechkolben dopender Dauerläufer. Nasenpflaster sind also eigentlich nix Neues. Jetzt trägt man sie aber nicht mehr heimlich, sondern heroisch. In der Muckibude und im Matcha-Milieu, zum Proteinshake und Pilates. Das Nasenpflaster hat sich vom beschämenden Betthilfsmittel zum salonfähigen Status-Streifen hochgeklebt. Die Botschaft des oft beigefarbenen Besserwisser-Balkens: „Ich bin ein skrupelloser Selbstoptimierer und besser belüftet als du!“ Schwaches Atmen ist für Schwachmaten! Technisch ziehen die Tapes die Nasenflügel minimal nach außen, erweitern die Löcher, lassen Luft leichter laufen. Kein Schniefen, kein Zischen, kein Hecheln mehr. Klingt klinisch, wirkt clever – ist laut Experten aber eher Placebo-Poesie. Total nasal? Total banal! Leuten mit Pflaster-Laster ist das jedoch egal. Hauptsache, es spannt, zieht und zerrt, dieses sichtbare Siegel der Selbstüberlegenheit. Lieber mit einem Lifestyle-Label nach Luft schnappen als einmal tief durchatmen.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

Jan Peter Kern schreibt alle zwei Wochen eine neue Kolumne in der RHEINPFALZ am SONNTAG.
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