Kernaussage RHEINPFALZ Plus Artikel Stilkolumne: Das Oma-Hobby Stricken ist jetzt ein Lifestyle-Trend

 Immer mehr junge Frauen fangen an zu stricken. Die Profi-Tipps gibt’s natürlich von Oma.
Immer mehr junge Frauen fangen an zu stricken. Die Profi-Tipps gibt’s natürlich von Oma.

Ein Knäuel Wolle, zwei Nadeln, ein Fernseher im Hintergrund: Früher war Stricken die stille Kunst der Omas. Heute sitzen Millennials in Cafés, die Nadeln klackern, der Laptop summt, nebenbei wird das Handwerk gefilmt, gestreamt und für Instagram inszeniert. Jede Masche ist ein Statement, jede Reihe ein Mood-Board. Stricken ist wieder in – auch wenn es jetzt als „mindful crafting experience“ zelebriert wird. Handarbeit mag zwar ein kreativer Gegenentwurf zur Fast-Fashion-Mentalität sein. Doch der Pullover wächst nicht mehr nur, um warm zu halten – er wächst auch, um Likes zu sammeln. Stricken, das alte Handwerk, ist zum Lifestyle-Event geworden – mit DIY-Bloggern, Youtube-Tutorials und hippen Wollgeschäften für Nadelsüchtige. Ob in Grünstadt oder Gera, in Frankenthal oder Frankfurt: Neuerdings treffen sich Strick-Süchtige sogar im Kino, um bei gedimmtem Licht gemeinsam an der Nadel zu hängen. Perlmuster sind das neue Popcorn. Die Masche funktioniert. Stricken ist Statussymbol, Selbsterfahrung und Smalltalk-Sujet in einem. Zwischen Bambusnadeln und biozertifizierter Baumwolle beweist man Geduld, Geschmack und gesellschaftliche Genialität. Man darf nur nicht den Faden verlieren.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

Jan Peter Kern schreibt alle zwei Wochen eine neue Kolumne in der RHEINPFALZ am SONNTAG.
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